Zum Mitnehmen
Geschrieben am 25 August 2005
Es ist immer das Gleiche: Frauen kann man manchmal einfach nur durch seine bloße Anwesenheit für sich gewinnen, aber meistens auch nur dann, wenn man nicht an ihnen interessiert ist. Dass eine Frau einen Mann nur durch ihre Gegenwart beeindrucken kann, ist wahrscheinlich auch keine neue Erkenntnis. Aber, aber, böse wird’s, wenn Interesse, oder womöglich (ich mag’s gar nicht aussprechen) ein wenig Verliebtheit mit in’s Spiel gerät. Dann geht der Kontakt vermutlich ad hoc in die Dutten.
„Anbetung“ ist eine fiese Sache, eine Tätigkeit (oder Angewohnheit), die den Respekt der angebetenen Person in nullkommanix gen Flatline und im schlimmsten Fall sogar darunter kickt. Denn wer will schon - nehmen wir ein metaphorisches Extrem - ein “abhängiges Hündchen” als Partner sein Eigen nennen, wenn man doch auf der Suche nach jemand Ebenbürtigem ist? Richtig: Niemand.
Die bestgeeignetsten Orte, um seine und die der anderen völlig oberflächlichen Intuitionen am eigenen Leibe live und in Farbe zu spüren, sind leider keine Stätten der Einkehr oder Tempel des inneren Ausgleichs, sondern die Diskotheken, in denen man noch (ich muss ja inzwischen „noch“ betonen) Menschen gleichen Alters begegnen kann. Das gegenseitige Beglotze und Abgechecke ist nirgends intensiver zu erleben. Aber die Enttäuschungen können hier ebenfalls zahlreich anzutreffen sein, wenn die Fassaden einbrechen und man Einblick in das Innere der Seelenhäuser gewährt bekommt.
An dieser Stelle fühle ich mich einmal mehr zum Zitieren gezwungen, nämlich frühere Kolleginnen der Mitbloggerin, die behaupteten, „in ner Disko lernt man nie den Mann des Lebens kennen“. Es ist nur folgerichtig, dass, wenn Frauen mit solchen „Weisheiten“ ausgestattet, in den Tanztempeln Bekanntschaften schließen wollen, die hehre Männerschaft dort vice versa nicht auf die große Liebe hoffen darf. Auch, wenn allem Anschein nach ziemlich viele Menschen hier eine Ausnahme von dieser Regel erhoffen, stellt sich die Frage: Wo ist dann der richtige Ort dafür?
Im Kollegium darf man einer, aus dem Englischen überlieferten Redewendung, ebenfalls keine Stelldicheins eingehen, also sollte man so etwas analog dazu z.B. nicht im gleichen Studiengang beginnen (sieht ja auch doof aus, wenn man im Seminar herumflirtet). Die Wohnung oder die nähere Nachbarschaft sollte man aus stresstechnischen und moralischen Gründen tunlichst auch aus dem Blickfeld nehmen.
Bleibt also nur noch als chancenreichster Ort zum Auffinden der Liebe mal wieder die Straße. Oder die Öffentlichkeit, die vielzitierte Hand, die zufällig nach dem gleichen, letzten begehrten Objekt im Einkaufsregal greift. Und dann bloß nicht hingucken und kennenlernen, seitwärts ansprechen.
„Sie greifen gleichzeitig mit mir hier nach der letzten Packung WC-Frisch Aktiv-Tabs. Ist ihnen eigentlich bewusst, in wie vielen Liebesfilmen dieses Motiv den nötigen Funken liefert, den Plot Point für eine große Romanze? Ihnen ist hoffentlich klar, dass ich sie jetzt in logischer Konsequenz mit nachhause nehmen muss. Kommen sie bitte sofort mit.“
Tja, und dann dürfte wohl alles klar sein.
Ich bitte daher sämtliche Konzerne der Supermarktketten ihre Mitarbeiter anzuweisen, ab sofort von jedem Produkt immer nur eins in das Regal zu stellen. Der dafür notwendige Aufwand und die Gehälter für mehr Personal könnten sich langfristig lohnen: Denn womöglich stehen durch die auf diesem Wege frisch entstandenen Frühlingsgefühle jede Menge künftiger kleiner Konsumenten in’s Haus [übrigens auch ein Wink mit dem Zaunpfahl an das Familienministerium
].

