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Atompriesterschaft

200px-Radioactive.svg Bedenkt man, dass Atommüll nach Expertenmeinungen für einen Zeitraum von einer Million Jahren sicher von der Biosphäre abgeschlossen werden muss, ist es nur folgerichtig darüber nachzudenken, wie man den zirka 30.000 nachgeborenen Menschengenerationen begreiflich macht, das Zeugs nicht anzurühren, was dort herumliegt und strahlt.

Was nutzen angesichts dieses enormen künftigen Zeitraums Verordnungen und Gesetze in deutscher Sprache im Wissen, dass die frühesten Keilschriftfunde ungefähr 5.000 Jahre alt sind, die deutsche Sprache gerade einmal 1.300 Jahre auf dem Buckel hat? Alle diese Zeichensysteme sind einem starken Wandel unterlegen.

Klarer Fall: es muss eine Disziplin für “Atomsemiotik” her!

Drei Dinge müssten der Nachwelt mitgeteilt werden:

1. dass es sich überhaupt um eine Mitteilung handelt,
2. dass an einer bestimmten Stelle gefährliche Stoffe lagern,
3. Informationen über die Art der gefährlichen Substanzen

Als einen der interessantesten Lösungsvorschläge für die weitere Informationsübermittlung halte ich die Idee von Thomas Sebeoks “Atompriesterschaft”,

…eines Gremiums von Experten, das Abgänge nach Art eines Kardinalskollegiums durch Neuernennungen ausgleicht. Wie die katholische Kirche über 2.000 Jahre ihre Botschaft bewahrt und deren Übersetzung in neue Sprachstufen autorisiert hat, so hätte die »Atompriesterschaft« die Botschaft vom Ort der Atommüllager und den Folgen des Eindringens zu bewahren und zu verbreiten, indem sie Rituale und Mythen schafft. Sie würden darauf hinweisen, welche Gebiete zu meiden seien und welche Vergeltung bei Nichtbeachtung drohen.

Wikipedia-Atomsemiotik [via]

Faire Wäsche

Nie sind die Leute zufrieden zu bekommen. Immer ist irgend etwas. Vor ein paar Wochen noch habe ich überall vom gefühlten Winter gelesen, jetzt ist es plötzlich unerträglich tropisch. Dabei haben die Temperaturen auch ihre guten Seiten.

Man nehme nur einmal die Wäsche. Natürlich muss sie dieser Tage häufiger mal gewechselt werden, schließlich will man nicht zum stinkenden Außenseiter degenerieren. Aber dafür ist die Kleidung nach einem Waschgang bereits nach fünf Stunden wieder getrocknet. Hab’ ich gerade heute erlebt und ich muss sagen, dass ich es nur fair von der Wäsche finde, dass sie sich nicht so anstellt.

Steile These: Auch wenn man nur zwei Paar von jedem Kleidungsstück besäße, käme man derzeit prima zurecht.

Doch pssst. Diesen Gedanken solltet Ihr nicht so weit herumtratschen. Am Ende kommt noch irgendein Boulevardblatt auf die Idee und zimmert einen Hartz IV-Rechtfertigungsartikel daraus, frei nach dem Schema: “Seht doch! Es geht auch mit weniger!

Damals™ hatten wir es als Schüler stets begrüßt, wenn das Licht ausging und uns ein Film gezeigt wurde. Dann knatterte der Filmprojektor (das ist ein Vorgänger des Beamers) und präsentierte uns in Bio einen Trickfilm über Mitose und Meiose. Kleine, hektische Bandwürmer und Staubpartikel lieferten sich auf der Leinwand einen Kampf mit den Zellkernen und der Lehrer bangte darum, dass die tausendfach abgespielte IWF-Kopie durchhielt. Uns war das egal, wir konnten uns entspannen, brauchten uns nicht aktiv einbringen und konnten stattdessen aktiv mit der Nachbarin flirten.

Was haben es die Leutz von heute da nicht ungleich besser: Hier ein Beispiel dafür, wie man jüngere deutsche Geschichte in astreiner 3D Egoshooter-Optik präsentieren kann. Eine Animation über die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland (Dauer 10:39):

direktmauer

Allerdings muss ich noch kurz bemerken, dass Themen wie Mitose und Meiose wahrscheinlich durch eine bessere Optik auch nicht viel spannender werden.

[via]

Es ist warm, wir schreiben es 17 Uhr MEZ und ich vermute, in Kürze taucht bei ziemlich vielen Bielefelder Twitternutzern das Tag “#siggi” auf. Zur Sicherheit füge ich dahinter meist noch “#bielefeld”, um darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um ein lokales Phänomen handelt. Aber dennoch reagieren viele Leute von außerhalb mit Sicherheit befremdlich, wenn sie dies stets so unkommentiert und gehäuft lesen. Wer ist dieser Siggi?

Daher muss ich wenigstens einmal kurz festhalten, um was es sich dabei handelt. Zum einmal – und bei Gelegenheit immer wieder – verlinken.

Das hier, liebe Auswärtige, ist der Bielefelder Siegfriedplatz, kurz: Siggi, von oben abgebildet:

siggi

Geographisch gesehen liegt er im Bielefelder Westteil. Sobald die sommerliche Luft etwas erträglicher geworden ist, also meist gegen Abend, kommen die Bielefelder aus den Parks und von den Balkonen geschlichen und treffen sich dort zum informellen Gespräch. Das Phänomen kennen die Berliner Leser unter Euch bestimmt auch von der Admiralbrücke.

Dennoch: Ich versuchte es vor einiger Zeit, einem hier anwesenden Berliner Schriftsteller zu erklären, erntete aber Unverständnis. Vielleicht liegt dies daran, das sich niemand vorstellen kann, wie sich eine Horde Leute nach dem Prinzip der unsichtbaren Hand auf einem großen Platz ordnet, obwohl kein größeres, fließendes Gewässer in der Nähe ist. Nun ja.

Doch seht selbst: Ein (leider nicht sehr gelungenes) Handy-Panoramafoto von gestern Abend:

DSC00180a Vergrößern

Oder ein zweites, aus der Menge:

DSC00178a Vergrößern

Entgegen anderslautender, übler Gerüchte verbringt die Menge ein Großteil der Zeit damit, haufenweise Zitronenlimonade zu konsumieren und anregende Gespräche über andere, anwesende Platzbesetzer zu führen. Die Beliebtheit des Platzes ist dermaßen hoch, dass selbst die örtliche Prominenz sich auf den harten Boden bequemt. Seien es GNTM-Teilnehmerinnen oder “Schlag den Raab”-Gewinner, auch sie lassen sich gerne das Flaschenpfand von den vielen umherschwirrenden Sammlern entwenden.

Und daher kann es auch in meinem Twitteraccount gehäuft vorkommen, dass ein “#siggi” dort zu lesen ist. Ich hoffe, Ihr von außerhalb seht es mir nach.

Das tragbare Handtuch

Das hier wird der Sommerhit, ich sag’s Euch. Ich werde zwar das Gefühl nicht los, dass uns damit der Bademantel neu verkauft werden soll, aber egal. Es wird der Sommerhit.

[via]

Im Vorübergehen

Kleiner Lese-Linktipp:

“Muß doch nicht sein, wa, Verluste so früh im Leben.”

Notausstieg Quadriga

Der frühere Kollege Volker benötigt kurz einmal die geballte Hilfestellung des Internetz. Vielmehr benötigt eine seiner (jetzigen) Kolleginnen von uns allen eine Auskunft. Aber lest selbst:

Dieses Foto hat meine Kollegin bei einer Fahrt durch unsere Bundeshauptstadt geschossen. Sie versicherte mir hoch und heilig, dass das Bild nicht nachbearbeitet wurde.

Mir war neu, dass dort ein Not-Ausstieg ist. Wir rätseln noch, wer diesen Ausstieg und aus welchen Gründen benutzen wird.

Liegen seitens der Leserschaft irgendwelche Kenntnisse darüber vor?

Und das hier ist das sonderbare Foto:

notausstieg1

Antworten bitte in die Kommentare hier

Killekille-Spiele

kitzeln

Wird man gesellschaftlich eigentlich genauso wie beim Spielen von Counterstrike geächtet, wenn man virtuell Mädchen kitzelt? Ihr könnt ja einmal ausprobieren, was das mit Euch macht. Ich kann mich in der Öffentlichkeit jedenfalls kaum noch zurückhalten.

Link

Brauereibesichtigung

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Vielen jüngeren Lesern dürfte der ehemalige Finanzminister Theodor Waigel kaum noch ein Begriff sein. Die Vergessenheit droht allerdings sämtlichen Finanzministern. Das liegt im Job selbst verborgen: Ständig stehen sie im Hintergrund der anderen Minister, machen keine großen politischen Richtungsvorschläge, stattdessen nörgeln sie dauernd über die Ausgaben. Finanzminister ist eine undankbare Aufgabe, mit der man der Nachwelt kaum im Gedächtnis zu haften bleiben vermag.

Theo hat es aber dennoch geschafft, mit zwei Aspekten in Erinnerung zu bleiben. Das eine war eine Wortschöpfung und für das andere kann er nix. So hat er uns zum Einen den Namen “Euro” für die gemeinsame, europäische Währung vorgeschlagen und bewirkt. Zum Anderen hat er nach wie vor unglaublich buschige Augenbrauen.

Brauen, die Euch nachts nicht schlafen lassen, weil man beim bloßen Gedanken daran Angst hat, vor Wucherungen zu ersticken.
Brauen, wegen denen Ihr aus der Gefahr vor derlei Albträumen stets eine Machete neben dem Bett liegen habt.
Brauen, die jeden von Euch wegen des Lesens dieses Beitrags freiwillig Papas Rasen mähen lassen.

Nun haben es Männer per naturam mit Behaarungen nicht besonders einfach. Es wächst bei uns an jeder Stelle um ein mindestens dreifaches schneller als bei jeder Frau. Das ist aber nicht weiter schlimm. Wir haben uns nämlich bereits vor der Entwicklung jeglichen Bewusstseins für diesen Weg entschieden. Vor der chromosomalen Paarung hörten wir von der harten Welt da draußen: Es sollte eine Art Schutzschild vonnöten sein, der uns vor Kälte schützt und im Zweifelsfall auch vor der Hitze des Grills. Und kommen die vielen Tiger und Löwen angerannt, fällt es ihnen ebenfalls schwerer, sich durch einen Pelz zu beißen.

Mit diesen Argumenten ausgestattet, hatten die Geschlechtsrekrutierer von der männlichen Army leichtes Spiel mit uns und wir fühlten uns mit unserer Entscheidung noch im Uterus auf der sicheren Seite.

Später werden wir dann aber mit einer Erfindung namens “Zivilisation” konfrontiert. Und plötzlich müssen wir feststellen, dass der ehemalige Finanzminister weit nach seiner Amtszeit eine weitere, bleibende Errungenschaft hinterließ.

Irgendwann bemerkst du nämlich, dass sich die Augen der Herzensfrau zwischenzeitig nicht mit deinem Blick kreuzen, sondern oberhalb deiner eigenen wandern. Dann sogar wiederholt. Darauf vernimmst du, dass der Kohl-Financier zum Verb deriviert wurde:

“Du waigelst schon wieder!”

Bei diesem Vorwurf schaut man(n) sich doch kurz einmal um, ob Tiger oder Löwen in der Nähe sind. Sind keine vorhanden, vergewissert man sich des starken Temperaturwandels in Europa und bemerkt, dass dieser gar nicht vorhanden ist. Danach greift man zur Schere und säbelt.

Die Entscheidung im Uterus wird dennoch nicht falsch gewesen sein. Ein kleiner Naturschutz vor dem Grill ist für den Mann schließlich nach wie vor notwendig.

Preisfrage

Welche Fernsehzeitschrift habe ich soeben durchgeblättert?

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Beim Betrachten dieser Anzeigen fühle ich mich noch nicht so recht als Bestandteil der Zielgruppe angesprochen. Eventuell werden in mir aber demnächst ungeahnte Bedürfnisse geweckt, je öfter ich darin blättere. Ich spüre die Faulheit direkt in mir aufkeimen: Bald will ich nicht mehr mit meinen eigenen Beinen laufen, ich brauche so einen kleinen Buggy!

Bis es endgültig soweit ist, stelle ich mir die Frage, ob zwischen dem Holzmedium und der Werbezielgruppe womöglich ein Zusammenhang besteht. Beantworten werde ich sie für mich nicht, da ich selbst noch ein Holzmedienfreund bin. Für das Fernsehprogramm gucke ich demnächst aber lieber wieder irgendwo im Internetz nach.

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[via]

Parkeuphorie

Die Werbebranche zieht ihre Daseinsberechtigung unter anderem daraus, Bedürfnisse zu wecken, wo vorher keine vorhanden waren. Zu sehen ist die Wirkung zum Beispiel dann, wenn man eine Frau dabei beobachtet, wie sie bei dem Versuch scheitert, erfolgreich an einem Schuhladen vorbeizugehen. Soweit die Bedienung von Stereotypen.

Erfinderisch wird die Werbung auch dann, wenn sie den Angeboten Eigenschaften andichten, die sie nicht besitzen. Niemand wird behaupten, sein Auto würde ihm im Innenstadtverkehr ein besonders hohes “Fahrvergnügen” vermitteln. Und außerhalb von geschlossenen Ortschaften ist das “Fahrvergnügen” auch nur eine Rechtfertigung für die Zerstörung von Wäldern. Egal, wegen des Spaßes wird das SUV schließlich verkauft.

Den folgenden Versuch eines Parkhausbetreibers halte ich aber entweder für Ironie oder für sehr dämlich:

parkvergn

Mit seinem Auto in einem Parkhaus einzuparken kann nur dann als Vergnügen empfunden werden, wenn es im Wettbewerb oder als Imponiergehabe geschieht: Sieh mal, wie gut ich die Karre in diese sauengen Boxen stellen kann!

Anders kann ich mir das nicht erklären.

Lebendiger Stahl

archittag

Tag der Architektur

Zahnarztpraxis in Bielefeld

Seit vorgestern wissen wir, dass der Bundeshaushalt ohne eine Neuverschuldung von 86 Milliarden Euro nicht zustande kommt. Peer Steinbrück verkündete diese mit Bedauern, da er doch vor Kurzem noch die Chance eines Ausgleichs sah. Im Interview mit der Tagesschau zeigte er dabei auf der textlichen Ebene durchaus die Qualitäten eines HP Baxxter, wobei er an der Lautstärke allerdings noch arbeiten muss. Das hat meinen Bruder nicht daran gehindert, daraus mal kurzerhand einen kleinen Song zu basteln:

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Link

Tagesschau-Artikel mit Interview

Einfach nur mal reden

dokanz

Aus der Rubrik “Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?”

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