Zurüruck zum Inhalt

Sonderbare sexuelle Neigung

Das Leben in einer Denkfabrik ist nicht immer nur theoretisch und von großen Fragen beherrscht. Hin und wieder fühlt man sich auch dort daran erinnert, dass man nach einer Abhandlung über Schillers „Anmut und Würde“ schnell mal auf’s Klo muss. Doch so einfach, wie es zunächst scheint, ist selbst diese Unterfangen nicht in die Tat umzusetzen.
Eine Kommilitonin berichtete mir, dass sie wegen des hohen Frauenanteils an der Fakultät für Linguistik und Literatur gar nicht erst zu versuchen brauche, einen dieser Orte dort aufzusuchen. Sie begebe sich daher immer gegenüber zur Soziologie. Jetzt denkt man(n): „Aha, dann muss ja auf den Männertoiletten gähnende Leere und daher immer ein freier Platz vorhanden sein.“ Das stimmt so nicht ganz, lieber Man(n).
So kann ich mich mittlerweile auch nicht mehr auf alle öffentlichen Toiletten der Fakultät wagen. Diejenigen im Erdgeschoss sind zum Beispiel anscheinend nur Männern mit ausgeprägt sonderbarem Geschmack vorbehalten.
Als ich dort vor Kurzem einkehrte, eine Zelle betrat und mich anschickte, mein Geschäft zu verrichten, tat sich plötzlich eine durch die Trennwand gebohrte und lediglich mit Toilettenpapier verdeckte Luke auf und ein in eine Brille gefasstes Auge wollte mir dabei zusehen. Völlig verdutzt über diese Dreistigkeit entrann ich mir ein lautes „Hey“, worauf sich die Luke blitzschnell wieder schloss und ich nur noch die Geräusche einer sich schließenden Tür und schnell sich entfernder Schritte hörte. Seit diesem Erlebnis ist für mich auch das Aufsuchen eines derlei stillen Ortes keine einfache Selbstverständlichkeit mehr geworden. Die immer seltsamere Blüten treibenden Neigungen der Modernität rauben die letzten Bastionen der Privatheit.
Das muss man sich mal vorstellen: Allem Anschein nach müssen ja Leute existieren, die Beobachtungen bei einem derart diskreten Vorgang zulassen. Und obendrein gibt es wieder andere, die es erregend finden, einen Blick auf die Geschlechtsteile während…Oh Hilfe, ich merke gerade, dass mir ein wenig übel wird. Ich glaube, ich muss kurz…Moment bitte [+++Pause+++]…[+++Pause+++]…[+++Pause+++]…[+++Pause+++]…[+++Pause+++]

Sooo. Uffz. Da wär’ ich wieder. Ich muss mich für die kurze Unterbrechung entschuldigen. Das war unhöflich von mir, schließlich möchten Sie alle hier ohne Störung des Leseflusses geistig angeregt werden. Ich hoffe, es kommt nicht wieder vor. Obwohl, wenn ich darüber wieder nachdenke, dann…*würg* ich glaube *hmmpf*, vielleicht wäre es besser, wenn wir…Ein ander Mal

[+++Abbruch+++]…[+++Abbruch+++]…[+++Abbruch+++]…[+++Abbruch+++]…

Einen Kommentar schreiben

Ihre Email wird NIE veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *
*
*


Fatal error: Call to a member function return_links() on null in /www/htdocs/w009b2a2/blog/wp-content/themes/veryplaintxt4/veryplaintxt4/footer.php on line 29