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Tschüß sagen II

Heute trafen sich die Exil-Lügder (Heimatort) in Bielefeld bei Freund E., um zumindest etwas zusammen zu sein und einige Dinge zu besprechen. Freundin S. hatte erst heute von dem Tode Nanas gehört und zeigte sich dementsprechend aufgewühlt.
Ich selbst verspürte abwechselnd den Drang mich abzulenken, obwohl die Emotionen im Anschluss gleich wieder an die Oberfläche hervorzudrängen drohten.
Freundin T., die Nana noch viel näher stand, meinte in einer der Rundmails, die gerade im Freundeskreis kursierten, sie empfände momentan wie bei einer Wechseldusche. Diese Metapher passt nur zu gut, wie ich finde.
Es gab Augenblicke, während derer ich dachte, jetzt wäre ich erstaunlich gefühlskalt. Aber später ging es darum, Kontakte zu koordinieren und denen Bescheid zu geben, die möglicherweise noch nichts davon wussten. Also musste auch ich den Hörer ergreifen und mich vorsichtig herantasten. Doch kein Kommunikationstalent der Welt kann abschätzen, wie man diese Botschaft am geeignetsten weiterreicht. Weiß der Gesprächspartner bereits davon? Wundert er/sie sich nicht, dass ich ihn oder sie nach so langer Zeit mal wieder anrufe? Die Frage „Was machst du gerade?“ scheint auf jeden Fall absolut angebracht zu sein. Wer will schon bei der Autofahrt mit so etwas konfrontiert werden? „Dann ruf mich bitte gleich mal zurück.“
Jedenfalls kam bei diesen Telefonaten wieder einiges mit hoch.
Besonders schwierig ist immer das Mitdenken: Bei dem und demjenigen muss auf alle Fälle eine besonders einfühlsame Person die Nachricht übermitteln, die den Adressaten gut kennt. Sonst bestünde womöglich die Gefahr eines epileptischen Anfalls. Und bitte jeden Einzelnen dazu drängen, nicht den gemeinsamen Freund der Verstorbenen anzurufen. Das koordiniert vor Ort nur einer von uns.

Es scheint technisch, durchdacht, rational kühl, aber das ist es nicht und das macht die Sache gerade so schwierig. Als ein kommunikativer Segen für die versprengten Grüppchen erweist sich dieses Mal das Internet.
Es klingt sehr makaber, aber das wurde auch nicht von mir zuerst ausgesprochen: Es muss erst so etwas Schlimmes passieren, damit alle wieder zusammenfinden. Das bestätigt sich nicht nur in der plötzlichen Aktualisierung aller Adressen und Telefonnummern.

Ich sitze jetzt übrigens wieder zuhause. Die Nachbarin C. (eine Pfarrerstochter und geübt in diesen Dingen) hatte sich bereits mit mir unterhalten und Frau 3und20 las mir zur Erheiterung am Telefon Gedichte von Ringelnatz vor. Das hatte mal wieder etwas geholfen.
Dennoch knuspere ich weiter daran, was dieses Ereignis denn jetzt eigentlich für mich persönlich bedeutet. Vielleicht komme ich noch darauf.

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