Onomatopoesie mit Füssen
Geschrieben am 23 Juni 2005
Aus gegebenen Anlass einer Diskussion bei dichotomie krame ich noch einmal Eindrücke über eine Art der Fußbekleidung hervor, die ich bereits vor mehreren Jahren hatte. Die Debatte darum scheint an Aktualität einfach nicht verlieren zu wollen:
“Am gestrigen Abend erhielt ich Besuch von meinem Bruder und einem gemeinsamen Freund - Erik. Der Sinn der Zusammenkunft lag lediglich darin, Zeit tot zu schlagen bis wir dann tatsächlich ausgehen sollten. Die dabei notwendigen paar Biere sollten dann auch bald unsere Zungen lockern, um wie üblich über kulturelle Phänomene - meist musikalische - Urteile zu bilden.
Der Vorteil dieser Treffen ist, Eindrücke von Klangerlebnissen weit jenseits von “Video Music Awards”-Dimensionen zu erhalten und anhand von ästhetischen Herausforderungen womöglich künftig hör- und sehenswerte Konzerte zu ermitteln.
Der eigentlich bemerkenswerteste Aspekt des Abends vollzog sich aber auf einem anderen Gebiet, nämlich der Mode.
Erik gab zu, dass er während seines Urlaubs geholfen hatte, die seit diesem Sommer modische Errungenschaft der “Flip-Flops” an seinen Füßen zu popularisieren. Er wunderte sich über deren Namen.
Dazu eine Bemerkung aus der Linguistik, die normalerweise jedes Gespräch sofort zum Stillstand bringen würde:
Bei “Flip-Flops” handelt es sich um eine neue Wortbildung, genauer gesagt, um eine sogenannte Reduplikation, weil hier der semantische Kern verdoppelt wiedergegeben wird (vgl. “Hip-Hop”, “Ping-Pong” etc.). Darüberhinaus wiederfuhr diesem Wort ein lautmalerischer Prozess, es ist ein sogenanntes Onomatopoetikum. Das bedeutet, ein Geräusch wird versucht, mit sprachlichen Mitteln wiederzugeben.
Also, zum Angeben auf Parties: ” “Flip-Flop” ist eine onomatopoetische Reduplikation”.
Würde ein Linguist sagen (hat er aber zum Glück nicht).
Aber der Nicht-Fachmann Erik hätte das gekonnt in Frage gestellt:
“Aber das entspricht doch überhaupt nicht dem Geräusch. Eigentlich müssten die Dinger doch “Flop-Flops” heißen.”
Eine äußerst entwaffnende Bemerkung, wie ich finde. Das Knarren der Gehirnwindungen war beinahe hörbar.
Erik lieferte die einzig mögliche Erklärung wenig später mit:
“Es sei denn, der Erfinder des Namens hatte an einem Fuß Schuhgröße 37, am anderen aber 46.”
Ich finde, mit dieser These kann man leben und außerdem sollte die Welt davon erfahren.”

