Kompliment vs. Feststellung
Geschrieben am 25 Juli 2005
Freitagabend auf einer Party.
Ich: „Hey, dich kenne ich doch. Du bist doch die Frontfrau der Band XY. Ich habe euch neulich daundda spielen gesehen.“
Sie: „Echt, du hast mich wiedererkannt. Daaamit hast du mir den ganzen Abend versüüüßt.“ Und umarmt mich dabei.
Wir unterhielten uns daraufhin noch ein wenig, während ich stillschweigend über die Wirkung einer lediglich ausgesprochenen Feststellung staunte, denn: Das war eigentlich nicht als Kompliment gedacht und enthielt noch gar keine Wertung.
Nur eine aufgeblitzte Erinnerung brachte ich damit zur Sprache und so gelangte ich zu der Ansicht, dass diese meine Aussage in ein Beziehungs- oder Selbstoffenbarungsohr gerutscht sein musste.
Man darf es nicht als schlechtes Zeichen sehen, wenn ich die Wikipedia bemühen muss, um die Bedeutung von „Charme“ zu ermitteln. Manch einer versteht darunter etwas anderes als ich. Ich selbst kann zum Beispiel mit der Umschreibung „der galanten Umgangsformen, der Verfeinerung des Lebensstils“ fabelhaft leben.
Momentan arbeite ich ja ein wenig an mir.
Vor längerer Zeit nämlich wurde mir mal von einer Freundin gesagt, wenn ich ein wenig charmanter agierte, könnte ich „der totale Frauenheld“ sein. Nicht, dass ich auf so einen Ruf scharf wäre (Himmel, bewahre!), das wäre ja auch nicht gerade das, was ich für mich suche.
Aber es ist wohl wahr, dass ich bis dahin eher dazu neigte, Frauen gegenüber ironisch zu begegnen, sie für gewisse Verhaltensweisen aufzuziehen, und der Frotzelei nahm gar kein Ende, wenn ich meine ehrlichen fünf Minuten bekam. Aufgrund vorangegangener Beobachtungen kam auch die Anregung seitens der Freundin. Das stimmte schon, meine Direktheit konnte mitunter schmerzen. Was die andere, ehrliche Seite betraf, auch einmal angenehme, nette Gedanken auszusprechen, unterdrückte ich diese bis dahin und hatte Angst davor, damit zuviel auszusagen.
Das soll sich nun ändern und ist im Prozess begriffen. Man kann sich das Miteinander-Leben schließlich auch angenehmer gestalten (and that’s what „Komplimente machen“ is all about). Ich schränke das aber immerhin auf ehrlich gemeinte ein und überhöre „fishing-for-compliments“-Strategien (das wäre ja zu billig).
Allerdings, anscheinend (s.o.) werden so manches Mal auch die einfachsten Dinge für ein solches gehalten. Vorsicht ist also geboten, wo und an wen man solche richtet.

