Existenzialismus

Geschrieben am 13 August 2005

“Ich weiß nicht, wie die Welt funktioniert, Onno, aber vielleicht liegt darin meine Stärke. Wenn du mich fragst, funktioniert sie gar nicht, genausowenig wie der Inhalt eines Mülleimers. Ich glaube, dass die Welt - zumindest auf dieser Erde - ein riesiges, improvisiertes Chaos ist, das noch immer aus unerklärlichen Gründen mehr oder weniger weiterexistiert. Der Mensch gehört eigentlich nicht ins All; aber jetzt, da er nun einmal da ist, ist in verschiedener Hinsicht alles möglich. Die Geschichte hat das im übrigen bewiesen, möchte ich doch meinen; und du als Politiker müsstest das wissen. Aber wenn du schon beginnst mit der Bemerkung, so funktioniert die Welt und das ist möglich und das ist unmöglich, dann solltest du lieber zu deinem Diskos von Phaistos zurückkehren. Alles bleibt Menschenwerk, also Pfusch, und deshalb solltest du vielleicht immer zunächst einmal das tun, was dir dein Herz eingibt, und dich selbst nicht von vornherein mit Überlegungen blockieren, die die anderen vielleicht vorbringen oder vielleicht auch nicht.”

Max (ein Astronom) zu seinem Freund Onno (ein Sprachwissenschaftler und Politiker) in Die Entdeckung des Himmels von Harry Mulisch

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