Kurioses Kundenködern

Posted on Mai 6, 2005
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Gerade führte mich ein Spaziergang an der Luft am zentralsten Platz der Stadt vorbei. Dort ist hoch oben an einem der Gebäude seit Längerem eine – ja, wie nennt man das? – riesige, interaktive Werbetafel angebracht, eben so eine Art überdimensionaler Flachbildschirm. Für’s Wohnzimmer viel zu groß, als Werbetafel ideal.
Dort flimmern den ganzen Tag entsetzlich unnütze Informationen über das Wetter, das man ja eh’ mitbekommt, ziemlich dumme Witze, aber auch Werbung. Just, als ich daherflanierte, hob ich doch tatsächlich einmal meinen Kopf und bemerkte den Kundenköder einer örtlichen Allianz-Filiale. Abgebildet war ein sitzender Geschäftsmann, evtl. auch Politiker, im edlen Zwirn. Er sah ein wenig aus wie Joschka Fischer, aber eine genaue Identifikation war mir nicht möglich, da der Mann sein Gesicht in seinen Händen vergrub, wahrscheinlich aus Verzweiflung.
Sodann erschien gemächlich der Slogan der Versicherung. Er lautete:

„Erfolg wächst aus Erfahrung durch Niederlagen!“

Worauf Mitarbeiter der hiesigen Vertretung und deren Telefonnummern eingeblendet wurden. Welch eine geniale Geschäftstaktik konnte sich nur wieder dahinter verbergen? Eh’ ich in Zukunft länger über derlei nachdenke und der Sinn sich mir nicht erschließen will, achte ich fortan doch lieber auf den Verkehr. Zu meiner Sicherheit.

Das Präfix ver-…

Posted on Mai 6, 2005
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…mal wieder!
Wie oft durften wir bereits feststellen, dass diese kleine Vorsilbe den positiv besetzten – eigentlich fast allen - Adjektiven einen flauen Beigeschmack verpasst? Oder eine negative Konnotation sogar noch verstärkt? Ich habe längst aufgehört zu zählen.
So sind nicht nur Eigenschaften wie ver-wirrt und ver-rückt keine Gemütszustände, mit denen man gerne durch die Feuchtbiotope wandert. Auch ver-heiratet werden Mann und Frau plötzlich uninteressanter, wenn sie sich öffentlich als ‚vom Markt’ outen. Aber selbst durchaus wünschenswerte Verben wachsen zum blanken Horror an, wenn sie zur Eigenschaft gedeihen und die Sinne vernebeln. Ver-liebt sein dürfte auch ich momentan nicht laut Zeitplan [die üblichen ca. drei Mal pro Tag für im Schnitt jeweils fünf Minuten zählen nicht *g*]. Es wäre für meinen Terminkalender eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmasses.
Mit ver- ist man eben immer etwas über den Rand der Normalität hinausgeschossen, eben ver-irgendetwast. Jemanden, der ver-xt ist, betraut man nicht mit der Aufsicht über seine kleinen Kinder. Und schon gar nicht mit der Ver-waltung seines Aktiendepots.
Aber soweit möchte ich heute gar nicht gehen. Bei mir wächst nämlich Zweifel über die anscheinend generell semantisch schlechter stellende Eigenschaft der Vorsilbe, taucht sie doch in einem Begriff auf, der doch so absolut rein gar nichts mit Abnormität zu schaffen haben will. Ich rede von der Vernunft. Leider gibt mein etymologisches Wörterbuch hierzu nicht allzu viel her, mich hätte aber einmal ganz besonders interessiert, ob Herr Kant, als er diesen Begriff ins deutsche, idealistische Inventar prügelte, bereits auf gegenteilige Vorformen getroffen ist.
Wenn er einen Idealfall herbeibeschwor, der in jedem menschlichen Wesen einen vernünftigen Kern herbeisehnte, sollte das etwa bedeuten, dass er bis dahin auf vielerlei Volk getroffen war, dass dieses Attribut ‚vernünftig’ nicht besaß? Was waren sie dann gewesen? Etwa ‚nünftig’? Und wie sah das aus? War es eine nicht so stark emotional geladene, rationale Kühlheit? Der Vergleich “lieben - ver-liebt” drängt sich mir geradezu auf.
Nun gut, mittlerweile hat sich der Begriff von I. Kant und seinen kalten Kumpels soweit eingebürgert und wir müssen einen Schritt weitergehen, wenn wir von jemandem reden, der nicht in diesem Sinne handelt. Derjenige ist dann un-ver-nünftig.
Aber ich finde die mir gerade selbst zurechtgelegte Herkunft einfach viel zu schön. In Zukunft rede ich ab und zu mal davon, hier meine „Nunft“ auszuleben. Ihr wisst dann Bescheid ;-)

Hex hex!

Posted on Mai 4, 2005
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Es ist ja ungeheuer schwer, mich aus der Fassung zu bringen. Den Großteil der Zeit bin ich die Ruhe selbst und stelle ein Musterbeispiel für die metaphorische Verwendung des ‚Felsens in der Brandung’ dar (was meine Statur betrifft, müsste ich vielmehr ‚Pappel’ o.ä. genannt werden). Im Laufe meiner noch nicht allzu vielen angehäuften Jahre – vermessen wäre es, von Weisheit zu reden - bin ich zu der Ansicht gelangt, es sei das Beste, es den Mitmenschen so recht zu machen wie möglich und ihnen selbst das Leben nicht noch mehr zu erschweren als es eh’ schon ist.

Dennoch existieren auf unserer Kruste Individuen, die selbst mit doppelt so hohem Alter wie meine Wenigkeit nicht darauf verzichten möchten, ihre Umwelt die ihnen mögliche Knute spüren zu lassen. Ein Völkchen, bei denen Sadismus und Geltungssucht mit erstaunlich großer Wahrscheinlichkeit Hand in Hand anzutreffen sind, ist das der Verwalter. Dabei spielt es oftmals keine Rolle, was sie denn verwalten. Gleichgültig ist es, ob es sich um Geld, Privilegien oder materielle Dinge handelt, die Hauptsache ist, und daraus schöpfen sie ihre Macht, dass sie diese Dinge gegenüber anderen verwalten.

Das Musterbeispiel hatte ich gestern erneut besucht: Die Wetterhexe unserer Mediothek. Garstig hockt sie dort nämlich mit ihren Krallen oben auf den Geräten und ich fürchte mich jedes Mal erneut davor, einen tragbaren Overhead-Projektor für das Tutorium zu erbitten. Tags zuvor bereits hatte ich glücklicherweise ihre jüngere Assistentin erwischt, um die offizielle Anmeldung dafür zu erledigen und hatte - froh darüber, jemand anderes angetroffen zu haben – das begehrte Objekt gleich für das gesamte Semester und zwar für meine beiden Termine geordert. Bei der jüngeren Dame ging das auch schnell und unproblematisch.
Aber nun wollte das Gerät kurz vor dem betreffenden Termin abgeholt werden und ich schwitzte vor Angst. Ich betrat die Räumlichkeiten und die hutzelige Tante kam sofort (sie reagiert schnell auf das leiseste Geräusch) hinter ihrer Glaswand hervor, wo sie wahrscheinlich gerade einen schlimmen Zaubertrank zusammenbrodelte.
„Himmelherrgott“, rief sie und ich dachte bei mir, so etwas dürfte sie doch gar nicht in den Mund nehmen. Mit ihrem leicht britischen Akzent – vermutlich der keltischen Ahnen wegen – zeterte und mordiote sie gleich weiter: „Sie sind aber ein sehr starker Raucher, nicht wahr? Ich rieche das sooofort.“
Ein Nein hätte hier nichts gebracht. Es stimmte zwar, ich hatte mir soeben mit dem B. eine Zigarette zusammengeschnorrt und geraucht, aber als starken Raucher würde ich mich nicht mehr bezeichnen. Die Hutzeltante huschte hinter ihrem Tresen hervor und rannte in Richtung Fenster, natürlich nicht ohne weiterzuwettern: „Ich muss gleich mal ein Fenster hier aufmachen. Das ist ja schreecklich.“
Ihr Gemeckere ging selbstverständlich noch weiter, als sie bereits wieder im Umkehren begriffen war, um sich wieder hinter ihrer Bastion zu schützen. Meine Entgegnungen brachten nichts, ich musste mir anhören, wieviele ihrer Verwandten bereits an Lungenkrebs gestorben waren und dass sie selbst bereits sechzig geworden wäre und vorhatte, noch wesentlich älter zu werden. Diese letzte Information war meines Erachtens nach völlig redundant, denn trotz eines vermeintlich gesunden Lebensstils sah ich deutlich die Dekaden in ihrem Gesicht. Sie angelte vermutlich nach einem Kompliment, da dies aber meinerseits ausblieb, erwartete mich die übliche Bürokratentortur, die ich nach etlichem Durchexerzieren bereits kannte.
Höchstwahrscheinlich hatte ich durch das Auslassen einer Höflichkeit auch meine Chancen auf eine gute Behandlung verspielt, denn eigentlich müsste sie mein Gesicht gekannt haben. Wie oft habe ich schon gehört, dass der Projektor 700 Euro kostet? Einige zig Mal. Dass ich das Kabel „jaaa nicht vergessen soll“? Mindestens ebenso oft.
„Wie? Sie wollen das Gerät heute sogar zwei Mal?“ Ja, ich erdreiste mich.
„Dann brauche ich unbedingt ihren Studentenausweis als Pfand.“ An dem Wunsch nach einem adäquaten Pfandstück ist an sich nichts auszusetzen. Schließlich könnte jeder hergelaufene Student dort hereinspazieren und die teuersten Anlagen verlangen. Ich reichte ihr also meinen Ausweis, der, zugegeben, bereits etwas in Mitleidenschaft gezogen aussah.
Doch, als wenn sie so etwas zum ersten Mal sehen würde, verzog sie die Miene, fasste ihn mit zwei Fingerspitzen an und äußerte laut:
„Ihhh, bähh. Dieses gammelige Ding wollen sie also bei mir lassen?“
Ja, das will und werde ich und das musst du Furie jetzt annehmen! Verdammt nochmal!

Nicht zu fassen. Es ist völlig natürlich, das Studentenausweise, wenn sie viel benutzt und vorgezeigt werden – was besonders bei Studenten der Fall ist, die sich auch viele Bücher leihen – irgendwann einmal nicht mehr wie aus dem Ei gepellt aussehen. Selbst dann nicht, wenn man sie immer in einer Sichtschutzhülle des Portemonnaies hält (wo man sie ja auch immer wieder reintut und rausbefördert).

Und ich werde ihr das Ding wieder in die Hand drücken, nächste und übernächste Woche. Das ganze Semester lang. Und zwar zwei Mal!
Damit ich mich selbst der Welt auch mit über sechzig jung und frisch ausgeruht präsentieren kann…

Milchallergo mag kein Magnum

Posted on Mai 1, 2005
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Eine in frühester Jugend bei mir festgestellte leichte Milchallergie führte dazu, dass ich mich diesem Getränk strikt verweigerte und sogar im Laufe der Zeit konkrete Aversionen dagegen entwickelte. So ist mir mittlerweile nicht mehr möglich, ohne Ekelgefühle an das Trinken von Milch zu denken und sogar so weit gediehen, dass ich inzwischen gar nicht mehr weiß, wie das Zeug überhaupt schmeckt. Entscheidend bei der bei mir aufkeimenden Übelkeit ist dabei der visuelle Eindruck: Kaum etwas anderes ist so sehr imstande, meine Magenschleimhäute in Wallung zu bringen wie der weiße Film, der sich bedächtig und nebulös an den Glaswänden abzeichnet, um sich dann an den Lippen der Lechzenden wiederzufinden.
So habe ich gestern erst die Meinung vertreten , dass mir die Vorstellung, eine Frau mit Milchbart zu küssen, Albträume bescheren könnte. Davon bin ich überzeugt. Doch kaum äußerte ich diese Ansicht, ärgerte mich die Mitbloggerin mit folgendem Foto:

Es entstammt wohl einem Magnum-Werbespot von Langnese mit Hinweis auf die fünf Sinne. Bääh. Durch Anblick von so etwas könnte ich die ganze Nacht meine Bettwäsche vollschwitzen. Ich verlange daher einen Boykott sämtlicher Langnese-Produkte als Strafe für ihre Geschmacklosigkeit.
Aber wer würde da schon groß mitmachen? Ekelgefühle bekomm’ ja nur ich und schließlich wirkt dieses Foto eindeutig mehrdeutig und fängt auf noch anderem Wege ein paar Bauern.

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