Die “Angie”

Geschrieben am 23 August 2005

Live im Getümmel gestaltete sich das hier (und hier, und hier, und hier, und hier) nicht minder interessant. Ich betrachtete es mir aus mehreren Blickwinkeln und musste feststellen, dass die Gegendemonstranten dieses Mal doch einige Leutchen mehr aufbrachten als bei der Schröder-Rede.
Dementsprechend groß war dann auch der Widerspruch bei missfallenden Argumenten, die sich teils durch das Hochhalten roter Karten bemerkbar machten, teils durch kräftige Buh-Rufe. Sie richteten sich auch gegen einen Kernpunkt von Merkels Rede, den der Ehrlichkeit im Hinblick darauf, schmerzhafte Vorhaben auch anzukündigen und daher auch künftig keine unerfüllbaren Versprechen brechen zu wollen. Stellt sich die Frage, ob man das einer Partei abkaufen kann, die bereits jahrelang in die eigenen Kassen gewirtschaftet hat und jahrzehntelang wichtige Vorhaben verschleppte? Dem könnte man dann mit dem berühmten Topos des „Tu quoque“ entgegenwirken: Das haben die anderen doch auch. Nun ja.
Alles in Allem lieferte uns der Schreiber ihrer Worte jede Menge Daten und Zahlen, deren Freund „Angie“ zwar auch nicht sei, aber die nun einmal für sich sprechen sollten. Zugegeben, das PISA-Argument zieht. Wenn Bayern und Sachsen als schwarzgeführte Länder und aufgrund ihres leistungsorientierten Systems im Ranking weit vorne stehen – im Gegensatz zu Ländern wie Brandenburg, wo auf eine einheitlichere Herangehensweise geachtet würde - , dann spricht das schon dafür. Wenn das denn wirklich in einem Zusammenhang steht. Womöglich gibt es aber auch an dieser Statistik einen immens großen Knackpunkt (welcher mir nicht bekannt ist). Immerhin hatte die “künftige Kanzlerin” sich wegen des vielen vorgetragenen Datenmaterials mehr Zeit für uns genommen als ihr noch amtierender Vorgänger.

Auch ich zähle mich ja zu den Unentschlossenen, stehe aber einer Gewichtung zugunsten wirtschaftlicher Faktoren grundsätzlich skeptisch gegenüber. Und wenn ich nur nach den mir gebotenen Nasen ginge, dann würde diese Partei bei mir schon längst ganz tief nach unten durchgefallen sein (und auch wegen des „Christlich-“. Aber das ist ein anderes Thema).

PS/ EDIT: Unschöne Szenen am Rande
Einer der Menschen, die die roten Karten in der Menge verteilten, beschwerte sich gelegentlich etwas lautstarker über die geäußerten Pläne der Frau Merkel. Aufgrund seines südländischen Aussehens wurde er von einem älteren, gepflegt, aber trotzdem spießigen Mitmenschen gescholten: “Geh doch wieder dahin, wo du herkommst, du Penner!
Worauf es ein großes Juchhei gab und weitere Beschwerden des so Angesprochenen hagelte: “Ich lebe seit vierzig Jahren hier, dritte Generation…” usw. Die Polizei wurde plötzlich sehr aufmerksam, aber ein Einschreiten zum Glück nicht nötig.
Tja, ich lass das mal so stehen.

via Titanic (obwohl etwas zu früh in der Woche)

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