Als “Linguistiker” und “Germanistiker” stehe ich ja ganz besonders auf gesprochene Sprache und weiß um deren Macht im Sprachwandelprozess. Besonders missfällt mir, dass ein privatwirtschaftlicher Verlag so großen Einfluss auf unsere Schreibregeln nehmen kann und nimmt.
Dank freieslieben bin ich dann auf ein Manifest ganz nach meinem Geschmack gestoßen,
nämlich der annen Maschine im parkverbot
Paragraph 5 wird mit Sicherheit auch den buddhabot freuen ![]()
…Marc Tönsing (der mit dem Finger) auf dessen Geburtstagsparty im Haus gegenüber.
Frage: Was ändert sich an der weltpolitischen Gewichtslage, wenn Deutschland neben anderen Ländern dem UNO-Sicherheitsrat ohne Vetorecht beitreten darf? Richtig: Nichts.
Das sich darauf auftuende Vakuum beschlossen wir, mit Bier zu kitten, und, wie Vakui nunmal so sind, nehmen sie gerne und dankbar alles auf. Alles und Nichts. So kommt Eins zum Anderen. Gegensätze ziehen sich einem Sprichwort nach an…

Außerdem habe ich (der ohne Finger) hinsichtlich meiner eigenen Identifizierungsmöglichkeit heute mal die Spendierhosen an (wegen der Kombination von Name UND Bild).
Es ist spät, ich weiß. Aber etwas muss erzählt werden.
Eine mir nahestehende, männliche Person hat von seiner Freundin einen grandiosen Satz zu Ohren bekommen, den man leider in Ermangelung effektiver Darstellungsmöglichkeiten hinsichtlich Betonung, Intonation und Satzrhythmus schriftlich gar nicht korrekt wiedergeben kann. In’s Archiv muss er trotzdem und daher bitte ich jeden, sich seinen eigenen Bedeutungsangelpunkt herauszusuchen. Der Satz lautet:
“Ich will sehen, wie du alt wirst.”
Phantastisch, oder?
“Professoren waren seiner Meinung nach so etwas wie Schwimmlehrer - und wer hatte je einen Schwimmlehrer im Wasser gesehen? Niemand, denn sie konnten gar nicht schwimmen, hatten nur vom Rand aus immer viel zu erzählen;…”
aus: Harry Mulisch “Die Entdeckung des Himmels“
Freitagabend auf einer Party.
Ich: „Hey, dich kenne ich doch. Du bist doch die Frontfrau der Band XY. Ich habe euch neulich daundda spielen gesehen.“
Sie: „Echt, du hast mich wiedererkannt. Daaamit hast du mir den ganzen Abend versüüüßt.“ Und umarmt mich dabei.
Wir unterhielten uns daraufhin noch ein wenig, während ich stillschweigend über die Wirkung einer lediglich ausgesprochenen Feststellung staunte, denn: Das war eigentlich nicht als Kompliment gedacht und enthielt noch gar keine Wertung.
Nur eine aufgeblitzte Erinnerung brachte ich damit zur Sprache und so gelangte ich zu der Ansicht, dass diese meine Aussage in ein Beziehungs- oder Selbstoffenbarungsohr gerutscht sein musste.
Man darf es nicht als schlechtes Zeichen sehen, wenn ich die Wikipedia bemühen muss, um die Bedeutung von „Charme“ zu ermitteln. Manch einer versteht darunter etwas anderes als ich. Ich selbst kann zum Beispiel mit der Umschreibung „der galanten Umgangsformen, der Verfeinerung des Lebensstils“ fabelhaft leben.
Momentan arbeite ich ja ein wenig an mir.
Vor längerer Zeit nämlich wurde mir mal von einer Freundin gesagt, wenn ich ein wenig charmanter agierte, könnte ich „der totale Frauenheld“ sein. Nicht, dass ich auf so einen Ruf scharf wäre (Himmel, bewahre!), das wäre ja auch nicht gerade das, was ich für mich suche.
Aber es ist wohl wahr, dass ich bis dahin eher dazu neigte, Frauen gegenüber ironisch zu begegnen, sie für gewisse Verhaltensweisen aufzuziehen, und der Frotzelei nahm gar kein Ende, wenn ich meine ehrlichen fünf Minuten bekam. Aufgrund vorangegangener Beobachtungen kam auch die Anregung seitens der Freundin. Das stimmte schon, meine Direktheit konnte mitunter schmerzen. Was die andere, ehrliche Seite betraf, auch einmal angenehme, nette Gedanken auszusprechen, unterdrückte ich diese bis dahin und hatte Angst davor, damit zuviel auszusagen.
Das soll sich nun ändern und ist im Prozess begriffen. Man kann sich das Miteinander-Leben schließlich auch angenehmer gestalten (and that’s what „Komplimente machen“ is all about). Ich schränke das aber immerhin auf ehrlich gemeinte ein und überhöre „fishing-for-compliments“-Strategien (das wäre ja zu billig).
Allerdings, anscheinend (s.o.) werden so manches Mal auch die einfachsten Dinge für ein solches gehalten. Vorsicht ist also geboten, wo und an wen man solche richtet.
Irgend etwas muss gestern passiert sein.
Zunächst waren die Beiträge beim gestrigen Poetry Slam allesamt erstklassig, hochrangig und ich habe mich einfach nur gefreut über ein solches geballtes Ausmaß an Kreativität. Und nicht nur, dass ich - noch völlig überwältigt von diesen Sinneseindrücken - mich dann aufgrund eines leider drohenden Abschieds von einer netten Person auf die Tanzfläche zerren ließ (was man – wer mich kennt, wird es bestätigen – in einem immerwährenden Kalender dick und rot eintragen kann), nein, im Anschluss daran soviel Bier trank, dass ich heute total neben mir stand.
Daraufhin bemerkte ich beim Rauchen auf dem Balkon, nachdem die Tür hinter mir in’s Schloss geschnappt war, dass ich ja gar keinen Schlüssel in der Tasche hatte. Auch dies war eine Premiere, ist mir diese Situation doch in den drei Jahren, die ich hier wohne, bislang erspart geblieben. Aber ausgerechnet heute musste ich natürlich auch ohne Handy dort stehen, konnte also nicht einmal die entfernten Mitbewohner um Hilfe antelefonieren. Ich hätte mir ja andernorts die Zeit vertreiben können, aber ich wollte auch kein Geld ausgeben, um mir erstmal bei Deichmann Schuhe zu besorgen.
Seltenes, Einmaliges, es liegt etwas in der Luft. Mal gucken, was als Nächstes kommt. Ich bin schon ganz neugierig.
Endlich brauche ich mal keine Schweißausbrüche vor dem Gedanken zu haben, einen von der GEZ beauftragten Menschen vor der Tür in Empfang nehmen zu dürfen. Denn, mein Fernsehapparat befindet sich ja seit kurzem im Fernsehapparatehimmel. Dort tummelt er sich nun unter seinesgleichen und sie schalten sich gegenseitig nur die Programme ein, die sie mögen.
Meiner wird dort oben wahrscheinlich schwelgen und froh darüber sein, die gewohnte Regelmäßigkeit der Simpsons oder das Gerede von Harald Schmidt nicht länger senden zu müssen, womöglich noch unterbrochen von Filmen, die nicht einmal sein Besitzer verstand. Jetzt sitzt er da auf einer Wolke und zeigt nur Talkshows. Und schaltet von mir und meinen Sehgewohnheiten ab bis in alle Ewigkeit.
Ich für meinen Teil verweile hier unten und kann den GEZ-Menschen ruhigen Gewissens erwarten. Jetzt darf er gerne erscheinen, bislang traute er sich nie. Es gab zwar Situationen anderswo im Haus, als ich gerade nicht zugegen war, und einer dieser Gesellen verschaffte sich Einlass (was er ja eigentlich nicht dürfte).
Es ist auch nach wie vor eine der beliebtesten Anekdoten, wenn das Gespräch unter vier Augen stockt, man weiß nicht weiter und will irgend etwas sagen, dann ist neben dem Heizkörperableser der GEZ-Mensch immer ein gern gesehener Geselle für ein Stück mehr Redefluss und ein probater Anlass, seine Schlagfertigkeit unter Beweis zu stellen. Auch, wenn alles einfach nur frei erfunden ist. Es geht eben weiter und die Angebetete hängt an den Lippen des netten Typen.
Mir selbst darf er jetzt gerne erscheinen. Ich werde ihn sogar bei der Hand nehmen, auf meine Mattscheibe in meinem Zimmer weisen und sagen: „Sehet her, werter Herr, das dort war einmal ein funktionierender Fernseher, aber er ist tot, es ist sozusagen ein gewesenes Gerät. Dafür kann man mir wohl kaum einen unlauteren Medienkonsum unterstellen, geschweige denn, ein paar Taler einklagen.“
Seinen Hinweis darauf, dass das aber mal der Fall gewesen sein könnte, wird er sich aber dann schnell schenken, weil er dann bald bemerken würde, dass er dann mit zu vielen, nicht beweisbaren Möglichkeitsformen hantierte.
Ein früherer Mitbewohner von mir (anderes Haus, andere Stadt, andere Zeit) hat immer gerne von einer Begegnung mit der Gebühreneinzugsorganisation berichtet, die in etwa wie folgt ausgesehen haben muss:
[Ich wende ab nun die dramatische Gegenwart an, da sie sich – meiner Meinung nach – für den Effekt wesentlich besser eignet]
M., etwa Mitte zwanzig [damals], sitzt vor der Glotze und rezipiert unangestrengt in Ermangelung von Kabelfernsehen Dinge auf einem Öffentlich-Rechtlichen Sender. Es klingelt an der Wohnungstür, und er ist trotz des gestrigen (seeehr) langen Abends imstande, sich mithilfe eines Bademantels um den Körper bewaffnet durch den Flur dorthin aufzuraffen. Während im Hintergrund Richter Guido Neumann bei „Streit um Drei“ eloquent und lautstark urteilt, öffnet M. die Tür und erblickt einen nie zuvor gesehenen, bärtigen Mittvierziger, der ihm sogleich seine Identität unter die Nase reibt.
Unbekannter: Guten Tag. Häberle mein Name. Von der GEZ. Haben Sie zufällig ein Radio oder einen Fernseher anzumelden?
M.(kalt und ungeniert): Nein!
Häberle (blickt von seinem Notizblock auf in Richtung Flur): Und was ist das da hinten?
M. (blickt hinter sich, sein Gesichtszüge zeigen plötzliche völlige Überraschung): EIN FERNSEHER! WIE KOMMT DER DENN HIERHIN?
Aus der Erzählung weiß ich nicht nur, dass es im Folgenden ein groß’ Gelächter gab. M. musste daraufhin sehr viel Geld nachzahlen. Wie man ihm rückwirkend jahrelanges Fernsehen für lau nachweisen konnte, kann ich nicht sagen. Vermutlich hat er im Lachanfall ein Geständnis abgeliefert. Zutrauen würde ich es ihm.
Ich bin natürlich nicht darauf scharf, viel Geld zu bezahlen. Aber ein paar mehr Anekdoten könnte auch ich gebrauchen, irgendwann stößt auch meine Phantasie an seine Grenzen. Ich koche mal Kaffee. Vielleicht klingelt’s ja heute…
Gestern Abend habe ich im Rahmen der Open Air-Kinoreihe vor Ort einen hochgradig sinnbeanspruchenden Film gesehen. Er ist zwar bereits seit einiger Zeit im Verleih und in den Videotheken zu haben, dennoch kam ich bis jetzt nicht dazu, mir „Das Mädchen mit den Perlenohrringen“ anzusehen.
Ob die dort dargestellte Handlung – die Annäherung des Malers Jan Vermeer zu seiner Dienstmagd Griet - der Realität entsprach, wie nah das Geschehen am Alltag des 17. Jahrhunderts war (siehe Anachronismen bei imdb), tut dabei gar nichts zur Sache. Ein Film, der ein Kunstwerk zum Mittelpunkt hat und darum eine Geschichte aufbaut (Buchvorlage hin oder her) schreit nach einem Stichwort: Selbstreflexivität.
Denn: Ich habe ein Bild in Bewegung gesehen, viele gemalte Bilder in Bewegung sogar. Selten zuvor hämmerte es sich mir bei einem Film so intensiv in’s Bewusstsein, dass es sich hier selbst um ein (bemühtes) Kunstwerk handelt. In der Szene, in der Griet und Vermeer zusammen die Farben mischen, winkt die Bildregie schon nicht mehr mit dem Zaunpfahl, sondern haut kräftig mit dem Laternenmast gegen den Hinterkopf mit dem Verweis auf Schärfe, Tiefe und Körnung der eigenen Landschafts- und Stadt- „Malereien“. Die Kamerabewegungen müssen hier sogar langsam sein, um alles aufnehmen zu können und sind schon allein aus diesem Grunde nichts für Actionfreunde.
Dass Peter Webber für sein erzählend-fiktionales Regiedebut diesen Stoff gewählt hat, zeugt von einem Verständnis von Kunst, das diese über das eigene Selbst stellt. Für das Produzieren des perfekten Werks dürfen Griet und Vermeer sich nicht von den gesellschaftlichen und familiären Konventionen leiten lassen, müssen sich von ihnen lösen. Dass hier das - mir eigentlich missfallende - Klischee des weltfremden, obsessiven Künstlers mit der Eroberung seines Objekts („Sie haben in mich hineingesehen“ (Griet beim Betrachten des fertigen Portraits)) bedient wird, scheint nur notwendige Folge zu sein.
So hatte der Regisseur uns mit diesem Film dann ebenfalls erobert und insofern das Zurückstellen seines Selbst unter das Herstellen dieses Werks im Nachhinein den Effekt, wieder etwas für sein Ego zurückzugewinnen, indem er unseren Zuspruch erwarb. Ebenso wie Vermeer.
Leider hatte ich während des Betrachtens eine etwas ungünstige, seitliche Perspektive wählen müssen. Aber ich werde ihn mir noch einmal zuhause, frontal, ansehen. In Ruhe, mit Schokolade und – wie meine Begleitung und ich zusammensponnen - „mit Kaminfeuer, das einem den Rücken krault“.
Auch ich tue ja ziemlich viele Dinge virtuell.
Ich handhabe nunmal wie viele Informationen und gestalte diese auch. Passe sie einem augenfreundlichen Umfeld an. Unterhalte mich per E-Mail mit Leuten, die sich irgendwelche Nicknames ausgesucht haben, über genau diese Dinge. Gespenstisch ist das manchmal schon. So ist das an der Uni. Nichts, was ich und viele andere herstellen, ist greifbar, sondern dient einzig und allein dem Zweck, uns die Welt und deren Deutung ästhetisiert näher zu bringen.
Aber Virtualität ist bereits länger eine moderne Herangehensweise an WELT geworden. Alles ist nur zum Angucken da, Anfassen ist mehr und mehr verboten.
Aber was rede ich. Wie gesagt, auch ich kann schließlich nicht mehr ohne neue Technologien auskommen. Es gibt auch eine Menge Vorteile.
Immerhin hatte ich dadurch heute wieder Kontakt zu einer sehr schönen, aber weit entfernt wohnenden Frau, die ich schon lange nicht mehr face-to-face gesehen habe. Und wahrscheinlich auch nie mehr zu Gesicht bekommen werde. Ich habe ihr daraufhin eine Gute-Nacht-Geschichte improvisiert und schnell mal über knapp siebeneinhalbtausend Kilometer auf ihr Notebook nachhause geschickt.
Eine kleine, aber durchaus hochromantische Vorstellung: Da gibt es eine Schönheit, die manchmal an mich denkt, auf einer Insel am anderen Ende der Welt. Ich glaube, diese Vorstellung möchte ich pflegen. So bin ich eben.
Das muss mein reales Leben (obwohl, das gehört ja dazu) ja nicht beeinflussen. Das mit dem so lala. Das ohne Juchhu.
Die Freundin meines Bruders fasste ihren Unmut über gewisse Zeitgenossen kürzlich mit einigen prägnanten Worten zusammen:
„Die Mutter der Arschlöcher ist ständig schwanger.“
Ich kann momentan nicht behaupten, ständigen Konfrontationen mit Mitmenschen ausgesetzt zu sein, entsinne mich aber Situationen, in denen mir permanent derlei Charaktere geh-unfreundliche Dinge zwischen die Beine warfen. Da kommt man bisweilen schnell auf unorthodoxe Ideen, möchte den Ethikrat abschaffen und gerne die Möglichkeiten der Abtreibung ausweiten.
“Ist es denn überhaupt nur eine Mutter, sind es nicht vielleicht sogar mehrere? Und wieso murkst die dann eigentlich niemand ab?”
Dummerweise kann man bis heute keine Charakterzüge per Ultraschall erkennen. Bis diese bahnbrechende, aber noch ausstehende Erfindung uns das Zusammenleben versüßen wird, müssen wir einfach ein Gegengewicht schaffen. Es muss einige Mütter von künftigen, lieben Mitmenschen mehr als jetzt geben. Daher mein Vorschlag: Wie wär’s, wenn wir in einem ersten Schritt zunächst diese zeugten?
Aber ich halte mich aus der Umsetzung heraus ![]()


