
Gestern Abend musste ich einen kleinen Disput über mich ergehen lassen, weil ich die Auffassung vertrat, die kleinen Riegel der Reihe “Kinderschokolade” würden besser schmecken als die großen Varianten der “Kinderriegel”. Das ist selbstverständlich reine Geschmackssache, aber wir dürfen nicht vergessen, dass hinter beiden Angeboten eine bezahlte Riege(l) von Produktdesignern steht, die sich dabei etwas gedacht hat. Obwohl in beiden Produkten die gleichen Bestandteile enhalten sind. Verpackung und Größe zwingen den individuellen Esser je nach Präferenz zur einen oder zur anderen Ausführung.
Die Kinder-Schokolade weist fünf nach oben stehende “Zähne” auf. Man wird sich bei der Entwicklung gedacht haben, einer davon stünde für einen Abbiss (Nähe zur Tiefe von gleichklingenden Hollywood-Filmen sind absolut unbeabsichtigt). In der Realität wird der findige Beobachter sogar an sich selbst feststellen können, dass für den knorksten Biss Kinder-Schokolade ungefähr zweieinhalb, also die Hälfte der vorgegebenen Möglichkeiten, zufrieden stimmend sein wird.
Demgegenüber befindet sich der Kinderriegel stark im Nachteil. Er kann alleine ob seines größeren Volumens nicht so schnell verputzt werden. Auch er hat ebenfalls fünf Zinken, ist aber wesentlich länger. Ein erwachsener Mensch benötigt ungefähr anderthalb dieser “Zinken” für einen Biss. Bei beiden Ausführungen beißt kein Mensch auf der Kruste dieser Erde nur einen davon ab. Der Jieper des ausgewachsenen Homo Sapiens-Kiefers ist schlicht größer als nur einen dieser Dinger umfassen zu wollen.
Ich bin überzeugt davon, dass Mangel dem menschlichen Gehirn vorgaukelt, man müsse mit dem minder vorhandenen Material respekt- und genussvoller umgehen. Fast automatisch denkt der Kopf dann: “Hmm, hiervon ist jetzt weniger vorhanden, das muss ich mir auf der Zunge zerschmelzen lassen wie aufgewärmtes Bernstein.”
Dazu kommt die Verpackung. Die kleineren Kinderschokolade-Riegel sind nur einfach umwickelt, in bedrucktem Staniol. Der große Bruder hingegen recht umständlich in zwei Schichten: Zunächst in unsymphathischem Farbplastik, worauf eine reine Alufolie folgt. Die einfache Staniolschicht ist mit humanoidem Fingergriff einfach zu entpacken und erzeugt mit fast direktem Kontakt mit dem begehrten Objekt einen emotional kaum erklärbaren Bezug zur Schokolade. Das streicht sich sanft lecker ab.
Der dicke Kinderriegel spuckt auf direkten Bezug. Er hüllt sich in billiges Plastik und protzt mit Größe. So ist das immer: Die Kleinen werden ausgelacht und vernachlässigt. Die weiß-rote Plastikschicht des elendigen, großkotzigen Kinderiegels ziemt sich wie eine wegwerfbare Neonreklame und verleidet den Geschmack. Es ist so wie immer: Die Kleinen fallen aus dem Augenmerk, werden ausgelacht, bilden aber oft die Substanz. Befragt mal ein paar regierungsbildende Splitterparteien hierzu.
Ich stehe – wenn überhaupt – zur Kinderschokolade. Kann die jemand mal zur Wahl anmelden?
P.S.: Und ich schrub übrigens einmal an anderer Stelle, dass ich innerhalb eines halben Jahres 10 (zehn) Kilo zugenommen hatte. Damit hatte ich nicht übertrieben. Süßigkeiten könnten daran einen nicht zu vernachlässigenden Anteil besitzen. So geht das aber nicht weiter. Ferrero-Kinderkram wird fortan mit Verachtung gestraft. Und mal bitte, wie bigott ist sowas überhaupt? Außen braun und innen weiß!
(Bild: funki1opti, Lizenz)
Gute Laune wird viel zu stark überbewertet. Es muss nicht immer alles “Trallafiti und Juchhei” sein. Das geht auch gar nicht, das Leben ist schließlich nicht Comedy Central. Ein blöder Tag, vielleicht auch mal zwei oder drei blöde Tage gehören auf dem pain in the ass ausgesessen. 




