…und teste, bis der Arzt kommt und mir Bettruhe (und endlich mal was zu essen) verordnet .
Daher: Geduld, Geduld für alle, die zwischenzeitig hierauf stoßen sollten…(es wird hier bestimmt eh’ täglich anders aussehen).
“Schatz, lass’ uns doch mal ganz schick Essen gehen. Vielleicht zum Italiener? Oder doch lieber zum Türken?”

Man macht ja viel mit.
Um etwas Sonntägliches mit S. zu unternehmen, ließ ich mich darauf ein, sie zu einem Spiel der Mannschaft ihrer Freundin H. zu begleiten. Dieses hatte sie ihr wohl schon seit Längerem versprochen und heute handelte es sich anscheinend um den letzten Spieltag der Saison. Aber sie würde auch gerne etwas mit mir tun.
Ungehobelt wäre es nun – und egoistisch obendrein - von ihr zu verlangen, ihr ursprüngliches Vorhaben in den Wind zu schlagen und sich an mich zu hängen. Darum beschloss ich, beide Zeitvertreibe zu kombinieren und redete mir ein, ich könne mich immerhin dann an der Ästhetik des Zusammenspiels im Mannschaftssport ergötzen sowie der sie umgebenden Kultur. Das Interesse für den Rand des Geschehens ist mir seit einigen Arminia-Spielen nicht fremd. Auch dort fühle ich mich im Fanblock angesichts der Gesänge, des Zusammenhalts der Fans, des merkwürdigen Konsumverhaltens usw. stets wie ein Fandom-Tourist. Warum also nicht auch in diesem Fall?
Es handelte sich dabei aber um eine Sportart, bei der es falsch wäre von Mannschaften zu sprechen, denn wir wollten uns ein Softball-Spiel ansehen, also eine ausschließlich von Frauen betriebene Leibesübung.
Dazu musste ich trotz der vortags besuchten Wohnungseinweihungsparty um acht Uhr morgens aufstehen und eine mehr als rabiate Rasur mit deutlich sichtbaren Verfehlungen war die Folge, nicht nur, weil eine Birne unseres Badezimmerlichtes in den Glühbirnenhimmel verglommen war, um pünktlich mit dem Zug in Brake zu sein (wo ich erstmals überhaupt ausstieg). Am Bahnsteig angekommen, wurde ich von S. abgeholt und zu ihrer Heimstatt bugsiert, wo ich, nachdem ich einen am Wegrand entdeckten Schaukelstuhl dorthin transportierte, mit Kaffee und Brötchen bewirtet wurde. Wir mussten uns noch ein wenig die Wartezeit vertreiben, bis H. uns mit dem Auto abholte, denn die Spielerei sollte in Bad Salzuflen stattfinden.
Dort angelangt, sollten die einzigen Unbeteiligten S. und meine Wenigkeit dann noch gezwungen werden, sich die Vorbereitungen (Ausrüstung, Platz usw. einrichten inkl. Training) anzusehen, was sich etwas langwierig gestaltete, zeitweise unterbrochen von Anekdoten, die bei einem Männersport unmöglich zu hören gewesen wären [„Ich bin jetzt auch schwanger!“ gefolgt von lautem Gekreische].
Das Spiel selbst habe ich dann nur leidlich verstanden, obwohl ich mir Mühe gab. Verwirrend war die Info, dass „ein Strike für die anderen ein Punkt für uns und umgekehrt“ ist, und ich werde wohl nie verstehen, wann und unter welchen Umständen die Mannschaften innerhalb eines „Innings“ mit dem Schlag tauschen mussten.
In den amerikanischen Filmen sieht es ja immer sehr spannend aus, wenn die Familienväter mit den Söhnen zu einem Spiel der Männervariante Baseball gehen. Da sitzen sie dann in einem völlig aufgeregten Publikum mit allerhand Leckereien ausgestattet, gucken den Cheerleadern sonstwohin und versuchen, die kryptischen Zeichen des Trainers zu entziffern. Wenn man bedenkt, dass es keine festgelegte Dauer für ein einzelnes Spiel gibt, sondern sich sogar sehr lange hinziehen kann (H.: „Also, wir haben auch schon einmal vier Stunden lang gespielt!“ *schluck*), entpuppt sich dieses Freizeitverhalten für passive Zuschauer sogar als ein ausgeprochen sonderbares.
Da sich während der uns gebotenen Vorführung keine Männer als Pendant zu den Cheerleadern anboten, übernahmen die Frauen diese Rolle ganz selbstverständlich, aber unwissentlich, da die spärlich vertretene Männerwelt diese (an den Zurufen erkennbar) in sie hineinprojizierte. Der Trainer – dessen Hunde S. und mir in sehr langatmigen Phasen die Zeit vertrieben – fand auch Gefallen an der sehr sonderbaren Gebärdensprache und versuchte, diese nachzuahmen. Allerdings sollten diese Zeichen natürlich nicht vom Gegner gelesen werden können, so schien es nicht verwunderlich, wenn auch mir nicht ganz klar wurde, ob er jetzt 500 Aktien bestellte, über die Straße wollte oder zu einer sexuellen Handlung aufforderte.
Aber mir entging nicht, dass das Spiel durchaus sprachproduktiv hinsichtlich der Einführung neuer Begriffe sein konnte. Nicht nur die einfache Übernahme von Fachtermini wie „Strike“, „Base“, „Pitcher“, „Inning“ und dergleichen lässt sich anderswo bedeutungsvoll anreichern, interessant klingt es auch, wenn man diese beugt.
Eine Lieblingstaktik des Trainers war der „Slide“, eine mir nicht ganz einsichtige Art und Weise, an die Base zu gelangen. Das sah so aus, dass man sich auf den letzten Metern dorthin auf den Boden warf und mit dem Fuß voran zum Ziel „schlidderte“. Abgesehen davon, dass damit ja eigentlich eine Bremswirkung erzielt wurde, verhalf diese Form der Fortbewegung dem Spielablauf etwas ungeheuer dramatisches. Kommentiert wurde das dann von den Mitspielerinnen etwa wie folgt: „Oh, Tina ist aber schön ge-slide-t.“ [dazu § 5 hier]
Nun ja. Zu meiner Einsicht in den Spielverlauf bleibt noch zu sagen, dass ich bis kurz vor Schluss nicht ahnte, dass die Gastgeberinnen haushoch im Rückstand lagen (zumal nirgendwo irgendjemand tänzelnd Ziffern an Anzeigetafeln austauschte, um den Spielstand zu verdeutlichen).
Wieder zurück in Bielefeld (19 Uhr!) beschlossen S. und ich, den Tag mit Eindrücken ästhetisch noch ein wenig abzurunden, und obwohl wir beide hundemüde waren, fanden wir dann noch eine Vorstellung mit Jim Jarmuschs neuem „Broken Flowers“. Aber das würde den Rahmen hier sprengen…
P.S.: Übrigens, wenn bei einer Frauensportart, die auf einem Rasenplatz betrieben wird, die Mannschaftsmitglieder es selbst in die Hand nehmen müssen, die Linien für die Feldbegrenzung zu ziehen, dann kann es mitunter geschehen, dass irgendwelchen unerklärbar auftauchenden Emotionen Ausdruck verliehen wird.

Es ist zwar schon lange bekannt und wurde oft erwähnt, aber auch an dieser Stelle soll es noch einmal gesagt werden: Die Telekom ist ein Haufen voller Knalltüten.
Seit geschlagenen zwei Wochen nun wartet die WG meines Bruders darauf, dass sie sich dort erbarmen, den Anschluss auf den neuen Anbieter Arcor umzustellen. Nun gut, das liegt selbstverständlich nicht in deren Interesse, aber sehr vertrauenseinflössend ist diese Hinhaltetaktik natürlich nicht. Schließlich spricht sich so etwas auch herum (!!!).
Da die Leutchen nun seit geraumer Zeit völlig von der kommunikatorischen Zivilisation abgeschnitten sind, müssen für die Wartezeit andere Mittel und Wege und Freunde herhalten. So muss ich meinem Herrn Bruder zu oft zu Besuch kommen lassen, damit er hier vor Ort telefonieren und die Flat nutzen kann (bei Versatel ist man anscheinend nicht auf die ollen Netzmonopolisten angewiesen). Das kann (und will) ich ihm auch nicht verwehren, schließlich hängt davon seine Existenz ab, auch, wenn dies manchmal ein wenig lästig ist.
Ob man der Telekom diese Zeit, die ich hier bei mir zur Verfügung stelle, wiederum in Rechnung stellen kann?
Denn eines ist mit Sicherheit bei den Organisationstalenten dieses Vereins wohl bereits jetzt gewiss: Die WG bekommt für die zwei Wochen, seit denen bereits ein Vertrag bei jemand anderem läuft, wieder eine Rechnung von ihnen, der allseits liebgewonnenen Telekom AG.
Seien wir ehrlich, nervt Sie das nicht auch vehementestens, wenn in Ihrer Nähe Frauen zur Begrüßung laut quieken, sich in den Arm fallen, und sich Küsschen auf beide Wangen geben als wären sie die besten Freundinnen, hätten schon nächtelang unter der Bettdecke über die Intimstellen der - vermutlich - bereits getauschten Sexualpartner gekichert?
Diese Begrüßungszärtlichkeiten sind natürlich nur angedeutet, leicht angehaucht beinahe, denn erstens will man das Make-Up der „Freundin“ nicht ruinieren (sie wissen schließlich beide, wie lange es gedauert hat, ihr jeweils eigenes zu perfektionieren), zweitens wollen sie sich ja keine Hennengrippe oder ähnliches zuziehen.
Ähnlich verfährt Mann von Welt, wenn er heutzutage noch Handküsse vergeben sollte.
Schaut man sich einmal gewisse Filme an, nennen wir sie der Einfachheit halber Schnulzen, dann scheint es so, als wenn Frau sich einen charmanten, zuvorkommenden Mann wünscht, der den Knigge der Galanterie in- und auswendig beherrscht, nein, am besten sollte er ihn selbst geschrieben haben.
Doch oft wird vergessen, dass die Hollywood-Schnulzen und Romane, denen diese Umgangsformen meist ihren Anspruch verdanken, nunmal ein Konglomerat von Wunschbildern und Idealen abbilden, sozusagen die Quintessenz der Utopien darstellen, die wir bereits vorbewusst einverleibt haben. Seit Jahrhunderten existieren die gleichen Handlungsstränge in Märchen, Legenden usw., und werden in immer anderen Variationen geliefert, schüren damit das Feuer der Erwartungshaltungen.
Eigentlich verhält es sich damit nicht anders als mit der griechischen (eigentlich jeder polytheistischen) Götterwelt: Menschliche, mehr oder weniger vorbewusste Archetypen werden in literarisch-fiktionale Sphären erhoben. Da ist überall ein schwarzer Ridder, ähh, weißer Ritter, vorhanden.
Doch ich habe es jetzt mehrfach erlebt, dass einige Geschlechtsgenossen eben gerade diese Methoden als für immer statthaft und erlaubt ansehen. Manchmal handelte es sich dabei allerdings dann doch um die falsche Zeit, um sie anzuwenden, gelegentlich um den falschen Ort, und oft denke ich, dass gewisse non-verbale Komplimente einfach gar nicht mehr zeitgemäß sind (wenn sie es jemals waren) und dann gehörig über die Strenge schlagen. Die Situationen, in denen viele meinen, jetzt müssten sie zum finalen Schlag ausholen, bleiben nunmal nur Cary Grant vorbehalten. Nur er besitzt einen Anspruch auf das Schicksal mit dem aus einer Laune heraus aufspielenden Streichorchester.
Stellen Sie, geneigte Leserin, sich einmal vor, Sie befänden sich in einer für Parties und Rockkonzerte umfunktionierten Maschinenfabrik, in der Sie vor lauter Menschen Schwierigkeiten hätten, Ihre Orientierung zu behalten. Sie sind erfreut, ein altbekanntes Gesicht zu sehen, das - ebenfalls erfreut, Sie lange nicht gesehen zu haben - sogleich Ihre Hand ergreift und beginnt, diese schmatzend mit dem Mund zu penetrieren, während im Hintergrund die Menge zu äußerst rauhem Punksound beginnt herumzupöbeln. Sind Sie immer noch erfreut?
Andere Situation, der gleiche Ort. Sie sehen Jemanden, von dem Sie bereits wissen, dass er Sie verehrt. Aufgrund dieses Wissens hielten Sie bislang den Kontakt zu ihm eher diplomatisch „auf Sparflamme“, bei der Begrüßung nimmt er Sie in den Arm und sagt: „Du verströmst aber heute wieder einen Duft.“ Schaffen Sie es, ernst zu bleiben?
Der Handkuss, der korrekte, mit der Nasenspitze angedeutete, sollte wirklich nur Leuten mit Rang und Namen vorbehalten sein. So erzkonservativ bin ich jetzt mal, das mag man mir verzeihen. Jemand mit Adelstitel, der nun, nach einem Leben voll des Engagements innerhalb seiner Partei nach langen Jahren zufällig im Hotel Adlon auf die verflossene Liebe trifft, DER darf so etwas zur Begrüßung tun. Ansonsten wirkt es einfach lächerlich, Szenen aus Rosamunde Pilcher-Filmen in die Subrock-Clubs zu tragen. Und bedauernswert für denjenigen, der auf diese Art und Weise dennoch versucht, charmant zu erscheinen.
Nimmt es daher, aufgrund dieser schlimmen, medial-beeinflussten Verunglimpfungen noch Wunder, dass Frauen diese Respektbekundungen ausschließlich sich selbst (und dann sehr kühl) zuweisen? Während die Männerwelt danebensteht und ein „Hi5“ austauscht?
Nein, eigentlich nicht.
Und wenn Sie auf ein originelleres Kompliment als die genannten warten, eines, das auf Sie persönlich zugeschnitten ist, keinen biblischen Bezug aufweisen soll, Kreativität erwünschen und Einfühlsamkeit, dann…
(dieser Zusatz darf überlesen werden)
…überlegen Sie sich bitte unter anderem gut, was Sie am Sonntag wählen und unter welchem Kreuz unter anderem Kreativität gefördert wird.
Irgendwelche, nicht unbedingt höhere Gewalten hindern mich an der Ausübung meiner hauptsächlichen Tätigkeit. Ich werde wohl demnächst wieder mal ein Schild an der Tür aufhängen müssen, dass ich nicht gestört werden möchte, wenn ich an einer Hausarbeit sitze.
Und darüber hinaus werde ich wohl die Mitbewohner instruieren müssen, dass ich für niemanden zu sprechen, nein, einfach nicht da bin, auch wenn Leute vor der Tür stehen, die dringendst an den Rechner müssen in Ermangelung einer eigenen Flatrate.
Ich halte es für eine Frechheit, Unhöflichkeit sondergleichen, wenn plötzlich unangemeldet Menschen aufkreuzen und erwarten, dass man Zeit für sie aus dem Knie schwitzt. Das dürften sie meinetwegen bei Notfällen schlimmsten Grades, wenn in der Nachbarschaft die Wohnungstür verschlossen bleibt und der Herd drinnen an ist. Wenn sie in einen schlimmen Autounfall auf der Straße vor’m Haus verwickelt sind, in dem schwangere Frauen beteiligt sind, dann ja, dürfen sie meinetwegen das Telefon benutzen, um sich eine Pizza für die Wartezeit zu ordern, die die Ambulanz benötigt.
Wenn jemand, ohne sich vorher telefonisch angemeldet zu haben, hier steht und der vollen Überzeugung ist, ich hätte selbstverständlich Lust auf seine grandiosen Ideen, die Zeit totzuschlagen, während ich realiter mit Fachaufsätzen kämpfen muss oder – rein hypothetisch – gerade eine Herzdame bewirte, dann soll er das bitte sofort bemerken und kehrtum machen.
Dann denke ich vielleicht noch: „Welch ungehobelter Klotz“ und gehe weiter dem nach, mit dem ich gerade beschäftigt war. Registriert er meine in Falten gelegte Stirn dann aber immer noch nicht, muss ich ihn für den unsensibelsten aller unbearbeiteter Erze halten und ein Machtwort sprechen.
Das konnte ich leider heute nicht tun. Der Herr Bruder hatte ein gebündeltes technisches Problem. Zunächst leidet seine WG unter der Weigerung der Telekom, sich für den neuen Anbieter einzusetzen und endlich mal das Haus auf diesen hin umzustellen, so dass sie dort in keinster Weise online sein können, geschweige denn, telefonisch erreichbar sind.
Noch dazu beraubte er sich kurz zuvor beinahe seiner Lebensgrundlage, indem eine seiner Festplatten den Geist aufgab, auf der sich 200 GB selbst produzierter Musik befanden. Das lässt sich nach einigem Hin- und Hertelefonieren nun wohl doch wiederherstellen, aber die Panik war dementsprechend. Die nötigen Finanzen für die Anschaffung eines neuen Speichermediums dieser Größenordnung veranlassten ihn allerdings dann zu einem Anruf bei den Eltern, wo gleich neue Probleme in’s Haus standen und wir die Installation eines Druckers (dort) per Telefon anweisen mussten. Was aber gründlich misslang. Nach einer geschlagenen halben Stunde Gespräch mit meiner Mutter, einem absoluten DAU („Dümmst anzunehmender User“), mussten wir das Unterfangen aufgeben. Sätze wie „Nein, Mama, auf der Maus links klicken, liiinks“ verhalfen uns dann zu der Einsicht, das Ganze dann doch lieber vor Ort zu erledigen.
Ich war allerdings in meinem gerade erst wieder gefundenen Arbeitsfluss für geschlagene, summasummarum zwei Stunden unterbrochen. Und kam für heute auch nicht wieder hinein. Naja, müssen eben die nächsten Tage dafür herhalten.


