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2046

Gestern abend war ich dann doch in dem bereits angesprochenen Film von Wong Kar-Wai. 3und20 und zwei ihrer Freundinnen nahmen mich gnädigerweise mit und da es sich bei diesen um Menschen mit wesentlich mehr Rezeptionserfahrung diesen Regisseur betreffend handelt als ich es bin, dachte ich bei mir: „Oha, da sag’ ich hinterher bestimmt das Falsche über meine Eindrücke“, kannte ich doch das vorige Werk „In the mood for love“ nichtmal. War aber gar nicht so.
Der Film ist extrem melancholisch, sogar die Melancholie selbst. Ich würd’ noch nicht einmal sagen, dass er besonders asiatisch wirkt, mal abgesehen von der Tatsache, dass die Darsteller ganz offensichtlich von jenem Kontinent stammen. Er handelt von Zeitverlust und Stagnation des „Helden“ Chow (Tony Cheung) in einer Idealwelt, in der die große Liebe – in der Vergangenheit einmal empfunden – konserviert zu haben ist und der er nicht entfliehen kann („Es hat noch niemand geschafft, aus 2046 zurückzukehren“). Frauen pflastern seinen Weg, die mehr von ihm erwarten, aber wegen seiner Gegenwartsflucht nie erhalten…
Sehr traurig, man weiß gar nicht, wen man mehr bemitleiden soll, die Frauen oder den Mann.
Eindrucksvoll sind die Bilder und die Detailverliebtheit der Kamera. Die Erscheinungen der Frauen sind alle unwirklich, was sie zum Großteil ihrer Mode verdanken. Insbesondere die ausnahmslosen Beton-Hochsteckfrisuren lassen sie enorm unnatürlich wirken. Zhang Ziyi altert seit „Tiger & Dragon“ einfach nicht mehr, und jedes Mal, wenn man sie als Mann anschaut, möchte man sich am liebsten sofort selbst der Polizei ausliefern. Sie ist es auch, der eine Beziehung zu Chow möglich erscheint, aber in seiner Idealwelt 2046 taucht sie nicht auf. Diese nehmen dann Gong Li und Faye Wong (der singenden Madonna Chinas) in Gestalt von Androiden mit zeitversetzten Bewegungsabläufen ein.
Es gibt kein Happy-End (war zu erwarten) und das Werk ist hochgradig selbstreflexiv, schreibt doch Chow, während er darüber erzählt, an seinem Roman „2046“, eben so, wie der Film betitelt ist.
Nicht jedermann’s Geschmack, der Streifen. 3und20 meinte vorab noch, sie würde bestimmt weinen. Stattdessen wär’ sie beinahe neben mir eingepennt…

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