Schön ist es, wenn man dabei sein kann, wie etwas Besonderes entsteht.
So war ich heute zugegen, wie Markus Freise bei meinem Bruder einige Texte für sein demnächst erscheinendes Hörbuch einlas.
Da ich ihn und seine Texte sehr schätze, fühlte ich mich geehrt über seinen Wunsch nach der Anwesenheit meiner “kritischen Ohren”.
Und so, wie es aussieht, dürfen wir uns auf eine kleine Bereicherung in den Hörbuchregalen freuen, wenn die CD “Still trying to write Lovesongs” ab März zu haben ist, uns darauf urkomische Geschichten seiner - meist - verliebten Helden bis hin zu wortgewaltigen Melancholien begegnen werden:

Mein Mädchen schläft heute Nacht in ihrem winzigen Bett. Einmal werde ich sie an die Hand nehmen und wir gehen raus und finden die Worte, die uns die heiße Mittagssonne auf den Marktplatz gemalt hat. Sie wird sie aufheben und in die Tasche stecken. Gut aufbewahren, für später. Ich finde und gebe ihr das Herz zurück, das ich irgendwann im Rinnstein habe liegen lassen. Setze ihr die Krone des Poeten auf und lehre sie die Stacheldraht-Küsse. Ich werde ihr davon erzählen, wie sich Peter Pan und Alice im Wunderland vergnügen und dass es ihnen scheißegal ist, „Oh, wie schön Panama” ist. Und sage ihr, dass schon niemand merkt, dass das alles nur geklaut ist. Später fahren wir mit ihren Plastik-Autos über Sandstraßen gegen ihre Ast-Bäume. Unverletzt steigen wir aus, laufen hoch auf einen Hügel und sehen auf die grauen Strassen, unser Königreich, hinunter und sind großzügig.

Wer den unnachahmlichen Freise-Vortragsstil noch nie live miterlebt hat (bei einem Poetry Slam z.B.), sollte sich einmal auf dessen Internet-Seite www.briefe-vom-spielplatz.de unter der Rubrik “Schreiben” die Aufnahmen des Textes “Die Teppichtasche” ansehen und -hören (aufgenommen auf dem Highlander Poetry Slam 2004).

Seit Tagen schon neblige Trübe
(in meiner Rübe).
Ich war doch einst Herr meiner Sinne
(im Kopfe drinne).
Müdigkeit bahnt sich quer durch mein Hirn
(hinter der Stirn).

Nein, ich schlafe nicht ein, gehe jetzt raus
aus’m Haus.
Vielleicht lässt sich’s dann besser träumen
von den..äähh..Bäumen?

Ach, es hätte so schön sein können. Ab nach Herford und anderen beim Vortrag zuhören. Hoffentlich schlafe ich nicht ein.

Was bereitet sich der Mann des Hauses zum Essen zu, wenn kaum etwas im Kühlschrank ist und gerade kein Geld im Portemonnaie? Korrekt…

“Armer Ridder”

Jetzt habe ich ihn auch einmal gesehen, den Film, von dem momentan alle (z.B. hier) reden, den “Sommer vorm Balkon“, und - was soll ich sagen - trotz oder gerade wegen seiner kleinen Details, die so manches Mal nicht gerade appetitanregend wirken, handelt es sich hierbei um äußert charmantes Bildwerk.

Katrin (Inka Friedrich): “Kannste dir vorstellen, mit jemand für immer zu leben?
Nike (Nadja Uhl): “Ick glob da nich dran. Ick hab jelesen, det jibt nen sexuellen Botenstoff im Gehirn. Det is wissenschaftlich erwiesen. Und nach ner Weile ist der einfach weg. Schlagartig.

Und: Welch Unbehagen erzeugte mir Roland/Ronald, der Fernfahrer *g*…Nomade wäre vielleicht eine treffendere Bezeichnung für ihn.

…den immer wieder gern gesehenen “Fight Club”.

Marla: “Ich will Krebs im aufsteigenden Dickdarm!
Erzähler/ Jack: Die Kleine hatte ihre Hausaufgaben gemacht.

(Beim Aufteilen der Besuche von Selbsthilfegruppen)

*kringel*

..ist zunächst einmal eine ganz fürchterliche Klamotte.

Es ließe sich aber hervorragend darüber streiten, ob dieser Film dazu geeignet ist, das Stereotyp von unüberwindlichen Gegensätzen zwischen Männern und Frauen zu unterstreichen oder zu untergraben.
Kate Hudson fährt in ihrer Rolle als Andie ziemlich viele, üble Register, um aufgrund einer Wette Matthew McConaughey als Benjamin so schnell wie möglich wieder los zu werden. Dieser hält es auch nur wegen einer anderen Wette weiterhin mit ihr aus.

Das, was Andi sich aber an Grauenhaftem ersinnt, kann als gute Archivierungsleistung für Abschreckungsmaßnahmen für Männer gelten, als da nur zu nennen wären:

-Die Mutter anrufen und nach peinlichen Kindheitsgeschichten befragen;
-die Wohnung mit lauter rosa Dingen vollpflastern;
-Versprechen abringen, die sich um den Besuch eines Konzertes drehen, das sich dann als eines von Celine Dion entpuppt (sowie überhaupt die ganze angeschleppte Musik: Fiona, Shania, Alanis etc.);
-schreckliche Fotomontagen von beiden kreieren;
-vor versammeltem Freundeskreis den Kleidungsstil aufeinander abstimmen zu wollen
usw. usf.

Benjamin bringt seinen Freunden gegenüber auf den Punkt, was ihn daran stört: “Das ist nicht sexy!

Doch in der Kommunikation der Beiden werden diese Störungen elegant überspielt.
-”Du bist mir doch nicht böse, oder?
-”Nein, nein.

Seltsame, unheimliche Dinge gehen vor. Die Internet-Verbindung hier im Netzwerk stotterte gestern Abend nur noch vor sich hin, bis sie sich dann über Nacht vollends verabschiedete.
An der Nervosität, die sich darauf bei mir auftat, konnte ich immerhin ablesen, wie abhängig ich mittlerweile von den virtuellen Kommunikationswegen geworden bin. Es ist zwar Wochenende und ich kann kaum erwarten, dass irgendwelche hochwichtigen Nachrichten den Weg zu mir suchen, dennoch verspürte ich ein Kribbeln unter der Hirnrinde bei dem Gedanken, Meldungen nicht lesen zu können.

Unweigerlich musste ich an diesen Comic von Katz und Goldt denken, in dem ein bärtiger Experte einen mahnenden Finger hebt und spricht: “Wenn ihr weiter so viel surft und chattet wird unser Internet bald durchschmoren.”

Hehe.
Ich hab zwar die Ursache für das Problem noch nicht ausgemacht und bediene mich jetzt gerade einer Grundeinstellungs-Notlösung (die gottseidank funktioniert *puuh*), aber die starkfrequente Nutzung unserer Bandbreite kann ich wohl als Grund für die Misere ausschließen.

Immerhin gelangten seit Auftreten des Problems lediglich drei E-Mails in mein Postfach, wovon eine sich als Newsletter des Lichtwerks entpuppte. Meine Person ist sonntags nicht von Interesse. Hervorragend.

Hab’ ich das gerade richtig gehört, oder handelt es sich bei dem “Lieblingssong”, den sich Erik, einer der Protagonisten im AOL-Werbespot, runterlädt, tatsächlich um die deutsche Nationalhymne?
“Lieblingssong”! So langsam wird der Patriotismus in den Medien eklig.

EDIT: Ach so, der Spot dreht sich insgesamt um Fußball. War ja klar.

oder: Halbwahrheiten über Halbwissen (austauschbar)

(gerade eben auf dem Slam vorgetragen aufgrund einer älteren Vorlage von hier. Kam ganz gut an, hatte ich den Eindruck)

Unlängst bezog eine Austauschstudentin aus offenbar orientalischen Landen neben meiner Wohnung ihr Quartier. Dagegen hab ich nichts einzuwenden, oh nein, „Multi-kulti“ gestaltet den Tag noch eine Prise spannender als er es ohnehin schon mit den Eingeborenen täte, das ist meine Ansicht. Aber obwohl unser beider Domizile tragende Wände trennen, werde ich seitdem meist spät am Abend Ohrenzeuge ihrer Zerstreuungsmusik. Auf der einzigen CD, die sie besitzt, scheint ein einsamer Mann in hohen Tönen um Hilfe zu jammern. Da ihm niemand allein wegen seiner Stimmgewalt Beachtung schenkt, bedient er sich dabei noch einiger Schlaginstrumente, um mit möglichst ungewohnten Rhythmen auf sein Leid aufmerksam zu machen. Wahrscheinlich wurde er während seiner Klage noch lauter, als er bemerkte, dass ein unfeiner Mensch ihm nicht helfen, sondern seine Darbietung lediglich als beispielhaftes Dokument für orientalische Klagelieder aufnehmen wollte. Der arme Mann. Da sitzt er nun im Sand, ein Mikrofon vor der Nase und weint. Laut.
Da es sich aber um eine Aufnahme aus dem fernen Morgenland handelt, die mir allabendlich geboten wird, werde ich an diesem Schicksal wohl rückwirkend nichts mehr ändern können.

Bedauern erfüllt auch die übrige Nachbarschaft über die sehr einseitigen hörästhetischen Genüsse der Austauschstudentin. Ich beschloss daher, mich mit dem Nachbarn Christian zusammenzutun, dessen Zimmerwand an die andere Seite ihrer Wohnung angrenzt.

-“Christian, sag mal, kannst du das da auch hören?
-“Oh, du meinst diese ach so lieblichen Melodeien, die das Klang-Kissen meiner Gewohnheiten aufschütteln?
Ungläubig sah ich ihn an und sprach: “Bleib mal auf’m Teppich!
-“Hast recht. Wir müssen dringend was unternehmen. Komm!

Er fühlte also ebenfalls mit ihr, daher stellten wir zunächst einmal fiktiv einige musikalische Preziosen zusammen, die wir ihr überreichen wollten. Dann könnte sie sich immerhin aus einer größeren Auswahl selbst aussuchen, womit sie sich in den Schlaf wog. Unser Programm ließ beinahe kein Genre und keinen Stil aus, für alles war ein Beispiel vorhanden: vom amerikanischen 60er Jahre Northern Soul zum französischen Chanson, vom englischen Punkrock der 70er bis zu modernem, japanischen Instrumentalrock. So einen kruden Mix hatte ich bis dato noch nie kreiert, aber egal, er genoss Rechtfertigung durch unseren Bildungsauftrag.
Wie wir da so saßen und über die Reihenfolge der Stücke sinnierten, überkam uns dann aber plötzlich der Gedanke, dass die Nachbarin unser Geschenk vielleicht als beleidigend ansehen könnte und unseren eigenwilligen, ritterlichen Schwung aufs hohe Ross der Musikgeschmacksprägung womöglich sogar als vermessen. Wer weiß, andere Länder, andere Sitten, vielleicht, dräute es Christian, könnte unser „Bildungsauftrag“ auch wie ein „musikalisches Kopftuchverbot“ empfunden werden.
Denn das die eigenen kulturellen, festgetackerten Scheuklappen einen immer und immer wieder in Fettnäpfe, ach was red ich, Fettfässer treten lassen, dafür ist mir erst kurz zuvor wieder etwas beispielhaftes geschehen.

Es war nämlich gar nicht lange her, da benötigte ich dringend eine neue Frisur. Wie gehabt, wenn sich diese Bedürfnis unstillbar in mir regte, ging ich zu dem netten türkischen Friseur ein paar Meter weiter in unserer Straße. Der bietet mehrere Annehmlichkeiten. Zum Einen ist er billig, zum Anderen wird man während der Wartezeit dort vorzüglich bewirtet (Kaffee oder Cai, Zigaretten). Darüberhinaus erhascht man dort eine Menge archaisch anmutender und dadurch unterhaltsamer Ansichten über Frauen oder warum die Döner in ganz Bielefeld plötzlich nicht mehr schmecken. Bei meinem letzten Besuch herrschte dort ein großer Aufruhr. Eine junge, türkische Familie ließ ihren Kindern die Haare schneiden und als ich den Laden betrat, saß ein kleines Mädchen – zwei bis drei Jahre alt vielleicht - mit langen, braunen, lockigen Haaren auf dem Friseurstuhl. Es schrie wie wild und heulte, musste von den Eltern festgehalten werden, damit der Fachmann ihr die lange Mähne auf ca. einen Zentimeter stutzen konnte. Denn so lautete sein Auftrag. Doch die Erfüllung fiel ihm schwer, bewegte das Mädchen doch immer wieder den Kopf und trat mit den Füßen nach ihm, um den Plan der Eltern zu vereiteln. Meine Wartezeit verlängerte sich demnach etwas und in mir drängte sich der Verdacht nach einem Bestrafungsritual auf. Da war doch damals dieses Mädchen in der Grundschule, dessen Namen ich vergessen habe. Sie war ebenfalls Türkin und ihr ist seinerzeit Ähnliches wiederfahren. Verständlicherweise berichtete sie damals nicht, was sie angestellt hatte, obwohl Gerüchte über einen mehr als der Rede unwerten Ladendiebstahl kursiert hatten.
Als ich dann anschließend auf den, ja, jetzt kam er vor mir wie ein Exekutionsstuhl, berufen wurde, fragte der Vollstrecker mich, ob ich die Situation eben gerade durchschaut hätte. Mit meinem Halbwissen von vor Jahrzehnten gewappnet, bejahte ich und fragte, was das arme Mädchen denn verbrochen hätte. Daraufhin lachte der Friseur laut auf und nachdem er sich beruhigt hatte, berichtigte er mich:

Nee nee, das war ein Junge. Der bekam gerade das erste Mal in seinem Leben überhaupt die Haare geschnitten.

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Toleranz wird heutzutage groß geschrieben, aber was soll man bloß gegen seine immer wieder hervortretenden Vorurteile tun? Tja, da hilft wohl nur durch Fehler zu lernen.
Unter Leuten, die sich viel mit Sprachen beschäftigen, gilt es ja als stiller Volkssport, die Herkunft von Wörtern herunterzubeten. Ein Kommilitone meinte neulich zu mir, dass das Wort Toleranz ja vom lateinischen „tolere“ stammte, welches ursprünglich „ertragen, aushalten“ bedeutete und – fügte er hinzu - der Gedanke wäre nur zu interessant, wenn man infolgedessen zum Beispiel behauptete, man „ertrüge Schwule“.
„Interessant“ ist das fürwahr, aber ich glaube, ich kann mich glücklich schätzen, einen Kommilitonen damit ins Feld führen zu können.

In der Zwischenzeit haben wir dann auch das Unterfangen, meiner Nachbarin in punkto Hörgewohnheiten etwas unter die Arme zu greifen, aufgegeben. Wir sind zu der Ansicht gelangt, dass es wohl besser wäre, ihren Musikgeschmack zu tolerieren. Dennoch muss ich erwähnen, dass mich beim allabendlichen Hören jener Klänge der Gedanke an ihr Leid fast jedes Mal um den Schlaf bringt. Aber ich ertrage es in Würde. Und mit Oropax.

Übrigens: Der Grund dafür, dass die Döner der Stadt nicht mehr schmecken, ist schnell gefunden. Wie mir mein Friseur berichtete, hat ein überregionaler Lieferant mit seinen weitaus billigeren Preisen die Stadt unterjocht. Das würde sich aber schnell ändern, wenn sein Heimatland der EU beiträte.
Da sag’ ich nur: Wohlan, wohlan, beschleunigt den Prozess, auf dass Bielefeld schon bald wieder mit leckerem Dönerfleisch gesegnet sei.

Nebenbei läuft heute schon sehr lange der Fernseher, warum, weiß ich eigentlich nicht so recht. Ich hab ihn einfach irgendwann zwischendurch eingeschaltet und mir erhofft, beim Durchzappen interessante Ablenkung zu entdecken. Sonntags gibt’s erfahrungsgemäß jede Menge Filme.
Doch womit uns die Programmdirektoren der Sender dieses Wochenende behelligen, grenzt durch seine hochgradige Langeweile an einer Frechheit. Nur Schrott wird da geliefert.
Eben gerade lief irgendein “Crocodile”-Blödsinn, wobei der deutsche Synchronsprecher einer der Hauptcharaktere einen amerikanischen Akzent nachahmte, und zwar mehr als schlecht. Wieso tun die uns so etwas nur an?