Zurüruck zum Inhalt

Fort ( , / – ) Sätze 2006

Der Jahreswechsel ist über die Bühne, und ich kann mich nicht über ihn beschweren. Ich mass ihm zwar noch nie allzuviel Bedeutung bei in punkto Rückbesinnung auf Vergangenes im Hinblick auf den weiteren Lebensweg, und habe ihn nunmal stets mitbegangen, weil alle anderen das auch tun.
Dass ich aber älter werde, merke ich unter anderem daran, auf welche Art und Weise ich das tue.
Früher, ja früher, da kam dem allem der Status einer Energieentladung sondergleichen zu, im Laufe der letzten paar Jahre wurde es aber immer stiller und der Kreis der Mitfeiernden immer kleiner.
Meine drei zurückliegenden Silvesterfeiern ließen sich prima mit einem Diagramm der folgenden Art darstellen:

2003/04 hatten wir noch im etwas weiteren Freundeskreis in meinem Heimatort gefeiert, darauf das Jahr hier in Bielefeld mit wenigen Leutchen, viel Essen und zwei Standortwechseln während der Nacht. Dieses Mal war (bzw. ist noch) die F. über mehrere Tage zu Gast und wir verließen lediglich am Silvesterabend selbst die Wohnstatt, um ein paar Freunde zu besuchen, bei denen wir mit – uns eingeschlossen – acht Personen racletteten (!). Ein halbstündiger Aufenthalt auf dem völlig „verknallten“ Siegfriedsplatz war nicht in der Lage, den Eindruck der Gemütlichkeit zu trüben.
Die lautesten Geräusche, die wir hingegen hervorriefen, waren das Gebrutzel von Wunderkerzen und die leisen Explosiönchen der Knallbonbons, die die Gastgeberinnen uns bereitgelegt hatten. Letztere lieferten uns mit ihren kleinen, darin enthaltenen Zettelchen auch keine Orientierungshilfe für das kommende Jahr, sollten wir diese überhaupt gesucht haben. Die merkwürdigen Botschaften aus dem inneren der Bonbons lauteten nämlich (allesamt doppelt bis dreifach am Tisch vorhanden):

“Waidmannsdank, Waidmannsdank,

heute sind unsere Frauen krank.”

oder auch

“Leg Dich hin, ich glaub, ich liebe Dich.”

als da gewesen wäre

“Wir haben fünf Häuser,

wo meine Frau putzt”

Die an mich gerichtete Nachricht lautete dann letzten Endes:

“Lieber Hochstapler

als Tiefflieger”

Nun ja, diese weise Einsicht (resp. “eine Sichtweise”) sollte ich dann im wissenschaftlichen Betrieb lieber doch noch einmal überdenken, bevor ich sie befolge.
Doch die Tradition verlangte nach weiteren Orakelweisheiten, anhand des Bleigießens wollten wir in unsere Zukunft blicken. Bei diesem Spielchen zählt ja nicht die tatsächliche Ähnlichkeit des Ergebnisses mit bekannten Objekten, sondern das, was der Gießer dort hineininterpretiert. Aber man sollte vorsichtig sein, in den auf der Verpackung angegebenen Erklärungen zu den jeweiligen Deutungen tiefenpsychologische Erkenntnisse zu sehen [“Gurke = Hüte Dich vor Brillenschlangen”].
Ich konnte mit meinem Ergebnis recht wenig anfangen, die meisten der Anwesenden sahen darin aber eine gewisse Nähe zu einem anatomischen Herzen. Mit großer Vorstellungskraft konnte ich mich auch mit dieser Interpretation zufrieden geben. Der Betrachter mag selbst entscheiden.

Aus rein opportunistischen Gründen ginge ich sogar mit der Erklärung des Produzenten konform: “Herz = Glück, Gesundheit, Zufriedenheit”.
Na, das wär’s doch mal. Natürlich könnte die Hineindeutung eines Herzens in dieses Objekt auch bedeuten, dass man diesem Organ gegenüber besonders sensibel eingestellt ist und sich vielleicht ein Infarkt ankündigt, aber hoffen wollen wir das natürlich alle nicht. Dann doch lieber Ersteres.
Mit dem Jahr 2005 war ich rückblickend nicht allzu sehr zufrieden, denn in diesem Zeitraum geschahen sehr viele unschöne Dinge. Doch man neigt ja bekanntlich dazu, die guten Momente in der Erinnerung nicht so stark zu gewichten, und die waren immerhin auch ab und zu vorhanden.

Das jetzt eingeläutete Jahr begann für mich jedenfalls ausgesprochen nett. Ein guter Beginn, würde ich sagen. Gerne mehr davon, auch zu anderen Anlässen.
Frohes neues Jahr an alle!

P.S.: Beinahe fühlte ich mich sogar zu einem illegalen Schritt verleitet, indem ich hier fast die MP3 eines Songs zur Verfügung gestellt hätte, der in etwa das Gefühl (für mich) ganz gut vermittelt, das ich bei diesem Jahresausklang empfand. Es dreht sich um “Everybody had a hard year” der Gruppe März. Das stimmt, in meinem Umfeld hatten viele Menschen ein hartes Jahr, es kann nur noch besser werden. Und das hat nun so rein gar nix mit Regierungswechseln zu tun ;-)

2 Kommentare

  1. Desideria schrieb:

    Ich wünsche dir ein wunderbares Jahr, Glück, Gesundheit und eine große Portion pure Freude.

    Liebe Grüße,

    D.

    Dienstag, 3. Januar 2006 um 16:17 | Permalink
  2. Rouven schrieb:

    Lieb von Dir, danke.
    Dir natürlich auch das Beste.

    Dienstag, 3. Januar 2006 um 16:48 | Permalink

Einen Kommentar schreiben

Ihre Email wird NIE veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *
*
*


Fatal error: Call to a member function return_links() on null in /www/htdocs/w009b2a2/blog/wp-content/themes/veryplaintxt4/veryplaintxt4/footer.php on line 29