Zurüruck zum Inhalt

Heut’ nerv’ ich die ZEIT

Die Germanisten gelten in der Öffentlichkeit oft als unverbesserliche Besserwisser, da sie dazu neigen, jeden ihnen gegenüber geäußerten Satz zu korrigieren, auf Genitiv-/Dativ-Verwechslungen hinzuweisen und permanent Etymologien aus dem Ärmel zu schütteln. Dazu will ich nicht gehören, denn ich begehe selbst dauernd solche Fehler und außerdem weiß ich, wie sehr derlei Gestalten nerven können. Aber eben gerade ist mir ein so unglaublicher Faux-pas unter die Augen getreten, dass ich mich darüber nicht ausschweigen kann. In der meistgelesensten Wochenzeitung Deutschlands ist ein Artikel über Lobbyarbeit in der heimischen Politik zu lesen, der inhaltlich grauenhaft unheimlich ist und in vielerlei Hinsicht Anlass zur Debatte darstellt. Beim Lesen des folgenden Absatzes schoss mir aber das Blut in den Kopf und ich visionierte bereits über Reaktionen der Auslandspresse:

„Als der Kanzler schließlich einen Umbau des Sozialstaats versuchte, fragte er nicht einen Strategen aus seiner Partei, sondern den VW-Personalvorstand Peter Hartz, dessen Name inzwischen zum Synonym für die vielleicht größte Reform in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg wurde.“

Ich anstelle des wahrscheinlich schlafenden Lektors hätte diesen Absatz dick rot angestrichen und den Autoren (Götz Hamann, Mitarbeit: Tina Hildebrandt und Joachim Fritz-Vannahme) mit folgenden Worten zurückgereicht:
„Liebe Autoren, bitte überdenken Sie den markierten Satz. Sie stellen auf diese Weise den millionenfach todbringenden Zweiten Weltkrieg als eine Reform dar und damit den NS-Diktator A. Hitler als möglicherweise („vielleicht“) größten Reformator Deutschlands. Ich halte diese Verharmlosung für sehr heikel.“

Du liebe ZEIT: Gibt es bei Euch überhaupt ein Lektorat? Wenn nicht, ich stelle mich zur Verfügung, noch weiß ich nämlich nicht, was ich nach dem Studium tun soll…

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