Der Gerd

Geschrieben am 16 August 2005

Heutige, neue Aufgabe: Man nehme die ersten sechs Begriffe, die in der Wikipedia unter der Suche „Zufälliger Artikel“ erscheinen und versuche, sie in die Schilderung eines heutigen Geschehnisses einzubauen!

Unser Bundespräsident Köhler hat es möglich gemacht, dass nun wieder der lustige Wahlkampf früher als erwartet anbrummt. Hasstiraden, Polemiken, Duelle, rhetorische Angriffe werden wir demnächst wieder in voller Wucht in den Medien zu hören und zu sehen bekommen.
Den ersten Live-Auftritt dieser Art seitens unseres derzeitigen Kanzlers bekamen wir dann hier in Bielefeld zu spüren. Und da ich mir ja keinen Urlaub in einer kleinen italienischen Stadt leisten kann, so wie er mir vorschwebt (so etwas kleines wie Foligno wäre prima), muss ich mir die vorlesungsfreie Zeit nun eben mal hier vor Ort um die Ohren schlagen.
Warum also nicht hören, was unser oberster Chef so zu sagen hat?. Oder, wie sich herausstellen sollte, das hören, was man eh’ schon vorausahnen konnte: „Die schlecht, wir gut, Bildung und Familie fördern etc. pp.“ Und ihn zumindest mal in Aktion gesehen haben, was sich als schwierig gestaltete, denn wie anhand der vielen unterschiedlichen Charaktere abzulesen war, interessierten die westfälischen Worte des Kanzlers anscheinend alle und jeden. Die alten meckerten über die jungen Leute, wie sie denn bei einer solchen Veranstaltung rauchen und Bier trinken könnten. Über das viele Fußvolk, das dort stand und hinrannte, hätte jeder Schuhmacher seine helle Vorfreude über zu erwartende Aufträge wegen des Verschleißes der Fußbekleidungen gehabt. Darüberhinaus nahm es mich Wunder, dass die Polizei in diesen Zeiten nicht mit Metalldetektoren oder zumindest U-Booten durch die Menge patroullierte.
Ich persönlich zeigte mich nicht sonderlich beeindruckt über die Weisheiten unseres Oberhauptes, musste aber einmal mehr über eine erneute Parallele in unseren Lebensläufen staunen. Nicht nur, dass der Gerd und ich aus derselben Gegend stammten (ihm hört man es an) und er sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg erledigt hatte. Er hatte auch hier in Bielefeld gewohnt und zwar in der „Bebel-Straße“, wie er sagte. Tatsächlich heißt diese „August-Bebel-Straße“, ich muss es wissen, ich wohne dort. Und eigentlich ist es ja bundesweit auch üblich, den Vornamen des Gebers mit in das Straßenschild aufzunehmen. Da werden keine Ausnahmen gemacht, auch nicht bei Gründervätern der SPD. Nun ja.
Dennoch besitze ich keinerlei Ambitionen, weitere Ähnlichkeiten auftreten zu lassen. Parteibücher sollen mir gestohlen bleiben und die Juristerei widert mich an. Heute erst habe ich von einem Beruf gelesen, der nach einer wahren Lebensaufgabe schmeckt: Orgeltheoretiker wie der eher unbekannte Johann Philipp Bendeler einer war. Den ganzen Tag herumsitzen und über’s Orgeln herumsinnieren, das wär’s doch…

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