Probleme mit dem Zoll

Posted on August 11, 2005
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Immer dann, wenn der Herr Bruder zu Besuch ist, muss er auch kurz (manchmal auch sehr lang) die Vorteile einer Flatrate in Anspruch nehmen. Dabei erstöbert er mitunter auch Hinweise auf lustige Dinge in den Foren, die er nutzt.
Das soll als Rechtfertigung für die nun folgende Vulgarität genügen. Denn wir stießen dabei auf eine Forendiskussion, die mir vor Lachen die Tränen in die Augen trieb. Also, alle Menschen, die vorhaben, noch auszugehen und bereits geschminkt sind, sollten diesen Link gelinde übersehen:

Forum Sanitär

Die unsichtbare Hand…

Posted on August 11, 2005
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…war gestern erneut am Werk, als auf der Tanzfläche einige anscheinend sehr betrunkene Personen sich Raum verschafften. Die Welle der Entrüstung – oder die Weitergabe der Energie – ging dann auch über die Flächenbegrenzung hinaus und warf mich und die um mich Herumstehenden mehrfach um. Das hatte unschöne Folgen. So muss L. heute wohl mit blauen Flecken an ihren, für Frauen charakeristischen Weichteilen rechnen und meine, für Männer charakteristische Weichteile, erhielten einen unliebsamen Dämpfer, als C.s Ellbogen sich beim Sturz dort reflexartig Halt suchte. So standen wir dann eine Weile am Rand herum und krümmten uns zusammen mit dem Wermutstropfen des Abends (der insgesamt gesehen nicht nach meinem Geschmack verlief).

Die Positionen zu Marie

Posted on August 6, 2005
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(fragmentarisch)

Vom obersten Stockwerk des Empire State Building zum Beispiel ist die Welt noch in Ordnung. Von der Plattform dort oben betrachtet wirkt das Treiben unten um Geld und anderer Menschen Leben direkt friedlich. Dass aber gewisse Dinge und Umstände allein aufgrund einer Änderung des Blickwinkels, der Perspektive und auch der Distanz zu ihnen imstande sind, die ihnen innewohnende Semantik komplett zu wechseln, ist keine neue Einsicht.
Von den uns Menschen gegebenen Sinnen ist die Möglichkeit zum Sehen und Dinge in Augenschein nehmen zu können die allerwichtigste. Wir betrachten Dinge etwas länger und eindringlicher, wenn sie uns fremd erscheinen, sich mit dem gewohnten Erfahrungshintergrund nicht in Einklang bringen lassen, oder aber - das wäre ein anderes Extrem - , wenn sie unerwartet einem nicht oft gesehenen Ideal entsprechen. Der Vorgang ist völlig normal und nicht ungewöhnlich. Meist geschieht er nicht bewusst und es entspricht dem, was Kant das „ästhetische Spiel“ nannte: Je nach Intensität des Spiels im Kopf des Betrachters kann man demnach von einem ästhetisch hochanspruchsvollen Objekt sprechen oder – in die andere Richtung hin - zu einem, das dem weniger entspricht und eher als langweilig empfunden wird.
Da die Erfahrungshintergründe aber von Person zu Person stark abweichen können, ist diese Entscheidung immer sehr subjektiv. Sie können das anhand eines x-beliebigen Fotoalbums überprüfen: Eine Ihnen nahestehende Person wird eventuell ein ganz anderes Bild darin für längere Zeit betrachten als Sie selbst es tun.
Im Grunde genommen kann man diese Betrachtung auf alle Lebensbereiche, in denen optische Eindrücke eine Rolle spielen, übertragen.
Hochgradig beanspruchend empfinde ich es, anderen Menschen beim Tanzen zuzusehen, denn hier kommt über die Visualität hinaus der zweitwichtigste der Sinne in’s Spiel, nämlich der akustische. Im Rhythmus verschwimmt die Individualität des Einzelnen, man bindet sich an ihn und wird Teil eines Kollektivs. Und doch lassen sich im blitzenden Scheinwerferlicht genügend persönliche Ausdifferenzierungen im Stil ausmachen, weshalb eine Beobachtung des vibrierenden Konglomerats an Menschen nie langweilig wird.
In meinem Kopf bin ich König mehrerer Parallelwelten und gleichzeitig Anführer erfolgreicher Revolutionen gegen eben diese Monarchien, doch eine Person schenkte meine Aufmerksamkeit ohne mein Dazutun wesentlich mehr Beachtung als den anderen. Sie brach in meine Sinneswelt ein.
[…]
Das Scheinwerferlicht begünstigte sie und verfolgte ihre Tanzbewegungen, und es war ihr anscheinend egal, was für eine Art Musik gerade gespielt wurde. Ob es nun die – mittlerweile - wirklich ziemlich nervtötenden Coldplay waren oder Stücke härter Gangart wie zum Beispiel etwas von Kyuss, sie nahm den neuen Rhythmus sofort in sich auf und schien glücklich damit zu sein. Es wirkte sogar, als hätte sie Einfluss auf die Reihenfolge der Songs, und einen Moment lang dachte ich über die Möglichkeit nach, ob sie wohl mit dem DJ liiert war. Sie fesselte mit ihren Drehungen die umstehenden Männer an sich, immer mindestens drei an der Zahl, und ließ ihre rotblonden Haare im Takt schwingen. Die Männer waren allesamt wesentlich größer als sie und achteten auf jeden Eindringling in’s Territorium und just in diesem Moment erst begriff ich, wie albern und sinnlos ich selbst mich immer verhielt, wenn ich den Drang verspürte, meine weiblichen Bekannten vor Fremden schützen zu wollen.
[…]
Ihre Augen erblickten mich, wie ich dort am Rand des Geschehens stand und sinnierte, und ich konnte nicht anders, als unvermittelt zu lächeln. Ich habe es versucht, mich gezwungen, es zu unterdrücken. Zwang ist mein Hobby, mein zweites Ich, dennoch konnte ich meine mir selbst auferlegten Regeln an dieser Stelle, gegenüber dieser Frau, nicht mehr länger einhalten.
„Was zum Teufel ist das?“ fragte ich mich selbst bei dem Gedanken, dass der Unterschied zwischen Himmel und Hölle wahrscheinlich einfach nur in einer Barriere begründet liegt, einer, die hier in der Mitte in Form einer bisher nicht benannten Instanz handelt und die - wie in diesem Fall - imstande ist, das Gesicht der Mitmenschen zu einem debilen Etwas zu verzerren.
Sie bemerkte meine Reaktion und musste sie erwidern, unterbrach daraufhin ihren Tanz und stellte sich an meine Seite, um mir von dort ihr Profil zu präsentieren. Dort stand sie nun, die Augen auf das Zentrum des Geschehens gerichtet, und ich sah, wie sie nur für mich die Mundwinkel beinahe halbierte, so dass sich Grübchen in ihren Wangen abzeichneten, und die Augenlider für einige wenige Millimeter zusammenrücken ließ. Gibt es eine süßere Art der Anspannung auf diesem Planeten?
Zwei Minuten lang stand ich dort neben ihr und bildete die Nervosität in Person. Vermutlich wurde ich sofort von den Zurückgelassenen auf der Tanzfläche gehasst, aber ich musste diese jetzt enttäuschen und sie ansprechen.

„Entschuldigung. Darf ich fragen, wie Du heißt?“ Ich hielt ihr meine Hand entgegen und nach einem leichten Zögern nahm sie diese entgegen.
„Marie. Und du?“
„Christian. Hallo. Ich wollte eigentlich längst nachhause gehen, aber dann hab’ ich gesehen, wie gekonnt du die Typen dort bezirzt und da dachte ich mir, das müsste ich mir noch zuende ansehen.“
Ich wies auf die weiter tanzenden Gestalten, während Maries Blick in genau diese Richtung folgte.
„Ach so, die. Das sind aber alles nur gute Freunde,“ sagte sie und lächelte mich an.
Ein eindeutigeres Zeichen dafür, dass einem Kennenlernen nichts im Wege stünde, konnte ich mir kaum ausmalen und es ermutigte mich, mich näher mit ihr zu beschäftigen.

Vermutlich lag es an ihrem Lächeln, dass ich mich derart hinreißen ließ. Und hier kommt der subjektive Erfahrungshintergrund in’s Spiel: Es gibt Männer, die benötigen einen ersten, oft wiederkehrenden Anhaltspunkt, um ihr Interesse an einer Frau aufzubringen. Manche achten auf die Haarfarbe, manche auf die Figur. Andere auf die Stimme, wieder andere auf das Gespräch an sich. Es ist auch nicht so, dass dieser erste Anhaltspunkt zwingend notwendig ist für entstehende Sympathie, aber er begünstigt mitunter alles Weitere. Bei mir nimmt diesen Stellenwert nunmal das Lächeln ein oder vielmehr der optische Eindruck davon, dass es der Person gut geht. Der Klang des Lachens selbst spielt dabei eigentlich kaum eine Rolle.
Durch das Lächeln werde ich von ihren sämtlichen anderen Besonderheiten angezogen, merke mir jedes Detail, jedes Grübchen, jede klitzekleine Anomalie, jedes Muttermal. Und wende daraufhin in Zukunft viel Zeit dafür auf, um dieses Gefühl des Wohlbefindens bei ihr erneut zu erzeugen, nur, damit ich es noch einmal - und bitte immer wieder - sehen kann.
Schönheit zu definieren, daran haben sich bereits die klügsten Köpfe die Zähne ausgebissen. Weitaus klügere Menschen jedenfalls, als ich einer bin. Aber ich glaube behaupten zu können, dass ich plötzlich ein besonders vorzeigbares Beispiel dafür vor meinen Augen hatte. Ich müsste Marie zu einem späteren Zeitpunkt fragen, ob sie mir ein Foto von sich gäbe, eines, auf dem sie lächelt. Den Wörterbuchartikel zum Schönheitsbegriff würde ich herausreißen und durch ihr Bild ersetzen, jedem zeigen, dem nach einer Definition verlangte. „Du willst wissen, was schön ist?“ würde ich dann laut fragen, ihm das Buch aufschlagen und auf das Foto deuten. „Sieh hin!“
[…]
Aus einem Aufgeben und neuen Einnehmen von Positionen, dem Zulassen einer anderen Distanz, schien sich somit schlagartig die Bedeutung einer ganzen Person zu ändern.

to be continued (eventually)

Über das Verhältnis von Realität zu Fiktion

Besuch bei Tante MARTa

Posted on August 6, 2005
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Die Kulturattacheuse tut ihr Bestes, um mir die sturmfreie Zeit zu vertreiben. So dachten wir gestern, nach gemeinsamem Frühstück einen Tag damit zu auszufüllen, indem wir das MARTa in Herford besuchen könnten. Dafür mussten wir uns in Bielefeld in den Zug setzen, um nach sieben Minuten Fahrt wieder auszusteigen. Merkwürdige Distanz für einen Ausflug und ich dachte bei mir (und sprach es auch aus), wie manche - und nicht wenige - Leute eigentlich auf die Idee kommen können, gleich hier schon wieder eine Stadt zu gründen.

Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, welche Überredungskunst es gekostet haben muss, einen Architekten wie Frank Gehry dazu zu überreden, den Entwurf des Gebäudes für solch einen Ort zu übernehmen.

„Mr. Gehry, would you like to create a museum for modern art in the east of Northrhine-Westfalia?“


Als er den Platz unter die Lupe nahm, wird er sich mit Sicherheit gewundert haben, wie lange er nach der Landung auf dem Flughafen noch einmal mit dem Auto unterwegs sein musste. Das Honorar wird dementsprechend hoch gewesen sein. Aber es hat sich anscheinend gelohnt, denn der Bau ist sehenswert und ich stellte mir fluchende Maurer vor, wie sie anhand der Pläne versuchten die Steine in den korrekten Rundungen übereinander zu schichten. „Verf* Kunstgesockse. Schon wieder schief und überhängend.“
(Fotos von da)
Nachdem wir uns die Ausstellung angesehen hatten, wunderten wir uns ein wenig über die vielen Aussagen von Leuten, die behaupteten, man müsse dort mindestens zwei oder drei Mal hinein, um alles genau in Augenschein nehmen zu können. Denn das Thema der laufenden Ausstellung „(My private) Heroes“ aus der Sammlung Jan Hoet lässt eine derart weite Fassung zu, dass noch realistische Objekte aus dem 19. Jahrhundert neben abstraktester Kunst und Videoanimationen bestehen müssen. So kann man kaum Bezug zu einem einzelnen Kunstwerk herstellen.
Cremaster 2“ von Matthew Barney hätte ich mir gerne in Ruhe, auf einer Bank sitzend, angesehen. Stattdessen schwebte er mitten im Raum auf einem Flachbild-TV und ich musste mir den Hals verrenken. Dafür, dass man diese Filme nur alle Jubeljahre mal vor die Augen bekommt, hätte ich mir gemütlicheres erwünscht. Ein Musikvideo seiner Ehefrau (inszeniert von Chris Cunnigham), das eh’ schon jeder kennt, lief stattdessen natürlich im verdunkelten Saal.
Die Begleitung schwärmt für Gerhard Richter, aber dessen zwei vorhandene Exponate (kein Wunder, läuft ja gerade über ihn eine Retrospektive in Düsseldorf) waren nicht sehr interessant und über die Räume verteilt neben Objekten aus ganz anderen Genres. Schön ist das nicht und vor allen Dingen nicht in Ruhe zu genießen.
Anderthalb Stunden später saßen wir bereits im Café und beschlossen bald die Heimreise, um das Frühstück fortzuführen und für den Rest des Tages Filme zu leihen…

Dennoch, alleine das Gebäude ist eine kleine Reise oder einen Zwischenstopp wert. Vielleicht interessiert den einen oder anderen ja eine der künftigen Themenausstellungen.


(Beim genaueren Inspizieren des Grundrisses hatte ich mich versehentlich in diesen eingeklemmt. Zum Glück hatte 3und20 es gesehen und konnte Hilfe holen.)

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