Something is present, another thing awakes
Posted on Januar 15, 2006
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Dichotomy erwähnte heute sexy Lieder, die man unbedingt zum Wohlfühlen benötigt, oder zum Verlieben wegen des bevorstehenden Frühlings. Soundtracks sind gut, Soundtracks sind eine Erinnerungsstütze und -hilfe, ähnlich wie Filme und Markennamen, die wieder verschwinden (können).
Ich persönlich habe ja kaum immerwährende Lieblingssongs, meist wechseln sie von Woche zu Woche. Derzeit sind zum Beispiel uralte Geschichten von R.E.M. ganz gut in der Lage, mir böse Geister aus den Hirnwindungen zu vertreiben und mich sanft einschlafen zu lassen.
Zu R.E.M. hatte ich nie soo das grandiose Verhältnis, dass ich behaupten könnte, sie seien meine uneingeschränkten Fandome-Lieblings-Acts, deren Konzert-Touren ich womöglich angestrengt nachverfolge. Es ist eher so wie bei U2: Man nimmt sie wahr, befindet sie für „O.K.“, mit gewisser Existenzberechtigung ausgestattet und sagt hin und wieder: „Hey, das Teil hat’s echt in sich“ und – ehrlich gesagt – geht’s dabei ja um nichts anderes als persönliche Deutung.
“DAS fiel mir jetzt besonders auf, weil ich damit jetzt gerade in meiner Lebensituation besonders viel anfangen kann.” for example. Das funktioniert nicht anders als Literatur-wissenschaft anscheinend.
Mein momentaner Lieblingssong ist übrigens hochinteressanterweise „Daysleeper“, ein Ding also, das mich abends für die Nacht einschlafen lässt, komischerweise aber den Schlaf tagsüber behandelt. Da man Musik schlecht mit Worten beschreiben kann, diese leider diejenige ist, die dieses Stück besonders ausmacht, liefere ich fürderhin den Text:
Receiving dept, 3 a.m.
Staff cuts have socked up the overage
Directives are posted
No callbacks complaints
Everywhere is calm
Hongkong is present
Taipei awakes
All talk of circadian rhythm
I see today with a newsprint fray
My night is colored headache grey
Daysleeper
The bull and the bear are making their territories
They’re leading the blind with their international glories
I’m the screen the blinding light
I’m the screen I work at night
I see today with a newsprint fray
My night is colored headache grey
Don’t wake me with so much
Daysleeper
I cried the other night
I can’t even say why
Fluorescent flat caffeine lights
It’s furious balancing
I’m the screen the blinding light
I’m the screen I work at night
I see today with a newsprint fray
My night is colored headache grey
Don’t wake me with so much
The ocean machine is set to 9
I’ll squeeze into heaven and valentine
My bed is pulling me
Gravity
Daysleeper
Globalisiertes Empfinden durch und durch. Man sitzt alleine vor’m Rechner und bemerkt, wie die Welt nach und nach langsam wach wird. „Hongkong is present, Taipei awakes“. Genauuu soo sieht es in meinem MSN-Chat aus, einer nach dem anderen werden sie wach, bevor ich wieder schlafen gehe (-n will und mich stattdessen mit sprachlichen Hürden befassen muss).
Die gestrige Rohlingsspindel
Posted on Januar 13, 2006
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Die Lesung vom Großmeister Max Goldt gestern Abend bezeichnete der Buddhabot in der Pause mit einem Begriff, den ich leider schon wieder vergessen habe. Sinngemäß kulminierte die Aussage in dem Satz “Ein Hörbuch mit diesen Dingen könnte ich auch meiner Mutter schenken.” Wobei das durchaus nicht abwertend gemeint war.
Die Anstößigkeit der Texte, die Herr Goldt vorträgt, nimmt anscheinend tatsächlich im Laufe der Jahre immer weiter ab, und je schneller er sich auf den eigenen Lebensherbst zubewegt (so oder ähnlich hätte er sich wahrscheinlich ausgedrückt), um so fulminanter gestaltet sich die Anwendung von Konjunktiven und Archaismen darin.
Ich verhielt mich jedenfalls wie ein trockener Schwamm, bestehend aus der Kenntnis all seiner alten Texte, der dankbar aufnahm, was aus der Quelle an frischem Wasser hervorsprudelte (*ächz-pathos*).
Die neuen Darbietungen, die bislang noch nicht in Buchform erschienen sind, drehen sich auffällig oft um das Thema Sprache und Sprachkritik und dürften in Goldts Stil etwas deplatziert in der Satirezeitschrift Titanic wirken.
So unterschied er zwischen “guten” und “schlechten” Sprachen.
Schlechten Sprachen wie das Deutsche sei gemein, dass sie wie selbstverständlich Wörter aus fremden Zungen aufnähmen, ohne groß darüber nachzudenken, ob das nicht mit dem eigenen Inventar auch zu benennen wäre, so, wie es zum Beispiel im Isländischen geschähe (Deutsch als “Dorftrottel unter den Sprachen”).
Es gäbe aber auch Lichtblicke hier und da, exemplarisch wäre dafür das Wort “Rohlingsspindel”, dessen einzelne Bestandteile kaum noch verwendet würden und klängen, als wenn “Charlys Tante Dornröschen im Mediamarkt” träfe. Alte, semantisch nur noch einseitig präsente Begriffe hervorzuholen, neu zu kombinieren und zu besetzen, daran erkenne man das wahre Potenzial einer Sprache.
Ich glaube, ich könnte diesen Text in vielfacher Hinsicht gut gebrauchen. Und ihn gleich an einige meiner wortbildungsversessenen Dozenten weiterleiten.
Also: Titanic-Hefte durchforsten, einscannen und mir übersenden bitte ![]()
Sprache = Physik, Bio etc. pp.
Posted on Januar 10, 2006
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Ich find’s ganz fürchterlich, Sprach- als Naturwissenschaft hinzustellen, damit man bessere Chancen hat, an mehr Forschungsgelder zu kommen (nur, weil man öffentlich dann darin mehr Sinn zu sehen scheint).
Ist ja schon erstaunlich, bei uns an der Fakultät messen zu können, dass bei Rezipienten unterschiedliche Gehirnregionen “feuern”, wenn man sie in einem Fall beim Vornamen, im anderen mit Appellativen anspricht. Und zwar bei unterschiedlichen Muttersprachlern in wiederum deren Sprachen. Schön. Einmal mehr wurde bewiesen, dass man kognitiv selbst beim Hören etwas leisten muss. Und sonst? Kopf aufschneiden und nachlesen geht bekanntlich nicht.
Aber ja, natürlich. Sprachen sind naturwissenschaftlich zu untersuchen. Und Glück ist bloß eine höhere Ausschüttung von Serotonin…
(vorübergehendes Auskotz-Gefühl, ist hoffentlich gleich wieder verschwunden)
Zeitunglesen beim Theekochen
Posted on Januar 7, 2006
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Frühmorgens lese ich
in der Zeitung
von epochalen Plänen
Des Papstes und der Könige,
der Bankiers und
der Ölbarone.
Mit dem anderen Auge bewach ich
Den Topf mit dem Theewasser
Wie es sich trübt und
zu brodeln beginnt
und sich wieder klärt
Und den Topf überflutend
das Feuer erstickt.
(Bertolt Brecht)
Tja, und nichts anderes habe ich heute den halben Tag lang getan: Zeitung gelesen, mich über die Meldungen darin aufgeregt und Teewasser kochen lassen. Geschlagene fünf bis sechs Stunden lang.
Klingt nach der genau richtigen Beschäftigung für einen Start in den Tag, nachdem man mit der Kommilitonin wenige Stunden zuvor noch die Nacht zu einem eben solchen gemacht hat. Sollte man meinen.
Das ist es aber nicht, wenn man sich dazu bereit erklärt hat, einem Freund bei der filmischen Interpretation dieses Gedichts als Protagonist zugesagt hat, als Einziger vor der Kamera steht und den Anweisungen und Ideen von fünf weiteren Menschen dahinter gehorchen will. Nun gut, es war schon sehr spaßig, aber ich selbst soo unheimlich übermüdet [”Du hättest es besser wissen müssen!” - Ja ja *g*]?
Stolz bin ich im Nachhinein nicht auf die schauspielerische Nullnummer, zumal es mir schlecht möglich war, Aufregung und Wut mimisch und gestisch darzustellen (der Ton war wohl nachrangig). Dann hoffe ich mal auf die Schnittkunst der Ausführenden. Der Freund eröffnete mir dann nämlich noch, dass er den Kurzfilm beim UniVideomagazin im Ringlokschuppen unterbringen will. Und ob er beim Publikum dann wohl neben Reizüberflutungs-Projekten wie der BA-Arbeit von Marc bestehen wird?
Oha.
Neuer Countdown
Posted on Januar 4, 2006
Filed Under Allgemein | 3 Comments
Bevor ich’s vergesse, darauf hinzuweisen, sei gesagt, dass der große, große Max Goldt uns in wenigen Tagen erneut die Ehre geben wird.
Wir dürfen uns darauf freuen, ihn am 12.01. lesen zu hören, und zwar im TAM, dort, wo ich letztes Jahr in etwa zur gleichen Zeit beobachten durfte, wie sich ein ganzes Theater kringelte, unter Bauchschmerzen vor Lachen beinahe von der Empore fiel.
Und zwar nur weil jemand vorlas, ohne große begleitende, unterstützende Aktionskunst.
Ich freu’ mich und gehe gleich morgen eine Karte kaufen.
Fort ( , / - ) Sätze 2006
Posted on Januar 2, 2006
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Der Jahreswechsel ist über die Bühne, und ich kann mich nicht über ihn beschweren. Ich mass ihm zwar noch nie allzuviel Bedeutung bei in punkto Rückbesinnung auf Vergangenes im Hinblick auf den weiteren Lebensweg, und habe ihn nunmal stets mitbegangen, weil alle anderen das auch tun.
Dass ich aber älter werde, merke ich unter anderem daran, auf welche Art und Weise ich das tue.
Früher, ja früher, da kam dem allem der Status einer Energieentladung sondergleichen zu, im Laufe der letzten paar Jahre wurde es aber immer stiller und der Kreis der Mitfeiernden immer kleiner.
Meine drei zurückliegenden Silvesterfeiern ließen sich prima mit einem Diagramm der folgenden Art darstellen:

2003/04 hatten wir noch im etwas weiteren Freundeskreis in meinem Heimatort gefeiert, darauf das Jahr hier in Bielefeld mit wenigen Leutchen, viel Essen und zwei Standortwechseln während der Nacht. Dieses Mal war (bzw. ist noch) die F. über mehrere Tage zu Gast und wir verließen lediglich am Silvesterabend selbst die Wohnstatt, um ein paar Freunde zu besuchen, bei denen wir mit – uns eingeschlossen – acht Personen racletteten (!). Ein halbstündiger Aufenthalt auf dem völlig „verknallten“ Siegfriedsplatz war nicht in der Lage, den Eindruck der Gemütlichkeit zu trüben.
Die lautesten Geräusche, die wir hingegen hervorriefen, waren das Gebrutzel von Wunderkerzen und die leisen Explosiönchen der Knallbonbons, die die Gastgeberinnen uns bereitgelegt hatten. Letztere lieferten uns mit ihren kleinen, darin enthaltenen Zettelchen auch keine Orientierungshilfe für das kommende Jahr, sollten wir diese überhaupt gesucht haben. Die merkwürdigen Botschaften aus dem inneren der Bonbons lauteten nämlich (allesamt doppelt bis dreifach am Tisch vorhanden):
oder auch
als da gewesen wäre
Die an mich gerichtete Nachricht lautete dann letzten Endes:
Nun ja, diese weise Einsicht (resp. “eine Sichtweise”) sollte ich dann im wissenschaftlichen Betrieb lieber doch noch einmal überdenken, bevor ich sie befolge.
Doch die Tradition verlangte nach weiteren Orakelweisheiten, anhand des Bleigießens wollten wir in unsere Zukunft blicken. Bei diesem Spielchen zählt ja nicht die tatsächliche Ähnlichkeit des Ergebnisses mit bekannten Objekten, sondern das, was der Gießer dort hineininterpretiert. Aber man sollte vorsichtig sein, in den auf der Verpackung angegebenen Erklärungen zu den jeweiligen Deutungen tiefenpsychologische Erkenntnisse zu sehen [”Gurke = Hüte Dich vor Brillenschlangen”].
Ich konnte mit meinem Ergebnis recht wenig anfangen, die meisten der Anwesenden sahen darin aber eine gewisse Nähe zu einem anatomischen Herzen. Mit großer Vorstellungskraft konnte ich mich auch mit dieser Interpretation zufrieden geben. Der Betrachter mag selbst entscheiden.


Aus rein opportunistischen Gründen ginge ich sogar mit der Erklärung des Produzenten konform: “Herz = Glück, Gesundheit, Zufriedenheit”.
Na, das wär’s doch mal. Natürlich könnte die Hineindeutung eines Herzens in dieses Objekt auch bedeuten, dass man diesem Organ gegenüber besonders sensibel eingestellt ist und sich vielleicht ein Infarkt ankündigt, aber hoffen wollen wir das natürlich alle nicht. Dann doch lieber Ersteres.
Mit dem Jahr 2005 war ich rückblickend nicht allzu sehr zufrieden, denn in diesem Zeitraum geschahen sehr viele unschöne Dinge. Doch man neigt ja bekanntlich dazu, die guten Momente in der Erinnerung nicht so stark zu gewichten, und die waren immerhin auch ab und zu vorhanden.
Das jetzt eingeläutete Jahr begann für mich jedenfalls ausgesprochen nett. Ein guter Beginn, würde ich sagen. Gerne mehr davon, auch zu anderen Anlässen.
Frohes neues Jahr an alle!
P.S.: Beinahe fühlte ich mich sogar zu einem illegalen Schritt verleitet, indem ich hier fast die MP3 eines Songs zur Verfügung gestellt hätte, der in etwa das Gefühl (für mich) ganz gut vermittelt, das ich bei diesem Jahresausklang empfand. Es dreht sich um “Everybody had a hard year” der Gruppe März. Das stimmt, in meinem Umfeld hatten viele Menschen ein hartes Jahr, es kann nur noch besser werden. Und das hat nun so rein gar nix mit Regierungswechseln zu tun ![]()
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