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Arne & Petja

Abends in einer mittelgroßstädtischen, sogenannten alternativen Diskothek. Arne und Petja, zwei Soziologie-Studenten gegen Ende zwanzig, sitzen an einem der Nebentische am Rande des Geschehens, gelangweilt vom übrigen Treiben und der Tatsache, dass der DJ nur Musik auflegt von Bands, deren Namen eigenartigerweise alle nur aus Buchstaben- und Zahlenkombinationen bestehen. Die Beiden blättern in einem Szene-Magazin.

Arne: Aaah, hier, das könnte was sein: „Einsamer Single sucht für einmal wöchentlich eine Hilfskraft, die ihm die Flaschen zum Container trägt.“ Und dann noch der Satz: „Ich schaff’s einfach nicht mehr.“

Petja: Das ist doch’n Fake!

Arne: Wie kommste denn darauf?

Petja: Jemand, der von sich behauptet, er wäre einsam, wird doch wohl den Zustand nicht auch noch aufrecht erhalten und in aller Stille zuhause saufen wollen. Der geht abends auch mal weg auf Suche.

Arne: Du meinst, Singles sieht man eigentlich nur draußen auf Achse? So wie uns?

Petja: Ganz genau. Der da mit der Anzeige hat bestimmt ganz andere Absichten. Der appelliert zunächst mal an die Barmherzigkeit und hinterher kommt der große Schlag…

Arne: Und was is’, wenn er einfach nur nicht soviel Geld hat, um andauernd unterwegs zu sein? Wäre doch möglich…

Petja: Hmmm. Dann müsste man ihn am Besten mal danach fragen, was er denn gestern abend so gemacht hat. Und wenn er dann genau weiß, was so alles im Fernsehen lief und sogar Gesten und Sprüche von Gottschalk aufzählen kann, dann ist mit Sicherheit klar: Mensch, hier haste aber mal ungeliebte Seele vor dir. Eine, die obendrein auch noch Not leidet.

Arne: Vor der Glotze hocken kann man aber auch zu zweit.

Petja: Ja, aber da biste nicht so konzentriert bei der Sache für das Geschehen auf der Mattscheibe, da gibt’s auch schon mal Kommentare und Gespräche. Wer weiß, mit der Freundin vielleicht auch mehr. Musste ein bisschen genauer nachfragen, wenn de dich bei dem vorstellst, dann weißte es.

Arne: Wonach? Was er mit seiner Freundin macht?

Petja: Nein, Mensch Arne, was im Fernsehen lief…

Arne: Ja, aber mal ehrlich gesagt, wird mir das langsam auch viel zu teuer, was wir hier machen. Bald arbeite ich ja nur noch für’s allabendliche Ausgehen. Immer diese Eintrittspreise und mindestens 2 Euro für’n Beck’s.

Petja: Wenn’s mal dabei bliebe. Du kannst die Frau ja auch nicht nur von deinem Job durch den Bieratem anöden, sondern musst am Besten noch irgendetwas Tolles erlebt haben, um überhaupt interessant zu wirken. Weite Reisen zum Beispiel. Was da alles noch im Vorfeld dazukommt, um ein toller Hecht zu sein, nee nee nee…

Arne: Ach, Reisen kann ich mir doch schon ganz lange nicht mehr leisten, ich fahr doch höchstens mal ans Steinhuder Meer am Wochenende und das war’s dann. Und auch das nur selten, weil wir ja immer abends raus müssen. Reicht’s denn vielleicht nicht, wenn man einfach nur interessant denkt? Ich könnte mir bestimmt auch ein paar prima Reisen ausdenken…

Petja: Dir ist jawohl klar, dass du damit deinen Single-Status aufrecht erhältst, nicht wahr? Das dauert doch nicht lange, bis das auffliegt.

Arne: Naja, vielleicht gibt es ja eine Frau, die Männer mit Phantasie mag. Neulich hatte ich zum Beispiel einen Traum, in dem war ich Anführer eines Drachenbootes. Das hatte sogar ne Gallionsfigur und die sah aus wie Hannelore Elsner. Dabei ist die ja gar kein Drachen. Jedenfalls hatten wir den Auftrag, zu den Sardellen zu segeln, die irgendwo in irgendeinem Golf lagen. Das schafften wir mithilfe des Passats auch ganz schnell…

Petja: Arne!

Arne: …und trafen dort auf Ureinwohner, und obwohl die Inselkette auf der anderen Seite der Welt lag, konnten die alle nur Schwäbisch…

Petja: ARNE!

Arne: Ja, was ist denn, Petja?

Petja: Was ist das für ein Blödsinn?

Arne: Naja, wie gesagt, eine kleine Phantasiererei…

Petja: Das ist keine Phantasie, das ist ein Traum. Noch dazu ein ziemlich dämlicher…Eine Frau kannste damit jedenfalls nicht beeindrucken, die verschreckst du eher.

Arne: Hmm, vielleicht haste Recht. Müssen wir wohl so weitermachen, oder?

Petja: Sieht wohl so aus. Gibt’s da noch mehr Stellen?

Arne (blickt wieder in das Szene-Blatt): Tja, warte mal….

Und so ziehen wir uns wieder von den Beiden zurück und lassen sie in Ruhe stöbern…

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