In der WG unter mir fand gestern Abend eine Party statt. Der Mensch, der dort feierte, konnte sich anscheinend ebenfalls über eine sturmfreie Wohnung freuen (kann ich mich doch an ein paar nette Gesichter erinnern, die ich gestern dort nicht sah) und gesellte daraufhin allerlei Fred Durst-Cappy-tragendes Völkchen um sich. So saßen sie nun beieinander und grillten zunächst friedlich, bis die legalen und - vermutlich - illegalen Stoffe ihre Wirkung taten.
Das Völkchen war anscheinend noch sehr jung, im besten Studieneintrittsalter. Nur so lassen sich gewisse Verhaltensweisen ihrerseits erklären, wie zum Beispiel die Gäste einer anderen Party im Haus gegenüber als schwul und alles mögliche anzubrüllen, die Türen ihrer Autos auf dem Parkplatz aufzureißen und die Nacht mit höllisch lautem, aber dummen Skaterrock (neue Bezeichnung von mir) zu beschallen. Sogar mit einem solch hohen Geräuschpegel, dass ich, der ich mein Zimmer auf der anderen Hausseite besitze, meinen Film nicht ganz ungestört sehen konnte. Zum Glück sind die Angaben der Hersteller von Autobatterien über deren ‚Lebens’-Dauer aber meistens haushoch übertrieben.
Nur wer jung ist und über einen geringen Erfahrungshintergrund verfügt, weiß nicht, dass er an dieser Stelle Fehler begeht. Oder aber, das wäre zweite Möglichkeit, man wird aus Fehlern nicht klug und die Selektion tut ihr Übriges. Bezeichnenderweise versprühten die Jungs, die andere Leute der Homosexualität bezichtigten, ihr Adrenalin nämlich gänzlich unter sich…
…metaphorisch reden, kann ich sie schlecht ernst nehmen. Tragisch nur, wenn deren Lehren vermittelt werden sollen. So referierte ich heute über Grice’ Konversationsmaximen und hasste sie gleich wieder, wollte ich sie doch in einem Atemzug anderen näherbringen. Ich hatte mich nämlich an den Originaltext gehalten und mir missfiel bereits der Anspruch, sie gölten für einen maximal effektiven Informationsaustausch.
Ein tief in mich gehendes Lächeln bewahrte ich mir allerdings für später auf, als es bei diesen Maximen daran ging, die Modalität von Aussagen klarzustellen.
Wenn ich Kommunikationspartner dazu veranlassen will, sich klar und deutlich auszudrücken, sollte ich meine Vorgaben vielleicht nicht wie folgt beginnen:
“Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks!”
*kicher*
Wie der Zufall so balgt, fühlte ich mich gestern an eine Marke erinnert, die uns hier in jüngster Zeit desöfteren über den Weg stolperte. Habe ich doch bei mir im Küchenregal einige Gimmicks von Lucky Strike wiedergefunden, die ich dort vor bestimmt mittlerweile zwei Jahren hinpfefferte und seitdem vergessen hatte.
Ein Promotion-Team musste sie mir in einem Lokal in die Hand gedrückt haben, als sie bereits keine Zigaretten mehr verteilen durften. Stattdessen dachte sich der Mutterkonzern damals wohl andere Wege aus, um dem Jungvolk einen positiven Eindruck von sich zu vermitteln.
Das, was ich dann zur weiteren Belustigung mit nachhause nahm, hatte die Gestalt einer Zigaretten-‚Big Box’, allerdings mit dem Unterschied, dass sich darin ein ‚Flirt-Set’ befand. Neben dem Üblichen, also Streichhölzer zum Feuer anbieten, einem Bleistift zum Nummern notieren (in Form einer Zigarette. Süß) hatten sich die Werbefuzzis aber noch so mancherlei andere Narretei einfallen lassen.
Ich glaube kaum, dass die künstliche Spinne die erhofften Reaktionen beim zarten Geschlecht fruchten lassen wird, zumal das Ding irrsinnig unecht aus der Wäsche guckt und es einem Drahtseilakt gleichkommt, die ‚Kontaktspinne’ unbemerkt auf ihrer Schulter ruhen zu lassen.
„Das ist der Moment, in dem sie Ihnen um den Hals fallen wird. – Wenn Sie eine Frau sind, erschrecken Sie sich bitte selbst.“
Auch gut: Das ca. zehn Zentimeter kurze Seil mit jeweils einer Schlaufe an den Enden.
„Schnell das kleine Abschleppseil herausholen und den Partner mit den Schlaufen quasi um den Finger wickeln.“ Schreck!
Nun gut, aber der Konzern weiß, dass nicht alle Menschen dieser Erde auf Liebe, die in emotionalen Extremsituationen entsteht, bauen und lassen ihnen immerhin die Möglichkeit, durch Gespräche erste Verbindungen zu knüpfen. Bei der Wahl des Objekts kann aber dennoch Unentschlossenen Abhilfe geboten werden, denn es gibt ja noch den ‚Decision-Maker’, einem Würfel, auf dessen sechs Seiten die typischen Attribute des jeweils begehrten Geschlechts auszumachen sind. Für das Weibliche wären dies:
1. Schrill, aber hübsch
2. Rassig, aber still
3. Blond, aber schlau
4. Laut, aber freundlich
5. Klein, aber feurig
6. Elegant, aber frech
Für die männliche Seite sähe das dann so aus:
1. Verwegen, aber harmlos
2. Dick, aber chic
3. Muskulös, aber schlau
4. Klein, aber reich
5. Schlacksig, aber süß
6. Charmant, aber geizig
Nachdem die Würfel nun gefallen sind und z.B. man(n) ein seiner Schicksalswahl entsprechenden Part gefunden hat, darüberhinaus bei geglückter Blickkontaktaufnahme nicht nur lediglich Sympathie, sondern auch ein Lächeln jenseits des Debilentums erhascht hat, bleibt einem noch die Entscheidung darüber, was man(n) denn nun endlich sagt. Zum Glück weiß bei völliger kommunikatorischer Inkompetenz der ‚Taschensouffleur’ Rat. Man(n) kann nun mit sicher vorgekaspertem Ego auf sie zugehen, ihr tief in die Augen sehen und säuseln:
„Können wir nicht zusammen irgendwohin fliegen? Die Schmetterlinge in meinem Bauch sind groß genug um uns zu tragen.“
Sie wird mit Sicherheit abheben wollen.
Andere erste An-Sätze für die männliche Seite werden zur Alternative empfohlen:
-„Ich würde gerne der Grund für deine schlaflose Nacht sein.“
-„Ist das ein Erdbeben? Ich bekomme gerade so wackelige Beine.“
-„Ja, ich habe eine Freundin. Sie weiß nur noch nichts davon.“
Das geht natürlich auch anders herum. Frau darf Mann z.B. mitteilen:
-„Sorry, ich möchte dich nicht dumm anmachen, aber ich hätte nichts dagegen, wenn du es tust.“
-„Denkst du, dass wir einen gemeinsamen Freund haben, der uns einander vorstellen könnte?“
-„Hey, ich habe meine Telefonnummer verloren. Leihst du mir deine?“
Aber es gibt selbstverständlich auch Dinge, bei denen es völlig gleichgültig ist, von welchem Geschlecht sie kommen:
-„Keine Ahnung, wie spät es ist. Solange du da bist, ist noch nichts zu spät.“
-„Mein Name? Oh, ich glaube, ich habe gerade alles vergessen!“
-„Wo meine Freunde sind? – Wohl schon weg. Das ist typisch, die verpassen immer das Beste.“
Gut, dass Lucky Strike auch auf diesem Schlachtfeld für den taktischen Nachschub der Truppen sorgt. Für den weiteren Verlauf des Abends müssten sie jetzt nur noch den kleinen Mann im Ohr vertreiben, der Tipps für jede mögliche kommende Situation gibt, auch, wenn sie noch so prekär und heikel ist. Das wäre mal interessant zu durchdenken, aber, da fällt mir gerade ein, es gibt wohl hierzu bereits jede Menge seltsamer Komödchen und Theaterstadl.
„Na, das fällt dir aber reichlich spät ein, hier ne Erklärung zu deinem Blog zu liefern, oder?“
Ja, das stimmt, das geb’ ich zu, geneigter Leser. Ich hab’ auch wirklich lange darüber nachgedacht, ob ich mich überhaupt dazu verleiten lassen soll.
Ich dachte im Grunde dabei an zwei Umstände: Zum Einen weist dieses Blog formal und inhaltlich gewisse Unterschiede zu anderen auf, schließlich agiere ich hier nicht anonym und daraus ergibt sich zwangsläufig so manche inhaltliche Einschränkung. Zum Anderen werden die neugierigen Studentenfröschchen zu Beginn des Semesters erneut nach ihren Dozenten und Tutoren ‚forschen’, will sagen, auch mein Name will ergoogelt werden. So drängte sich mir in einer düsteren Minute zunächst der Gedanke auf, dieses Blog komplett zu löschen oder zumindest zu deaktivieren. Doch als mir kurz darauf wieder ein wenig Morgen durch mein Bewusstsein graute, war ich wieder zu Scherzen imstande und ich sagte: „Ach nein, was soll’s? Einmal in die Welt gesetzt…“ usw.
Darum (nachträglich) zur Entstehung:
Auf die Möglichkeit zum Bloggen hatte mich dereinst mein Bruder hingewiesen, der mich desöfteren besucht und zu mir meinte: „Hör mal. Jedes Mal, wenn ich zu dir komme, ist dein Monitor voll der Word-Dokumente und dein ach so dunkles Zimmer schimmert gar ein wenig hell vom Glühen deiner Tastatur. Komm her, mein eigen Fleisch und Blut, ich wüsste da vielleicht etwas für dich.“
Und damit hatte er Recht. Bevor ich den Ordner „Eigene Dateien“ öffne, muss ich mir das Telefon griffbereit halten, damit ich vor Schrecken über die vielen kleinen Seiten mit dem blauen W schnell die Notrufnummer parat habe. Der plötzliche Anblick von Vielfalt kann töten, sogar, wenn sich darunter sehr viele Ergüsse für die Universität befinden. Die Sprühflasche zum Benetzen der heißgewordenen Tasten muss ich im Übrigen ebenfalls mehrmals täglich nachfüllen.
So nahm er mich bei der Hand und eröffnete mir einen kleinen Einblick in die Blogosphäre. Schnell erlangte ich dort Kenntnis in die Welt der Weblogs und stellte erfreut fest, dass hierfür nicht einmal Fähigkeiten im Umgang mit dem HTML-Chinesischen erforderlich waren. Allerlei Nonsens reihte sich nach und nach hier ein, so dass ich beschloss, von der anfänglichen Anonymität ein wenig abzurücken. Warum auch? Ich kann doch schließlich zu dem stehen, was ich verzapfe. Wohlgemerkt: Verzapfe!
Denn das war bislang Sinn der Sache. Während das Gros der Gedanken bei IKEA rational einkaufte und jeden Rabatt erschnüffelte, ließ ich einem kleinen Teil hier seine eigene Spielecke zum Abholen (bis die Großen zurückkommen).
Dieser Anspruch lässt sich natürlich nicht immer einhalten bei etwas, das der Sache (also Weblogs generell) nach ursprünglich als ein Online-Tagebuch gedacht war. Das eigene Leben beschäftigt manchmal doch ein wenig, und darum gibt es nicht wenige Live-Splitter hier. Das gilt ganz besonders für solche Momente, in denen man in diesen virtuellen Breiten plötzlich auf Menschen mit irgendwelchen Nicknames trifft, die man ja bereits längst vis-à-vis kennt.
Immerhin bin ich so fair, außer mir hier niemanden namentlich zu erwähnen, sollten Tatsachenberichte hier einmal vorgedrungen sein. Allerdings können auch Banalitäten wie „Das Klopapier ist alle“ schnell zum Metaphysicum gedeihen. Die Darstellung holpert hier in so manchen Punkten und das ist durchaus Absicht. So wurden mir bereits von anderer Stelle Schilderungen für bare Münze abgekauft, die auf diese Weise nie geschehen sind, aber ihre Wirkung nicht verfehlten.
Einen anderen, mir sehr wichtigen Punkt, bilden theorethische Diskurse. Auf diese möchte ich mich nur äußerst ungerne auf diesem Weg hier einlassen. Das beliebteste und meistbeachtete Thema hierzu sind in unseren Breiten und Wohlstandslagen nunmal Beziehungen und Liebe.
Ich schildere hier zwar gelegentlich Beobachtungen und Erfahrungen (wenn auch nur angekratzt), aber dabei handelt es sich eindeutig nur um – meiner Ansicht nach – kurioses Verhalten, das unbedingt dokumentiert oder - meinetwegen literaturkritisch ausgedrückt - in’s Archiv müsste. Reinstes, subjektives Empfinden wäre damit übermittelt, wenn ich von mir gäbe :“Oha, es wird wärmer und es rattert und rumort in den Rabatten. Was sollen die Sorgen der Familienpolitik?“ Dabei habe ich überhaupt keine Ahnung vom gesellschaftlichen Wandel. Vermessen wäre es meinerseits zu behaupten, ich trüge sämtliche Erhebungsbögen der soziologischen und psychologischen Institute unter der Achsel mit mir herum. Das dürfen gerne andere, zu Recht betitelte Fakultäten und Honoratioren übernehmen.
Ich für meinen Teil habe lediglich gesehen und gehört.
Mancher fragt mich auch, was denn die Liebe sei. Jedes Mal, wenn ich erneut dieses Lechzen nach Antwort zu Ohren bekomme, kehre ich in mich ein und selbst in tiefster Kontemplation erlange ich nicht das Wissen, das mir über den eigentümlichen Zweifel Klarheit verschaffen könnte, warum denn jetzt ausgerechnet wieder ich hierzu befragt worden bin. Schon früh werden sich olle Griechen über die zu erwartende Aporie die Köpfe eingeschlagen und Kriege begonnen haben. Darum sage ich jedem, der damit zu mir kommt: „Geh’ zur Tür hinaus und erkenne es selbst.“
Ja, und da gehen sie jetzt.
Also, ich find’, damit hab’ ich mich voll gut um alles Weitere gedrückt, wa?
Und so lasse ich für die Erklärung zu diesem Blog, geneigter Leser, meine Tasten nun langsam und behende erkalten, schlafe selig meinen eigenen, verdienten Schlaf. Gute Nacht Euch allen.
EDIT Dezember 05: Mittlerweile hat sich das Theorie-Diskurs-Teufelchen und das reale Leben doch an mancher Ecke hier eingeschlichen. Nun ja, Menschen und Vorhaben ändern sich im Laufe der Zeit, nicht wahr? Und auch ich bin anscheinend nicht gänzlich frei vom Stimmungswandel und dem Ausdruck darüber. Das liegt vermutlich auch daran, dass man sich mit Bekannten, Verlinkten und deren Konzepten auseinandersetzen möchte, auch, wenn diese Ideen dem eigenen Wohlempfinden höchstwahrscheinlich eher im Wege stünden.
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Rouven Ridder
Der Seiteninhaber ist 31 Jahre alt und nachdem er
-als gelernter Verwaltungsfachangestellter im Sozialamt viel zu lange “praktizierte”,
-sich als Zivi in der Altenpflege (klassisch!) beinahe aufrieb,
-ehrenamtlich den Ortsleiter der Volkshochschule gab,
-daneben als Sprecher einer Initiative für die Einrichtung eines Kinder- und Jugendparlaments agierte,
entschloss er sich dann doch, sein Abitur auf einem Mindener Kolleg nachzuholen und etwas zu studieren, was ihn interessiert, unabhängig von Zukunftsaussichten, in der Gewissheit, dass das, was interessiert, mitunter zu etwas führen könnte.
Momentan ist er Student der Germanistik und Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld. So, wie es aussieht, wird er sich aber auf den Bereich der Germanistischen Linguistik konzentrieren, denn hier wird sein Engagement als Tutor gewürdigt und dankbar entgegengenommen.
(P.S.: Der “Seiteninhaber” ist nach wie vor jüngstes Mitglied des Arbeiterwohlfahrt-Verbands des Ortes, aus dem er ursprünglich stammt und unterstützt den FoeBuD e.V., wenn er kann)
Das alles genügt aber nicht, um seine ständige Geldnot zu lindern. Potentielle Arbeitgeber können ihn gerne kontaktieren. Betriebe mit Schneeballsystem können ihn mal gern haben.
Dies ist sein Weblog über so ziemlich alles Mögliche, beinhaltet Alltägliches vermischt mit fiktiven Texten, die manchmal den Bereich der Theorie ankratzen können. Die Benennung des Weblogs mit dem Wörtchen “Killefit” deutet bereits an, für wie ernst man das hier Gelesene nehmen sollte. Es entstand vorrangig aus einem Mitteilungsdrang und auch der hierdurch gegebenen Möglichkeit, auf bereits umgesetzte Ideen verweisen zu können. Alles Weitere hierüber siehe hier.
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