Zurüruck zum Inhalt

Lust auf’n Kaffee?

„Wollen wir nicht mal zusammen einen Kaffee trinken gehen?“

Eine ganz simple Frage, ich habe sie weder ganz begriffen, noch sehr oft zu Ohren bekommen. Vorsichtig war ich, wenn ich sie aussprach, sie ist immer in einem Fiasko geendet. Immer wieder bekomme ich von der Unklarheit über die Bedeutung des Frageinhalts zu hören, daher wage ich hier einen Versuch:

Es handelt sich um eine Frage, die, egal ob von Mann oder Frau gesprochen, wahrscheinlich niemals den wortwörtlichen Inhalt impliziert. Linguisten würden in diesem Fall von einem sogenannten indirekten Sprechakt reden. Was sich hierunter verbirgt, lässt sich vielleicht am Besten mit einem vielzitierten Beispiel erklären, dass einen Hundebesitzer samt Hund auf einen Passanten treffen lässt. Der Vorbeigehende liebäugelt mit Wauwi und zeigt sich geneigt, ihm über’s Fell zu streichen. Doch obacht, Herrchen kennt die Macken seines Vierbeiners genau und äußert: „Der Hund beißt.“ Der Passant begreift schnell, dass mit diesem Satz etwas anderes ausgedrückt werden soll und zieht seine Flosse schnell wieder zu sich. Nicht die bloße Information über das zu erwartende Verhalten des Tiers, sondern eine Warnung ist hiermit erfolgt. Darüber herrscht allgemeine Einsicht und jeder Mensch scheint diese zu verstehen.
Anders verhält es sich aller Wahrscheinlichkeit nach bei der Frage nach dem gemeinsamen Treffen zum Kaffee. Nicht das Interesse an dem Getränk ist gefragt und der Fragende will sich auch nicht versichern, ob man lediglich alleine oder nur mit wenigstens einem Gegenüber dazu neigt, Kaffee zu sich zu nehmen, nein, hier geht es um mehr. Informationen werden nunmal mit Fragen per naturam kaum mitgeliefert, außer – wie in diesem Fall – gewisse Bereitschaften, nämlich die des Fragenden, dass er durchaus bereit sei, überhaupt Kaffee zu sich zu führen, und diejenige, es auswärts zu tun, denn „gehen“ wird der- oder diejenige schwerlich mitsamt einer heißen Tasse seiner Wohnung.
Dem Sinn der Frage näher kommt man dann schon über die Worte „wir“ und „zusammen“. „Wir“ schließt Fragenden und Antwortenden mit ein, das „Zusammen“ ist hier eigentlich nicht notwendig, wird aber meist mitausgesprochen und verstärkt den Eindruck, dass es jetzt gerade um diese sich gegenüberstehenden Personen handelt. Der Kaffee wird somit zur Nebensache und das Interesse an der Person zum Ausdruck gebracht, es geht also um gegenseitiges „Beschnuppern“. Wie neutral besetzt das Getränk sogar ist, zeigen häufig auftretende Fragevarianten wie „etwas trinken gehen“. Da aber „trinken“ in unseren kulturellen Breiten eine alkoholische Nuance besitzt und nicht jeder Mensch dem zugeneigt ist, vermeiden schlaue Leute dieses und ersetzen es durch den wertneutraleren Kaffee. Die Erfolgsquote ist somit höher.
Bleibt lediglich das „Wollen“. Die Standardsatzgliedstellung von Fragen im Deutschen begünstigt die Hervorhebung des Verbs und damit die Umstände, die den Erfolg des Fragenden noch im Unklaren lassen: Die Geneigtheit des/der Befragten, sich zu einem wollenden Wir zu bekennen. Der Fragesteller weiß in diesem Moment schließlich nur, dass er alleine bereit wäre, sich mit der anderen Person zu treffen.

So, habe ich jetzt die gesamte Bedeutung der Frage einigermaßen erfasst? Ich hoffe…

Einen Kommentar schreiben

Ihre Email wird NIE veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *
*
*


Fatal error: Call to a member function return_links() on a non-object in /www/htdocs/w009b2a2/blog/wp-content/themes/veryplaintxt4/veryplaintxt4/footer.php on line 29