Tito’s Way
Geschrieben am 4 September 2005
Mir ist zwar schon klar, dass man irgend etwas im Leben mögen muss, damit man selbst ein interessanter Teil der Gesellschaft bleibt, aber was ich bislang nie mochte, ist Fetischgehabe und Fandome. Beispielsweise die Trekkies: Es gibt durchaus ein paar coole Ideen in der Star Trek-Serie, aber wenn ich dann selbst in solchen Dresses herumspaziere, wird die Sache dann doch stark infantil. Untereinander können die Fans sich natürlich stundenlang unterhalten, womöglich auf Klingonisch [„Liebe kann man immer riechen=reH bang larghlu'„].
Was ich auch nie verstanden habe und nie sehr symphatisch fand, ist Fanatismus hinsichtlich irgendwelcher Musikgeschmäcker oder – richtungen, weil es automatisch eine Ausgrenzung der Nichtwissenden nach sich zieht. Die Zurückhaltung selbst bin ich, wenn es darum geht, in der Öffentlichkeit meiner Meinung nach lobenswerte akustische Produkte anzupreisen.
Gestern Abend/ Heute Nacht hatte ich dann auch mal wieder das Erlebnis, derjenige zu sein, der selbst keine Ahnung hat. Im Kamp legte die Madwax Soundinvasion auf, d.h. Pflichttermin für gepflegte Bielefelder und Junggebliebene.
Aber, aber. Während ich dort so herumhing und mit den üblichen Verdächtigen zu zunächst Classic Soul, dann aber hektischem Drum ‘n’ Bass lauschte (letzteres lag mir noch nie so), fiel mir auf, dass die interessanteste Musik für mich eigentlich nur im Foyer lief. Die dortige Bedienung ließ zur Unterstützung der unterschiedlichen Gesprächsverläufe anscheinend ein- und denselben Sampler in einer Schleife rotieren.
Ein unglaublich shmooves Teil mit eingängigen Rhythmen und Bassläufen, das dort aus den Boxen auf die versammelte Gemeinde prasselte, ließ unmerklich alles an mir wippen, während ich mich doch gerade in einer Unterhaltung befand. Als ich soweit war, zu bemerken, woran das lag, war das Stück noch lange nicht vorbei. Ich tat etwas, was ich sonst so selten tat, nämlich die Verantwortliche für diesen Sound auszumachen und zu fragen, was das denn bitte dort war, was ich da gerade hörte. Die Bedienung rettete mir den Abend und meine Gemütsruhe, indem sie mir verriet, dass es sich hierbei um einen Remix des Songs „Tito’s Way“ von Lindström und Prins Thomas handelte (ursprünglich von The Juan Maclean). Der Sampler selbst stammte vom Magazin „Groove“. Endlich mal wieder etwas Neues nach einer Durststrecke der Stagnation bei Altbewährtem. Vor Schrecken über diese plötzlich über mich hereinbrechende Erkenntnis hätte ich die Bedienung beinahe geheiratet.
Doch beruhigt abschließen konnte ich den Abend dann doch nicht. Im Hauptsaal kribbelte es unvermittelt an C.s Nase und sie musste niesen. Den Umstehenden erging es nach und nach ähnlich, bis es auch mich erwischte. Nicht erschreckend kurze Inkubationszeiten einer neuen Grippe waren dafür zu verantwortlichen, sondern es biss etwas schärfer an den Schleimhäuten, so dass sich der Verdacht aufdrängte und auch bestätigte, dass hier irgendein(-e) Idiot(-in) mit Pfefferspray herumgespielt hatte. Ein äußerst unliebsamer Abbruch.
Naja, heute bin ich jedenfalls wegen der Unzulänglichkeiten von Tauschbörsen mal direkt zum Bahnhof gelaufen und habe dort nach dem Magazin „Groove“ gefragt. Und jetzt ratet mal, was hier die ganze Zeit läuft.

