Zwangspausen

Geschrieben am 15 September 2005

Irgendwelche, nicht unbedingt höhere Gewalten hindern mich an der Ausübung meiner hauptsächlichen Tätigkeit. Ich werde wohl demnächst wieder mal ein Schild an der Tür aufhängen müssen, dass ich nicht gestört werden möchte, wenn ich an einer Hausarbeit sitze.
Und darüber hinaus werde ich wohl die Mitbewohner instruieren müssen, dass ich für niemanden zu sprechen, nein, einfach nicht da bin, auch wenn Leute vor der Tür stehen, die dringendst an den Rechner müssen in Ermangelung einer eigenen Flatrate.
Ich halte es für eine Frechheit, Unhöflichkeit sondergleichen, wenn plötzlich unangemeldet Menschen aufkreuzen und erwarten, dass man Zeit für sie aus dem Knie schwitzt. Das dürften sie meinetwegen bei Notfällen schlimmsten Grades, wenn in der Nachbarschaft die Wohnungstür verschlossen bleibt und der Herd drinnen an ist. Wenn sie in einen schlimmen Autounfall auf der Straße vor’m Haus verwickelt sind, in dem schwangere Frauen beteiligt sind, dann ja, dürfen sie meinetwegen das Telefon benutzen, um sich eine Pizza für die Wartezeit zu ordern, die die Ambulanz benötigt.
Wenn jemand, ohne sich vorher telefonisch angemeldet zu haben, hier steht und der vollen Überzeugung ist, ich hätte selbstverständlich Lust auf seine grandiosen Ideen, die Zeit totzuschlagen, während ich realiter mit Fachaufsätzen kämpfen muss oder – rein hypothetisch – gerade eine Herzdame bewirte, dann soll er das bitte sofort bemerken und kehrtum machen.
Dann denke ich vielleicht noch: „Welch ungehobelter Klotz“ und gehe weiter dem nach, mit dem ich gerade beschäftigt war. Registriert er meine in Falten gelegte Stirn dann aber immer noch nicht, muss ich ihn für den unsensibelsten aller unbearbeiteter Erze halten und ein Machtwort sprechen.

Das konnte ich leider heute nicht tun. Der Herr Bruder hatte ein gebündeltes technisches Problem. Zunächst leidet seine WG unter der Weigerung der Telekom, sich für den neuen Anbieter einzusetzen und endlich mal das Haus auf diesen hin umzustellen, so dass sie dort in keinster Weise online sein können, geschweige denn, telefonisch erreichbar sind.
Noch dazu beraubte er sich kurz zuvor beinahe seiner Lebensgrundlage, indem eine seiner Festplatten den Geist aufgab, auf der sich 200 GB selbst produzierter Musik befanden. Das lässt sich nach einigem Hin- und Hertelefonieren nun wohl doch wiederherstellen, aber die Panik war dementsprechend. Die nötigen Finanzen für die Anschaffung eines neuen Speichermediums dieser Größenordnung veranlassten ihn allerdings dann zu einem Anruf bei den Eltern, wo gleich neue Probleme in’s Haus standen und wir die Installation eines Druckers (dort) per Telefon anweisen mussten. Was aber gründlich misslang. Nach einer geschlagenen halben Stunde Gespräch mit meiner Mutter, einem absoluten DAU („Dümmst anzunehmender User“), mussten wir das Unterfangen aufgeben. Sätze wie „Nein, Mama, auf der Maus links klicken, liiinks“ verhalfen uns dann zu der Einsicht, das Ganze dann doch lieber vor Ort zu erledigen.

Ich war allerdings in meinem gerade erst wieder gefundenen Arbeitsfluss für geschlagene, summasummarum zwei Stunden unterbrochen. Und kam für heute auch nicht wieder hinein. Naja, müssen eben die nächsten Tage dafür herhalten.

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Name (notwendig)

Email (notwendig, wird aber nicht weitergegeben)

Website/URL

Kommentare


Konsum



Tags