Mit Worten würfelt man

Posted on September 14, 2005
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Falls Sie mal einen Text - egal, welcher Art - schreiben müssen, Sie aber denken, es würde ihm an Originalität und kreativer Würze mangeln, betätigen Sie doch den Sprechwürfelautomat. Indem Sie dort auf „Sprechwürfeln“ klicken, erhalten Sie die schönsten neuen Wortschöpfungen.
Meine ersten fünf Testbeispiele…

Hafenmützenscherben
Bluessackmühle
Tortendorfjugendscharte
Heckenschützenschmeißer
Palisandersterben

…beschränken sich aber anscheinend auf den Bereich der Substantive. Für die anderen Wortarten ist also Ihr eigener Gehirnschmalz gefordert (allerdings auch dabei, die Ihnen dort gelieferten Beispiele in einen einigermaßen sinnvollen Zusammenhang einzubetten).

Via Desideria

Todesvisionen

Posted on September 10, 2005
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oder aber: Auf die Haube gebracht

Auch das Leben in einer westfälischen „Groß“-Stadt birgt so seine Gefahren. Straßen gibt es auch hier zur Genüge und Autos, die von individuell unterschiedlich aufmerksamen Subjekten gesteuert werden, leider auch wie Sand am Meer.
Ich hatte gerade den Film „Ocean’s Eleven“ (das Remake) zur Videothek meines Vertrauens zurückgebracht und begab mich in Richtung der nächstliegenden U-Bahn-Station. Bis dorthin musste ich lediglich eine kaum nennenswerte Straße überqueren, ein Sträßchen sozusagen. Ich hatte es zwar ein wenig eilig, da es mich aufgrund der fürchterlichen Sonneneinwirkung nachhause drängte, dennoch nahm ich mir die Zeit, an der T-Kreuzung auf die mir den Hinübergang erlaubende Phase zu warten. Als diese dann erschien und die andere, gelbe Leuchte flackernd dem einbiegenden Verkehr signalisierte, doch bitte vorher auf überquerendes Fußvolk Rücksicht zu nehmen, tat ich einige Schritte.
Unsanft berührte mich aber zwei Momente später etwas an der Kniekehle und eh’ ich’s mich versah, fand ich mich mit der Elle abgestützt auf der Motorhaube eines SLKs wieder.

Dieses Auto und seine Fahrer waren mir schon früher immer suspekt gewesen, denn anscheinend hat es bei den Eigentümern nie zum finanziell anspruchsvolleren SL gereicht, aber für einen „Roadster“ aus dem schwäbischen Spießerhause sollte ein kleiner Kredit doch noch ausreichen, damit man mit ein wenig stolzerer Brust vor dem Swingerclub vorfahren kann (sollte man vorab keine Frau beeindruckt haben, die von Autos keine Ahnung hat). Wahrscheinlich würde ich gleich auch noch zur Rechenschaft gezogen werden, dachte ich bei mir, ob ich denn keine Augen „im Kopp“ hätte und das ganze Zeug. Immerhin hat die Karre keinen aufrecht stehenden Stern, den ich im Fall hätte umreißen können.
Ich machte mich auf alles gefasst. Gleichzeitig sprangen die Warnblinkleuchten an und die Fahrertür wurde aufgerissen, doch entgegen meiner Befürchtung, jetzt einen grobschlächtigen Bariton brüllen zu hören, vernahm ich, wie ein besorgtes, goldiges Stimmchen die Worte „Oh mein Gott! Ist dir irgendetwas passiert?“ rief. Das sofortige Ansprechen in der 2. Person ließ mich stutzen, mit dieser im Normalfall damit ausgedrückten Nähe oder Konspiration gegenüber Dritten hätte ich in diesem Moment als Letztes gerechnet, noch dazu von einer – ich blickte auf – so attraktiven Frau.
Während ich mich mit der linken Hand abstützte, aufrichtete und mein Schmerzempfinden auf mögliches kommendes Stechen richtete, sah ich sie mir an. Wir mussten in etwa im gleichen Alter sein und die vermeintlich Gleichaltrige betrachtete mich gerade äußerst besorgt aus ihren grünen Augen, wie sie unter einem rothaarigen Pony hervorschauten.
Ihre Frage erwiderte ich zunächst mit „Einen Moment“ und krabbelte vorsichtig von der Motorhaube herunter, während ich darüber nachdachte, wie lächerlich das Unterfangen eigentlich aussehen musste. Gebeugt stand ich da nun vor ihr und dachte darüber nach, ob meine Sinne noch beieinander waren. Ein leichtes Schwindelgefühl verspürte ich und einen flachen Schmerz dort, wo mich die Stoßstange an der Kniekehle erfasst hatte. Das würde morgen einen großen blauen Fleck geben, aber ansonsten schien es mir gut zu gehen. Zumindest, soweit ich das in diesem Augenblick beurteilen konnte. Und das sagte ich ihr auch so, ihr, die mir plötzlich irgendwie bekannt vorkam.
„Nein, ich will kein Risiko eingehen. Weißt du was? Setz dich doch kurz da auf den Bürgersteig, ich stell mal den Wagen an den Rand, sonst kommt hier keiner durch.“
Prinzipiell war das keine schlechte Idee, zumal das Auto stehend nicht an diesen Ort gehörte. Andererseits wollte auch zu diesem Zeitpunkt kein zweiter Wagen diese Straße befahren. Motorengeräusche schienen aus dieser Szenerie völlig ausgeblendet zu sein, lediglich das Zwitschern zweier Vögel war wahrnehmbar, deren Namen und deren Stellung zu mir wegen des vielfältigen Spiels der Arten und Gattungen ein Ornithologe mit Sicherheit genauer zu benennen vermochte als ich.
Aber das Hinsetzen war eine gute Idee. Ich ging also wieder einige Schritte zurück und sah noch, wie sie wieder im Auto verschwand, und die Aufschrift „Designer in Action“ auf ihrem Polohemd. Ich setzte mich und sie parkte den Wagen einige Meter weiter, stieg wieder aus und kam inzwischen mit ein paar weniger Sorgenfalten auf der Stirn und sogar einem kleinen Lächeln zu mir zurück. Schönes Lächeln, dachte ich, klitzekleine Grübchen an den Seiten.
„Geht es dir wirklich gut?“ fragte sie erneut nach meinem Befinden. „Meinst du nicht, wir sollten vorsichtshalber mal zu ‘nem Arzt?“
„Nee, lass’ mal gut sein. Es fühlt sich eher so an, als wenn ich hier“ - ich fasste mir wieder an’s Bein - „höchstens nen blauen Fleck bekomme. Aber ich glaube, das war’s dann auch schon.“
„Scheinst ja hart im Nehmen zu sein, wie?“ Und wie sie dies aussprach, bekam ich ein visuelles Geschenk überreicht. Sie blinzelte, von den inneren Winkeln ihrer Augenöffnungen zogen sich kleine Fältchen, wie in dem Augenblick, kurz bevor man niest, nur dass dieses Phänomen mit einem weiteren, viel offeneren Lächeln verbunden war. Sie bemerkte es an sich selbst und lief rot an auf ihren Wangen. Ich half ihr aus der Situation heraus:
„Nein, ich wundere mich selbst ein bisschen.“
„Du musst aber unbedingt zum Arzt, hörst du? Könnte ja noch’n Schleudertrauma übrig sein.“
„Ach, weißt du, das verursacht dir doch auch wieder nur Kosten. Und damit“ - ich deutete auf das Auto - „könnte ja auch noch was auf dich zukommen.“
„Die paar Kratzer auf der Haube dieser Angeberschleuder? Der gehört meinem Vater, der wird zwar nicht erfreut sein darüber, aber leisten wird er es sich können.“
Ich musste laut auflachen. „Und ich dachte schon: „Was will DIE denn mit so ‘ner Karre?““
Sie stieg auf meine Reaktion ein und lästerte: „Damit kann ich doch kaum was transportieren.“
Ich stand wieder auf, schwindelig war mir nun nicht mehr.
Nach einer kleinen Pause blickte sie verlegen zu Boden, dann wieder zu mir auf und sagte: „Aber ich finde, für den Fall, dass noch etwas ist, sollten wir unbedingt unsere Nummern austauschen.“
Dem stimmte ich zu und wir gingen zum Auto, wo sie im Handschuhfach nach etwas Schreibbaren suchte. Sie fand lediglich ein paar leere Notizzettel und griff daher nach einer kleinen Tasche, aus der sie einen Kajalstift kramte und damit auf einem der Zettel dicke Linien hinterließ.
Ich tat es ihr danach gleich, etwas unvertraut mit dieser butterweichen Mine, die während ihres Schreibvorgangs unter der Temperatur der Finger und des Drucks noch mehr in Richtung Flüssigkeit überzugehen schien, und benötigte noch ein zweites Blatt, bis ich erkennbar und unverschmiert meine Telefonnummer ihrer Hand überließ, zu ihrer freien Verfügung.
Sie saß während dieses Vorgangs auf dem Beifahrersitz, ich stand, mit dem rechten Arm am Rahmen der geöffneten Tür abgestützt. Wir nahmen unsere Zettel einander entgegen, betrachteten sie jeweils für eine Weile, so als müssten wir in einer Personalabteilung einer Firma über einen Lebenslauf entscheiden. Es handelte sich beiderseits offenbar um Mobilnummern.
Sie blickte von ihrer Notiz zu mir auf. „Du rufst mich an, wie’s dir geht, ja? Ich möchte nicht, dass…“, und sprach nicht weiter.
„Anderswo würden wir uns jetzt gegenseitig die Versicherungen bis zum Geht-nicht-mehr verklagen“, sagte ich.
„Ja, das ist wohl wahr.“
Ich fasste mir ein Herz. „Aber weißt du was? Wenn du mich heute abend zum Essen und in’s Kino einlädst, vergesse ich bestimmt, dass du mich über den Haufen gefahren hast.“
Ein schallendes Gelächter drang aus der Fahrerkabine. Als es sich beruhigte, sah sie zu mir auf und lenkte ein. „O.K., das dürfte das Geringste sein, was ich tun kann. Rufst du mich gegen sechs später an? Dann machen wir alles Weitere ab.“
Sie stand aus dem Sitz auf und drückte mir ihre Innenhand gegen den Oberarm, um anschließend die malträtierte Frontpartie des Wagens zu umrunden und die Fahrertür zu öffnen. Ich schloss derweil die andere Tür, war nur noch imstande ein „Das mach’ ich“ von mir zu geben und ihr dabei zuzusehen, wie sie mir winkte, einstieg, den Wagen startete und davonfuhr.
So gab es einen Anlass, mich auf den heutigen Abend zu freuen und ich kam zu dem Schluss, dass es wohl besser sei, häufiger mal die eigenen vier Wände zu verlassen. In meiner Wohnung werde ich schließlich nicht so oft tödlichen Gefahren ausgesetzt.

Rubrik: Erdacht und erfunden

Fleckenentferner

Posted on September 7, 2005
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Nicht gerade arm an Metaphern ist mal wieder das nähere Blog-Umfeld, wenn es um Beziehungsdinge geht.

Etwas weniger Maritimes als dort habe ich gestern mal wieder vernommen, und eigentlich hatte ich gehofft, es nicht so schnell wieder von derjenigen zu Ohren zu bekommen. Obwohl, wenn ich genau darüber nachdenke, war ich es wohl, der sie darauf ansprach. Na gut, was ich meinte, ist halt die Sache mit den „dunklen Flecken auf der Seele“.
Sie meinte jedenfalls, dass sie ihre eigenen düsteren Bereiche lieber keinem Menschen zumuten möchte.
Nach längerer Überlegung glaub’ ich übrigens, dass das nicht richtig wäre. Jedenfalls nicht so. Ich denke, es gibt in jedem Menschen Zonen, die nicht unbedingt erfreulich sind, egal, ob derjenige von ihnen weiß oder nicht. Wie langweilig wäre es, mit jemandem zusammen zu sein, der einfach nur perfekt ist? Ich würde im gegenteiligen Fall mit Sicherheit nach kurzer Zeit die Wände hochgehen vor Harmonie.
Alain de Botton hat was ganz Schlaues dazu geschrieben. Er sagt, dass eine Beziehung (egal, welcher Art übrigens) nunmal auch eine Art „Ich-Bestätigung“ ist. Durch das Entgegenkommen oder einfach nur das “Füreinander da-Sein” von Geliebten oder Freunden wird Bestätigung der Person ausgedrückt. De Botton zieht den Spiegel-Vergleich: Wenn man sich z.B. einen Freund als einen Spiegel vorstellte, käme aufgrund seiner Individualität immer ein verzerrtes Bild zum Vorschein. Dieser wäre vielmehr sogar eine Art Handspiegel, da er immer nur gewisse Aspekte der befreundeten Person besonders in Augenschein nähme.
Dieses übermittelte Bild entspricht natürlich in den seltensten Fällen dem Bild, das man selbst von sich hat bzw. das man sich von sich selbst wünscht. Die „Ich-Illusion“ liefe Gefahr, zerstört zu werden, und das wollen in modernen Zeiten und Gesellschaften die Wenigsten. Ganz besonders dann natürlich, wenn man befürchtet, die tief unten verborgenen „dunklen Flecken“ könnten meinem Partner, meinem Gegenüber oder der Beziehung zwischen uns enormen Schaden zufügen.
„Der Mensch kann alles in Einsamkeit erwerben außer Charakter“ zitiert De Botton Herrn Stendhal (es existiert zwar bei ihm nirgendwo eine Hinweis auf eine Quelle, aber im Zweifelsfall dürfte es wohl dem Roman “Le Rouge et le Noir” entspringen), und ich glaube, da ist viel Wahres dran. Man brächte sich um eine Menge Spaß (oder meinetwegen “Lebensfreude”) im Leben, wenn man sich anderen künstlich verschlösse wegen der Bedenken hinsichtlich möglicher Verletzungsgefahren.
Und als unverbesserlicher Romantiker schlage ich sogar mal einen unglaublich kitschig klingenden Weg ein. Den Fall gesetzt, ich wüsste um der Ängste um solche noch gar nicht eingetretenen Konfliktsituationen, dann würde ich bestimmt sagen:
„Weißt du was? Deine dunklen Flecken sind jetzt auch meine. Komm her, wir legen sie in die Mitte und ich meine eigenen gleich dazu. Vielleicht können wir sie, wenn sie nicht idealerweise verschwinden sollten, ein wenig ästhetisch abrunden und zurechtstutzen. Die Biester ham ja ganz schön scharfe Kanten.“

Tito’s Way

Posted on September 4, 2005
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Mir ist zwar schon klar, dass man irgend etwas im Leben mögen muss, damit man selbst ein interessanter Teil der Gesellschaft bleibt, aber was ich bislang nie mochte, ist Fetischgehabe und Fandome. Beispielsweise die Trekkies: Es gibt durchaus ein paar coole Ideen in der Star Trek-Serie, aber wenn ich dann selbst in solchen Dresses herumspaziere, wird die Sache dann doch stark infantil. Untereinander können die Fans sich natürlich stundenlang unterhalten, womöglich auf Klingonisch [„Liebe kann man immer riechen=reH bang larghlu'„].
Was ich auch nie verstanden habe und nie sehr symphatisch fand, ist Fanatismus hinsichtlich irgendwelcher Musikgeschmäcker oder – richtungen, weil es automatisch eine Ausgrenzung der Nichtwissenden nach sich zieht. Die Zurückhaltung selbst bin ich, wenn es darum geht, in der Öffentlichkeit meiner Meinung nach lobenswerte akustische Produkte anzupreisen.
Gestern Abend/ Heute Nacht hatte ich dann auch mal wieder das Erlebnis, derjenige zu sein, der selbst keine Ahnung hat. Im Kamp legte die Madwax Soundinvasion auf, d.h. Pflichttermin für gepflegte Bielefelder und Junggebliebene.
Aber, aber. Während ich dort so herumhing und mit den üblichen Verdächtigen zu zunächst Classic Soul, dann aber hektischem Drum ‘n’ Bass lauschte (letzteres lag mir noch nie so), fiel mir auf, dass die interessanteste Musik für mich eigentlich nur im Foyer lief. Die dortige Bedienung ließ zur Unterstützung der unterschiedlichen Gesprächsverläufe anscheinend ein- und denselben Sampler in einer Schleife rotieren.
Ein unglaublich shmooves Teil mit eingängigen Rhythmen und Bassläufen, das dort aus den Boxen auf die versammelte Gemeinde prasselte, ließ unmerklich alles an mir wippen, während ich mich doch gerade in einer Unterhaltung befand. Als ich soweit war, zu bemerken, woran das lag, war das Stück noch lange nicht vorbei. Ich tat etwas, was ich sonst so selten tat, nämlich die Verantwortliche für diesen Sound auszumachen und zu fragen, was das denn bitte dort war, was ich da gerade hörte. Die Bedienung rettete mir den Abend und meine Gemütsruhe, indem sie mir verriet, dass es sich hierbei um einen Remix des Songs „Tito’s Way“ von Lindström und Prins Thomas handelte (ursprünglich von The Juan Maclean). Der Sampler selbst stammte vom Magazin „Groove“. Endlich mal wieder etwas Neues nach einer Durststrecke der Stagnation bei Altbewährtem. Vor Schrecken über diese plötzlich über mich hereinbrechende Erkenntnis hätte ich die Bedienung beinahe geheiratet.
Doch beruhigt abschließen konnte ich den Abend dann doch nicht. Im Hauptsaal kribbelte es unvermittelt an C.s Nase und sie musste niesen. Den Umstehenden erging es nach und nach ähnlich, bis es auch mich erwischte. Nicht erschreckend kurze Inkubationszeiten einer neuen Grippe waren dafür zu verantwortlichen, sondern es biss etwas schärfer an den Schleimhäuten, so dass sich der Verdacht aufdrängte und auch bestätigte, dass hier irgendein(-e) Idiot(-in) mit Pfefferspray herumgespielt hatte. Ein äußerst unliebsamer Abbruch.

Naja, heute bin ich jedenfalls wegen der Unzulänglichkeiten von Tauschbörsen mal direkt zum Bahnhof gelaufen und habe dort nach dem Magazin „Groove“ gefragt. Und jetzt ratet mal, was hier die ganze Zeit läuft.

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