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Blätter, blätter, blätter…

Heute ist der Tag der Woche, an dem ich zumindest ein wenig Zeit für den Feuilleton-Teil der ZEIT aufbringen kann und stieß direkt auf die Kolumne von Sibylle Berg, die ich im Normalfall übersehe. Aber heute las ich bei ihr über ein Thema, das mich interessiert und das guten Anlass für Gesprächsstoff geben könnte (und ich kann mir bereits denken, dass zumindest einer darauf reagieren wird *g*).
Leider gibt es heute (18.05.05) noch keine Online-Version dieser Kolumne zu lesen, daher schildere ich kurz, worum es geht.

Neulich ließ ich mich ja kurz einmal dazu hinreißen, die Begriffsunterschiede einsam vs. allein anzusprechen und äußerte, dass, sobald ich mich unter Menschen aufhalte, die auch am Seelenleben der anderen interessiert sind, fühlte ich mich nicht besonders einsam. So weit, so gut. Das ist mein subjektives Empfinden.
Frau Berg nimmt nun die zunehmende Vereinsamung in der Gesellschaft unter die Lupe.

Die zunehmende Einsamkeit des Menschen der Jetztzeit beruht in großem Maße auf der individuellen Überschätzung des eigenen Marktwertes. Des Sozialstatus und des Aussehens. Wie kam es dazu, dass jeder von der Natur mit durchschnittlicher Attraktivität ausgestattete Singlemensch sein Selbst wie in einem Vexierspiegel sieht und nach Heidi Klum lechzt?

Frau Berg macht das Streben nach Individualität und eine daher häufiger beobachtbare Selbstüberschätzung, sogar Größenwahn, für zunehmende Einsamkeit in der Zivilgesellschaft verantwortlich. Wenn wir dies vermeiden wollen, müssten wir demnach unsere Ansprüche senken.

Ist das so? Existiert eine soziologisch-psychologische Untersuchung dazu mit entsprechenden Ergebnissen? Dieser allgemeingültige Anspruch bereitet mir etwas Angst. Fühlt Frau Berg sich etwa hässlich? Oder ist in jemanden verliebt, der aber lieber nach dem Schönheitsideal entsprechenden Frauen schielt?
Zugegeben, es gibt Momente, da teile ich diese Ansicht. Mit besonders schlechter Laune ausgestattet halte ich sogar alle um mich herum für völlig verrückt. Wenn ich mich aber zurückbesinne und den roten Faden entlang meiner eigenen Verliebtheiten gehe, muss ich entdecken, dass Äußerlichkeiten niemals der ausschlaggebende Grund dafür gewesen waren. Interesse an mir, meiner Person, meinem Fühlen und Denken sind die Dinge, die mich plötzlich die andere Person schätzen lassen. Aber das könnte natürlich auch schon als zu egozentrisch gelten, womöglich ‚größenwahnsinnig’. Und obendrein als mal wieder zu subjektiv und individuell (!).

Regen wir die Debatte mit Frau Bergs Schlussworten noch etwas weiter an:

Es ist eher ernüchternd zu sehen, wie wir alle einander gleichen, in unseren kleinen Träumen und Sehnsüchten, in unseren Ideen und dem Aussehen, wenn wir das akzeptierten, uns als Teilchen eines großen Ganzen begriffen, mit einer sehr begrenzten Haltbarkeitsdauer, könnten wir erleichtert aufatmen, dankbar sein, irgendeinen Menschen zum Teilen der Nichtigkeit zu finden, ein Dach, eine Decke, ein Buch, wir könnten uns gestatten, uns nicht wichtig zu nehmen, und die Welt wäre ein erfreulicherer Ort.

Klingt, als hätte ich das alles schon einmal gehört oder gelesen (bloß wo?). Sponsored by Bundesministerium für Familie.
Na, dann husch, husch, Ansprüche senken und die Generationen Golf I-V vor dem Aussterben retten.

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