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Angst!

Der Bericht von nadessa hat mir Ungutes in Erinnerung gerufen und Angst vor dem bevorstehenden Ostersonntag bei mir entfacht.

Bereits vorgestern rief mich meine Mutter an um mich zu fragen, wann ich denn für die Feiertage nach Hause käme. Sie hat nunmal die ‚Kinder’ (Alter: beinahe 29 und 25!) gerne lange Zeit um sich.
Ich will zwar keine Muttergefühle verletzen, aber wenn es darum geht, meinen Heimatort aufzusuchen, hätte ich gerne und generell ein paar ganz gute Ausreden parat. In meinem Heimatort wird Ostern ja ganz gerne etwas absonderlich und aufwändig begangen. Es ist beinahe eine Art Pflichtveranstaltung, wenn alle Weggezogenen plötzlich wieder auftauchen und sich zum x-ten Mal mitansehen, wie man aus Tradition einem Osterfeuer sechsfach zu etwas Mobilität verhilft und dieses, einmal angeschubst, einfach einen Berg hinab seine Bahn ziehen lässt. So mancher hat diese Gepflogenheit schon zum Anlass genommen, sich durch unvorhergesehene Aktionen etwas Nervenkitzel zu verschaffen.
Darüberhinaus macht der Ort aufgrund der zu erwartenden Touristen ein großes Brimborium daraus und spickt das Treiben mit allerlei Randveranstaltungen, z.B. Kirmes und der leider, leider anschließenden Dorfdisko [wenn ich den Ort hier als „Dorf“ bezeichne, bekomme ich wahrscheinlich von allen dortigen Einwohnern ungeheuer was auf den Latz, schließlich besitzt man Stadtrechte]. Zum Glück hält sich mein Freundeskreis davon gerne fern und ‚begeht’ das Fest bei einer abgelegenen Hütte, welche sich mittlerweile als Ziel- und Angelpunkt für Gleichgesinnte herumgesprochen hat.
Dennoch müssen Wege vom Elternhaus dorthin in Kauf genommen werden, die durch die Innenstadt führen und gezwungenermaßen läuft man hierbei vielen bekannten Gesichtern über den Weg.
Die Spießigkeit der Bevölkerung hatte ich bereits einmal an anderer Stelle angerissen und je größeren Abstand ich zu ihr gewinne, desto eher gelange ich zu der Auffassung, dass Eckhard Henscheid hier Feldstudien für seine „Trilogie des laufenden Schwachsinns“ [Göttlich! Lesen!] gesammelt haben müsste, wäre sie nicht so stark bajuvarisch angehaucht.
Über die berühmte Frage: „Was machst’n du jetzt so?“ sehe ich inzwischen gnädig hinweg, und die darauf automatisch folgende: „Und was kann man damit machen?“ beantworte ich wahrheitsgemäß und wie aus der Pistole geschossen: „Alles oder nichts.“ In den meisten Fällen klingt für diese Leute nämlich allein schon ein Studium an sich immer noch nach Elfenbeinturm und Elite. Wenn die wüssten.
Von den gleichen Fragen, allerdings von einem Ex-Kollegen aus dem dortigen Rathaus gestellt, wird letztere von mir verwirrungsgemäß mit: „Finanzminister oder Taxifahrer“ retourgekutscht. Diese Antwort entspricht ebenfalls dem breiten Spektrum an Möglichkeiten, die nunmal zur Zeit von Germanisten wahrgenommen werden.
Ich möchte den Leuten aus der Verwaltung aber nicht auf diesem Volksfest spätabends begegnen. Die schlimmsten Anekdoten kommen mir bei dem Gedanken allein wieder hoch. Wie war das noch, wenn die komplette Belegschaft sich in der Mittagspause auf dem Schützenfest heillos betrank? Und das ganze Rathaus danach nach Alk stank? Frau und Mann gerne verkuppelt werden sollten wegen evtl. künftiger Personaleinsparungen?
Ich könnte ganze wallraffartige Bücher über diese Zeit schreiben, wenn mir danach wäre. „Macchiavelli in der Provinz“ (guter Titel). Ein Kollege aus dem Ordnungsamt stöhnte immer: „Gott, wie das wohl alles in einer richtigen Verwaltung ist?“ Nun gut, er wurde irgendwo im Sauerland Kämmerer. Viel Glück. Huch, ich hab’ grad gegoogelt. Der ist ja mittlerweile woanders Bürgermeister. Glückwunsch.
Naja, jedenfalls bloß nicht lange dort aufhalten. Davon krieg’ ich Krebs. Eine Freundin von hier, die auch dorthin möchte und mich womöglich mitnehmen kann, meinte auch bereits, dass sie erst am Sonntag selbst fährt. Wäre schonmal vorne genug Zeit gekürzt.
Hier in meiner Wahlheimat, eine Autostunde entfernt, fühl’ ich mich wesentlich wohler. Wahrscheinlich überall anders auch.

P.S.: An Wahlsonntagen war es übrigens beliebt, mehr als einmal den „Schirm“ kommen zu lassen. Ein Gastwirt hatte nämlich herausgefunden, dass gezapfte Biere durchaus zwischen den Speichen eines geschlossenen Regenschirms Halt fanden. Auf diese Weise konnte einiges an Getränken unbemerkt in die Wahllokale geschleust werden (und dort in einer dunklen Ecke getrunken). Sah bloß ein bisschen komisch aus, wenn es häufiger passierte und die Sonne schien.
Wer weiß, wie so manches Wahlergebnis ausgesehen hätte, wenn es mit nüchternem Kopf ausgezählt worden wäre.

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