Nicht nur die Abschlussprüfung neulich war phänomenal.
Heute ging ich zu einem Prof in die Sprechstunde, um einen Schein abzuholen, der dort langsam vor sich hinverwesen musste (also der Schein, nicht der Prof *g*). Auch diese Note gefiel wieder.
Doch es geht weiter. Der Prof berichtet mir von einem künftigen, länger andauernden Forschungsprojekt, für das er und mehrere Kollegen in Norddeutschland demnächst DFG-Mittel beantragen wollen.
Sollten diese bewilligt werden, könne ich mich als “heißen Kandidaten” für eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter betrachten. Mit der Möglichkeit zur Promotion, versteht sich.
Hossa, das wird jetzt aber ein bisschen viel auf einmal. Auch, wenn Variationslinguistik nicht mein favorisiertes Thema ist: Ginge es eigentlich noch bequemer? Als andererseits hinter den Dozenten herzubetteln und Stipendienmöglichkeiten abzuchecken? Wohl kaum.
Na dann, ab an die Arbeit und das Studium beenden. Endlich mal ein richtiges Druckmittel.
Der gesellschaftliche Umbruch ist jetzt auch in der Telekommunikationsbranche angekommen. Hier im Netz wirbt die Fa. BASE mittlerweile um Kunden, in dem sie ihre Telefon-Flatrate mit folgenden Worten anbietet:
“Meine Fernbeziehung kostet 25 Euro!” - Pärchen telefonieren endlos.
Na, wen’s denn zufriedener stimmt…
(”Eine Fernbeziehung für 25 Euro, bitte!”)
Ich hätte eigentlich nicht so schnell damit gerechnet, dass mir wieder ein derart hippiesker Song gut gefallen könnte. Die Zeiten, in denen mich Musik aus dem Woodstock-Umfeld berührten, sind schlicht und ergreifend vorbei, gefrühstückt und ad acta gelegt.
Und wenn in einer Fernsehdoku die Golden Gate Bridge auftaucht, dabei unweigerlich Scott Mckenzies “San Francisco“ eingefadet wird, befällt mich das kalte Grausen ob dieser Einfallslosigkeit, die aber allem Anschein nach erwartet wird.
Dennoch, das Stück „Heartbeats“ von José Gonzales musste ich dann doch in meine Heimstatt und in meine Ohren lassen, seit ich es im äußerst einprägsamen Sony Bravia-Werbespot vernahm (reinhören).
Zwar weiß ich nicht so recht, was der Text mit Farbbällen zu tun haben soll (entfernt lassen sich vielleicht Parallelen zur Sinneswahrnehmung festmachen), aber das Lied ist insgesamt einfach zu schön.
Ob ich mich beim Kauf eines solchen TV-Geräts genauso wohl fühle wie beim Hören dieses Songs?
(Super Fotos aus dem Spot gibt es übrigens hier)
Positive Einstellung zum Leben und Sache der Wahrnehmung hin oder her.
Euphorie über gute Noten in abgelegten Prüfungen gehen einfach unter, wenn plötzlich wieder Sachen um die Ecke kommen, die einem Misanthropie rot in’s Gesicht steigen lassen.
Ich vermied es (nein, ich unterdrückte den Drang mit Gewalt), die Blog-Welt wissen zu lassen, wie gerne und wie rigide gewisse USA-Behörden mit verstorbenen, schwangeren Frauen (siehe Beiträge „Tschüß sagen“ in der Rubrik „Leiden“) umspringen, wenn diese einen Organspendeausweis mit sich führten. Das wäre Grund zum Ramentern genug, kratzt aber auch meinen Sinn für’s Pietätische stark an. Dennoch beschäftigt es mich enorm und in Momenten mit Raum für Gedanken bin ich ziemlich oft dort.
Eben gerade erhielt ich dann die Nachricht, dass ein Bekannter einen Streit zwischen einem Pärchen schlichten - oder zumindest – beilegen wollte. Der männliche Part der Auseinandersetzung schien derart brüskiert ob dieser Einmischung, dass er sich kurzerhand veranlasst sah, die in seiner Hand befindliche Bierflasche eben meinem Bekannten über den Kopf zu ziehen, wobei diese zerbrach. Mit dem zersplitterten Rest, den er in der Hand hielt, streifte er ihm sodann einmal quer über sein Gesicht.
Das Ergebnis und die Folgen möchte ich hier nunmehr nicht schildern (ich hab sie selbst aus zweiter Hand und das genügt mir).
Das wahre Leben ist wirklich brutaler als jeder Splatterfilm…
DAS nenne ich mal Koordination: Zwei komplette Umzüge innerhalb von dreieinhalb Stunden erledigt.
Von zwei Adressen aus dem Zentrum (1x 2., 1x 5.(!) Etage) in eine gemeinsame im Bielefelder Westen (2. Etage).
Wie es sich gehört, waren alle Dinge vorab tragegünstig verpackt, zehn Personen zur Hilfe geordert sowie einen großen Pritschenwagen mit Kabine und dazu einen VW-Bus zum Personentransport. So möchte ich das in Zukunft bitte immer haben, wenn ich gebeten werde, mitzumachen.
Trotzdem bin ich jetzt ganz schön schlapp.
Als Werner Heisenberg sich eines Tages mit Quantenmechanik beschäftigte und bemerkte, dass sich von einem subatomaren Teilchen weder Ort noch Impuls gleichzeitig bestimmen lassen [wg. des Teilchen-Welle-Dualismus, which means: so’n kleines Ding ist quasi beides zugleich], hat er sich kurzerhand mal die Unschärferelation ausgedacht und sinngemäß gesagt: „Dann nehmen wir einfach mal ein Feld an, in dem es sich mit beiden Eigenschaften aufhält.“ Basta, denn es war einfach nicht zu packen. Je näher ich mir das eine Charakteristikum anschaue, umso unschärfer wurde nämlich das andere.
Seinem Freund und Weggefährten Niels Bohr gefiel das sogar so gut, dass er sich das taoistische Rotationssymbol in das Familienwappen meißeln ließ. 
Ausgehend von zwei sich ergänzenden Gegensätzen, von denen immer eine höhere Priorität genießt, wird hier angenommen, dass inmitten der höchsten Ausformung eines der beiden bereits der Kern des anderen (und damit dessen nächste, zeitweilige Vormachtstellung) steckt.
Herr Bohr betitelte sein Wappen dann auch „CONTRARIA SUNT COMPLEMENTA“ und zeigte damit, dass er diese, sich immer wieder ablösenden Gegensätze und die dahinter stehenden „Kräfte“, auch in größeren Dimensionen wirken sah. Fritjof Capra schildert in seinem Buch „Das Tao der Physik“ dann auch wunderbar, wie gut eigentlich Atomphysik und östliche Philosophie zusammenpassen.
Neulich habe ich mal wieder den superguten Film „I Heart Huckabees“ gesehen, und im Prinzip geht es in diesem genau darum. Ein Mensch ist verzweifelt und sucht Hilfe bei existenzialistischen Detektiven. Diese raten ihm zu einer anderen Art der Wahrnehmung: Wir hängen alle miteinander zusammen, sind nur individuell geformte Erscheinungen ein- und derselben Materie. Diese Ansicht führt zu Glücksmomenten, die aber nur von kurzer Dauer sind. Daran schließt sich eine Philosophin an, die zwar ebenso zu einer anderen Perspektive rät, dann allerdings der Ansicht ist, wir seien alle auf uns allein gestellt und nichts hätte auch nur im Ansatz eine höhere Bedeutung. Wieder stellt sich kurzes Glück ein, aber nur mit Rückkehr zu Position A und Verknüpfung von beiden kommt es zur Problemlösung.
So sieht’s aus: Es ist alles ein ewiges Hin und Her (oder auch Auf und Ab)…
Zwölf Stunden lang in der Uni Dinge erledigt und beim letzten Seminar, bei dem ich ja auch für Jungstudis mitaufpassen muss, wäre ich beinahe eingepennt.
Ich fühle mich wie damals während des Zivildienstes. In der Wechselschicht spät nachhause kommen, etwas Schlaf genießen, wieder ab zur Arbeitsstätte (na gut, damals war die Arbeit zwar körperlich härter, aber das hier geht auch an die Substanz). Ohne Kaffi nur noch schlaffi.
Wenn ich gleich auf der Tastatur einschlafe, sieht das in etwa so aus:
äv4utüärbjha#+5ibzhn-öäaerghäop4+576uhjmnpq59äAQ>#JH$&UQW
Das Sonntag auf Montagnacht-Phänomen, heißa, da ist es wieder.
Kein Vollmond oder anderer Blödsinn wie Wasseradern unter meinem Bett, Außerirdische darüber zeichnen verantwortlich für die Schlaflosigkeit, sondern ganz schlicht zuviel Schlaf in der Nacht davor, der sich bis tief in den Sonntag bohrte.
Und auch dafür sind schnell Gründe gefunden: Die Party im Kamp und deren Sinnfreiheit, weshalb man am liebsten gar nimmer aufstehen mag.
So einfach ist das erklärbar, nix mit Esoterik und UFOs.
Ich geb’ dann mal den Versuch auf, einzuschlafen, widme mich anderen Dingen wie zum Beispiel einem weit vorgezogenen Frühstück und dem Vorbereiten des morgigen Tutoriums. Wohlan, lassen wir die Tasten klappern, mein Soundtrack durch die Nacht…
…zum sonntäglichen Schmunzeln:
“Es ist heute nicht leicht, durch das Leben zu gehen,
überall scheint das Glück schon zerbrochen.
Es gibt viele, die werden hart und brutal,
wie zum Beispiel mein alter Freund Jochen.
Er ist mittendrin im Immobiliengeschäft
und er sagt, dass er schnell ist und gut.
Und er sagt: „Für Gefühle hab ich keine Zeit.“
Doch ich sage: „Du lügst, tut mir leid:“
(Refr.)
Gib’ es zu, du warst im Nana Mouskouri-Konzert,
ich hab’ dich gesehen, mein Freund.
Gib’ es zu, du warst im Nana Mouskouri-Konzert,
ich war auch da und du hast geweint.
[…]”
Geliefert von Wiglaf Droste
EDIT 25.11.05: Hihi, dieser Beitrag steht anscheinend bei der MSN-Suche nach der Frage “Ist Nana Mouskouri kurz- oder weitsichtig?” an erster Stelle *schmunzel*
(vorgetragen beim heutigen Bielefelder Poetry Slam)
Freund Karsten kenne ich seit jeher als unter großer finanzieller Abgebranntheit leidend. Es war allerdings nie so, dass man ihn zu dem resignierten Menschenschlag zählen könnte, oh nein, denn er ist sich für nichts zu schade und gehört auch der Kategorie an, die selbst die Sache mit dem Kugelschreiber-Zusammenstecken zumindest einmal ausprobieren. Doch gelegentlich sind seine Ideen mitunter – gelinde ausgedrückt – etwas abstrus.
Als ich ihn zum Beispiel das vorletzte Mal in der Fußgängerzone getroffen hatte, berichtete er mir von der ach so grandiosen Idee, in seiner Wohnung Bewerbungstrainings abzuhalten.
Es konnte nur als Beweis für seinen Mut und seinen Sinn für’s Originelle gewertet werden, dass ausgerechnet er so etwas wagte. Aber, so hätte er entgegnet, dass es ihm an Erfahrung im Schreiben von Bewerbungen mangelte, davon könne ja kaum die Rede sein.
Dennoch war dieses Unterfangen von vornherein zum Scheitern verurteilt, und soweit ich weiß, entwickelte sich daraus außer einem amourösen Abenteuer unseres Dozenten nichts, der Existenzgründerzuschuss lief aus und die Ideensuche konnte wieder anlaufen.
Als er mich bei meinem jüngsten Besuch an der Wohnungstür begrüßte, schien er guter Dinge zu sein. Sein Gesicht wies ein Lächeln auf, dessen Breite mir beinahe unheimlich vorkam.
Er bat mich herein und ich setzte mich auf das Küchensofa. Karsten platzierte ein Glas vor mir mit den wuchtigen Worten „das sei jetzt was ganz Besonderes“, schenkte mir daraufhin aus einer Flasche rote Flüssigkeit hinein.
Nun würde ich mich zwar nicht gerade als den Weinkenner par excellence bezeichnen, schmeckte aber doch heraus, dass es sich hierbei keinesfalls um den üblichen Stoff handeln konnte, den wir aus den einschlägigen Supermarktketten für bis zu zwei Euro pro Flasche gewohnt waren.
„Karsten, sag mal, was ist das?“
Er setzte sich mir gegenüber. „Ich hab’ ne Kiste davon bei dem Weinhändler hier um die Ecke gekauft. Der Laden is’ mir vorher nie aufgefallen.“
Ich wurde misstrauisch. „Sag mal, kann es sein, dass das nich’ so ganz günstig war?“
„Naja. Auch, wenn es knapp ist, ich kann nich’ immer nur knausern. Manchmal muss ich mir eben auch mal was gönnen, weißt du?“
„So hab ich dich selten reden gehört. Läuft es etwa gerade ganz gut bei dir?“
„Hm , weißt du, vor einigen Wochen, da war ich bei der Karin. Du weißt doch, sie hatte eine Weile lang diesen merkwürdigen Typen, wie hieß er doch gleich…?“
„Jochen,“ verkürzte ich seine Überlegungen.
„Ach ja, Jochen. Jedenfalls war wohl kurz zuvor mit den beiden Schluss. Das ist eigentlich nicht so schön, aber ich hab dabei was herausgefunden.“ Er grinste wieder so debil wie an der Wohnungstür und würde mit Sicherheit gleich zum finalen Schlag auszuholen.
„Mir ist nämlich bei ihr aufgefallen, was ich überhaupt am Besten kann. Verstehst du? Ich hab herausgefunden, wo meine Fähigkeiten und Energien am sinnvollsten eingesetzt werden können…“
„Jetzt bin ich aber gespannt,“ entgegnete ich und das war noch nicht einmal gelogen.
„Das beste, was ich nunmal kann,“ er rückte näher zu mir und verlieh seinen Worten einen bedeutungsschwangeren Unterton „…ist Zuhören!“
Er lehnte sich wieder in seinem Stuhl zurück, sicher, dass diese Überraschung gesessen hatte. Hatte sie aber nicht. Jedenfalls nicht bei mir und nicht mit Überzeugung.
„Wie jetzt? Zuhören? Willst du mich auf den Arm nehmen?“
„Nein. Pass auf, du weißt, ich konnte schon immer gut zuhören, wenn jemand ein Problem hatte, oder nicht?“
Das konnte ich allerdings bestätigen. Bereits früh handelte sich Karsten unter meinen Freunden den missgünstigen Ruf des „Frauenverstehers“ ein, wenn er wieder einmal einer besonders arg vom Schicksal gebeutelten Bekannten etwas von ihrer Last nahm, bloß durch seine Anwesenheit, sein „Für-sie-dasein“. Und wie oft mussten wir uns dann von dieser wiederum anhören, wie lieb er doch sei.
Ich hatte Karsten schon immer unter dem Verdacht, dass die Qualität seiner kognitiven Fähigkeiten schlicht und ergreifend darin verborgen lag, gewisse, nicht vermeidbare Lücken sinnvoll und dem Kontext angemessen zu schließen, sprich: Unwissenheit elegant zu überspielen und allem Anschein nach funktionierte diese Vorgehensweise auch ganz hervorragend.
„Ich hab’ mich vor kurzem als Tröster selbstständig gemacht,“ eröffnete er mir unverfroren.
Ich staunte nicht schlecht und bat um weitere Erläuterungen.
„Ja, glaubst du mir etwa nicht? Hier, warte.“
Er kramte in seiner hinteren Hosentasche und fand ein gelbes Stück Papier, das er mir Ungläubigen zur Ansicht reichte. Offensichtlich handelte es sich um eine Visitenkarte, richtig, dort stand sein Name, seine Telefonnummer und darunter ein selten dämlicher Zweizeiler:
„Zählst Du Dich zu den Aufgelösten?
Ruf mich an und lass dich trösten!“
„Steht auch in den gelben Seiten,“ sagte Karsten.
„Mal abgesehen davon, dass ich immer noch nicht so ganz weiß, was ich davon halten soll: Melden sich wirklich darauf Leute?“
„Aber ja,“ freute er sich. „Überleg doch mal, bei den vielen Trennungen heutzutage. Und das werden nicht weniger. Das ist der totale Zukunftsmarkt.“
Mittlerweile glaubte ich, er sei tatsächlich überzeugt von dem, was er da sprach.
„Karsten, ist das dein Ernst?“
„Ja, aber mal im Ernst. Inzwischen haben wir doch hier so viele unterschiedliche Beziehungsformen, wenn man die alle benennen wollte, ginge es uns wie den Eskimos mit’m Schnee. Weißte, was ich neulich erst gehört habe? Da hat doch jemand tatsächlich seine Beziehung als „Sozialintensivpartnerschaft“ bezeichnet. Krass, oder? Da kommt natürlich so eins zum anderen…“
„Du wirst also tatsächlich ab und zu gerufen?“
„Ja, klar. Vor kurzem hatte ich sogar die Idee, mir eine Art Notfall-Koffer zusammenzustellen. Warte mal,“ er stand auf, und ging in den Flur. Man hörte, wie er etwas herumkramte, bis er mit einem alten Lederkoffer zurückkam. Er öffnete ihn und zeigte mir stolz den Inhalt:
„Hier, siehst du? Natürlich Taschentücher, absolute Pflicht und nicht zuwenig davon. Ein eigenes Kopfkissen und eine Zahnbürste für das „Bitte geh’ noch nicht!“; Flüssigkeitsabweisende Hemden gegen verheulte Schultern, dann Schokolade und Alkohol, also je nach Vorliebe und Schweregrad, etcetera peepee.“
Das musste man ihm lassen: der Mann handelte durchdacht.
Unter dem, was er „etcetera peepee“ nannte, fielen mir mehrere, nur wenige Zentimeter große viereckige Plastiktäschchen auf, deren Inhalt sich ringförmig an der Oberfläche abzeichnete, und ich schloss daraus, dass Karsten den Begriff des Trostes anscheinend sehr weit fasste.
Ich wies auf seine Schutzmaßnahmen:
„Soso. Du prostituierst dich also für die Sache, wie?“ Ich sah ihn von der Seite an.
„Nein, tue ich eigentlich nicht.“ Er begann, herumzudrucksen. „Im Äußersten vielleicht. Und…wenn auch ich Spaß daran hätte.“
Das ging mir dann zu weit. Ich sah ein, dass jeglicher Anklagepunkt an ihm abprallen würde, denn er sah seinen von ihm neuerfundenen Beruf so sehr als einen Dienst an der Gesellschaft, was für mich allerdings nichts anderes als Ausnutzerei darstellte. Plötzlich fühlte ich mich wie ein Politiker, der gegen einen Schönredner ankämpfen wollte, sämtliche Argumente würden zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinaus gehen. Ich verabschiedete mich daher bald von ihm auf ungewisse Zeit und zog wieder meiner Wege.
Wochen später, ich hatte diese Diskussion bereits verdrängt, rief mich Karin, die personifizierte Inspiration zu seinem Experiment, an. Sie kam bald auf ihn zu sprechen und fragte mich, ob ich von ihm gehört hätte. Ich erwähnte meinen Besuch vor einiger Zeit und meine Bestürzung über seinen eigenwilligen Vorstoß in die Marktwirtschaft, aber das meinte sie nicht.
Karin erzählte mir, dass er – wie sie selbst gehört hatte – sich wohl innerhalb weniger Wochen mehrfach verliebt haben musste und sie vernahm, als sie ihn das letzte Mal traf, in großer Folge Frauennamne, die sie noch nie aus seinem Mund gehört hatte.
„Aber weißt du, was das seltsamste war?“ fragte sie. „Er hat mir überhaupt nicht mehr zugehört, verstehst du? Ich konnte sagen, was ich wollte, sofort hieß es wieder ‘Maria hätte dieses und jenes gesagt und etceterea peepee’“.
Tja, da ist unser Karsten vor Verliebtheit wohl blind geworden. Oder besser ausgedrückt: Ihm ist das Sehen und darüber hinaus das Hören vergangen.
EDIT 19.11.: Huch, laut örtlicher Presse “der beste Vortragende des Abends” (*verlegen-werd*)


