Wō hŭ cáng lóng
Geschrieben am 7 Juni 2005
So, jetzt sind bereits wieder ein paar Tage in’s Land gegangen, seit ich einen ästhetisch hochanspruchsvollen Film im Fernsehen sah. Aber „Tiger and Dragon“ beeindruckt mich dann doch immer wieder nachhaltig.
Die kaum beschreibbar schönsten Einstellungen dieses (Kunst-) Werks sind unbestritten diejenigen, in denen Ang Lee eine Martial Arts-Kampfszene zwischen Chow Yung Fat und Zhang Ziyi in sattestgrüne Baumkronen verlegt, vom Wind bewegt, dessen Rauschen begleitet und der Sonne beschienen. Leider ist diese Sequenz viel zu kurz und bevor ich mich entschieden habe, mich entweder darauf zu konzentrieren, wie sie gedreht wurde, oder ob ich mich den Eindrücken einfach hingebe, ist sie auch schon wieder vorbei. Laszivität, Leichtigkeit in der Wahl der Kleidung der Darsteller, die sich farblich unaufdringlich von dem Grün der Blätter abhebt, das Abwarten auf das richtige, natürliche Licht und ich möchte nicht wissen, wie lange man nach einem perfekten Waldstück gesucht hat, dessen Bäume exakt diese Dichte und diese Zerbrechlichkeit seines Bewuchses aufweisen (es sei denn, man hat ihn womöglich selbst angelegt). An dieser Stelle des Films war ein Regisseur in seine Szene verliebt. Eindeutig.
Aber da ist noch etwas anderes, was in’s Auge fällt.
Ich weiß, es ist unhöflich, in Gegenwart von Frauen über die Schönheit anderer zu reden, daher bitte ich die lesende Weiblichkeit an dieser Stelle einmal um Verzeihung. Aber ich schreibe ja auch nur darüber. Sollten wir uns begegnen, erzähle ich etwas ganz anderes, versprochen.
Hingerissen bin ich von den beiden Hauptdarstellerinnen dieses Films und gleichzeitig her, da Michelle Yeoh nun einmal einerseits bereits beim Dreh die knappe vierzig Lenze kratzte und Zhang Ziyi andererseits viel zu jung erscheint (obwohl sie realiter nur ein paar Jährchen weniger aufbringt als ich es tue). Und letztere auch in späteren Filmen einfach nicht älter werden will. Da tun sich schon einige Gewissensbisse durch das bloße Betrachten der beiden auf.
Hätte ich die Wahl, würde ich mich für Frau Yeoh entscheiden, denn bei ihr trifft es wahrscheinlich am ehesten zu, wenn man von den Darstellern als „dramatis personae“ spricht. Die von ihr dargestellte Figur Shu Lien ist
ist sogar so tragisch konstruiert, dass bei mir - und bestimmt auch anderen Männern - Schutzinstinkte wachgerufen werden, obwohl sie sich ja anscheinend ganz gut verteidigen kann. Dafür schaut sie einfach den ganzen Film über zu wehmütig drein.
Ach ja, wäre sie ein wenig jünger, würden wir uns kennen und würden wir die gleiche Sprache sprechen. Ich weiß, jetzt bekomme wieder die Binsenweisheit „Die Sprache der Liebe versteht man überall“ zu hören. Aber das funktioniert bei so grundverschiedenen Muttersprachen auch leider nur dann, wenn man’s Maul hält *g*!

