So, auch mich zieht es für einige Tage fort. Bis Ende der Woche treibe ich mich in der Hauptstadt herum. Nein, nicht in der Bundeshauptstadt, soviel Coolness auf einmal würde ich nicht verkraften, sondern in der Landeshauptstadt Düsseldorf, zu Besuch bei der früheren Mitbewohnerin F.
Wenn ich mir schon keinen richtigen Urlaub leisten kann, sollen es wenigstens ein paar nette entspannte Tage werden. Stellt sich nur die Frage, wie gut man denn das derzeitige karnevaleske Treiben dort ignorieren kann.
Nun ja, ich werde berichten.
Aber bis dahin wende ich auch einmal die sehr schlaue Gepflogenheit von Frau 3und20 an, keine Kommentare zuzulassen, sonst wird das Ding hier in meiner Abwesenheit zugespamt.
Es kommt ja nicht oft vor, dass einem das Fernsehen adäquate Ablenkungsmöglichkeiten von der Arbeit bietet. Glücklicherweise hat der Programmdirektor von Pro7 für heute abend offenbar an mich gedacht, als er sich “Hero” von Zhang Yimou ausgesucht hatte.

Nichts, worüber man groß nachgrübeln müsste, kommt man im Handlungsverlauf gerade mal nicht mit, ist es auch egal. Stattdessen werden dem geneigten Auge opulenteste Bilder geliefert. Das lob ich mir.
EDIT: Chinesische Geschichte ist ja so ziemlich die komplizierteste, die mir geläufig ist. Klar, dass so ein Film, der eine Legende zugrunde legt, in der ein Kaiser auf der Einheit des chinesichen Reiches pocht, gerne von den dortigen Staatsoberhäuptern unterstützt wird.
Dazu wird dann natürlich gerne unter den Tisch geworfen, dass gerade eben dieser dort zitierte Kaiser sein einiges Reich lediglich 14 Jahre halten konnte und es danach gleich wieder zerbrach. Naja.
Man soll niemals nie sagen. Das ist so eine dieser berühmten Redensarten, die es auch im Englischen gibt, so wie „It’s raining cats and dogs“ usw. Dass man damit einstmals einen Film betitelte, erleichterte es den deutschen Filmverleihern beim Übersetzen ungemein, denken die sich doch sonst allerhand Blödsinn aus.
Im Jahre 1983 fiel die Wahl dieses Namens auf einen Film mit James Bond, und sie fiel wahrscheinlich deshalb, weil zu diesem Zeitpunkt niemand auch nur ansatzweise geahnt hatte, dass Sean Connery noch einmal die Hauptrolle besetzen durfte. „Tja, das habt ihr wohl nicht gedacht, wie? Man soll eben niemals nie sagen.“
Als der Film in die Kinos kam, nahm ich das Phänomen Film im Kino nicht bewusst wahr. Das lag zum Einen daran, dass ich zu der Zeit nunmal erst sieben Jahre alt war, zum Anderen daran, dass wir in einer Kleinstadt wohnten, die über kein solches Etablissement verfügte. Über Kino wurde nunmal nicht im Kindergarten oder in der Grundschule gesprochen, die Eltern und ihre Bekannten redeten auch seltenst darüber. Filme wurden nie als solche besprochen, es gab eben nur das Fernsehen, das aus zwei und den vielen dritten öffentlich-rechtlichen Programmen bestand.
Samstagabends im Sommer fieberte man dann mit und hoffte, dass auf dem ZDF zwischen den drei Wunschfilmen doch derjenige mit Terence Hill und Bud Spencer gewann, was übrigens auch meistens und zum Glück der Fall war.
Wurde ein neuer Film heftig umworben, konnte eigentlich niemand das so richtig verstehen, weil…der lief doch gar nicht im Fernsehen.
Das Unverständnis wurde dann beinahe unerträglich, wenn aus marktstrategischen Gründen ein neu erschienener Film in der Sendung untergebracht wurde, die einfach alle schauten, und das war auch im Fall von „Sag niemals nie“ die Sendung mit der auch heute noch höchsten Einschaltquote Europas: „Wetten dass?“
Dort wurde dann auch immer eine Szene des jeweiligen Films gezeigt, die natürlich auch den auf dem Sofa sitzenden Mitagierenden beinhaltete. Da damals Sean Connery offensichtlich keine Zeit hatte, kam der obligatorische deutschsprachige Bösewicht, in diesem Falle Klaus Maria Brandauer, angereist.
Den Zuschauern wurde ein Ausschnitt präsentiert, indem er, Brandauer als Largo, mit Bond ein multimediales Welteroberungsspiel um hohen Einsatz spielte, bei dem man mittels einiger Joysticks sein Gegenüber durch gezielte virtuelle Schüsse um den Besitz von Ländern bringen konnte. Je höher der Wert eines Landes, das man verlor, um so intensiver auch der Stromstoß, der den verlierenden Kontrahenten betraf. Den alternden, befalteten Bond fiel es leicht, einen Schmerz nachzuahmen, doch der damals in Relation dazu junge Brandauer musste sein gesamtes schauspielerisches Talent aufbieten, um seinen Teint zu verzerren.
Und so lächelte er auch, Gesicht in Großansicht, als ihm das „Wetten dass?“-Publikum die Leistung im Anschluss daraufhin – wie immer - honorierte.
Ich mit meinen sieben Jahren war jedenfalls bestürzt. Computerspiele waren mir bis dato fremd und dann zeigen die mir so etwas, eine Art „Risiko“, das auch noch weh tun konnte.
Weniger bestürzt, aber sehr stark befremdet zeigte ich mich aber über eine ganz andere Sache. Ich kannte nur wenige Leute, aber niemand hatte jemals seinen zweiten Vornamen erwähnt. Selbst habe ich keinen, warum sollte ich mich also darum kümmern. Hier wurde mir aber erstmals einer sehr direkt vor die Nase gehalten.
„Mama, Papa. Warum heißt der Mann da eigentlich „Maria“? Das is doch’n Mädchenname.“
Mama und Papa sahen sich fragend-verzweifelt an.
Da hatten sie’s, wieder so eine Frage vom neugierigen Sohn, der da auf dem Teppich vor dem Wohnzimmertisch herumlungerte und Sachen aufschnappte, die er nicht verstand.
Und dieses Mal war (wenn auch finanziell gerade so drin, aber wohl kaum möglich) die Hoffnung auf ein antwortgebendes „Was-Ist-Was“-Buch für 6 Mark 80 schnell verflogen.
Warum hat der Mann da einen Frauennamen? Darauf wären in einem der Bücher dieser Reihe nicht so viele Bildchen zu erwarten gewesen wie die in denen über Dinosaurier oder Raumfahrt, die er mit dünnem Papier immer abpauste und die Wände seines Zimmers vollpappte.
Aufgrund dieses Mangels an Erklärungsmöglichkeiten und des Desinteresses für das Filmgeschäft gaben sie dann bald eine schnelle, naheliegende Antwort, die den Sprößling in seinem weiteren Lebenslauf prägen sollte:
„Weil seine Eltern doof sind!“
…und das Suchfeld mit einem Textfenster verwechseln, landen sie mitunter mit Suchen wie der folgenden auf dieser Seite:
ein mädchen trifft bei der beerdigung ihrer mutter einen mann, in den sie sich unsterblich verliebt. leider kommt sie aber nicht dazu, ihn anzusprechen. im nach
Schade, dass es so abrupt aufhört. Ich hätte gerne gewusst, wie’s weitergeht, zumal ich offenbar keine große Hilfe war.
Merkwürdig fühlt sich das an, wenn man nach wirklich langer Zeit der Zusammenarbeit und des Siezens zwischen Chef und Hilfskraft plötzlich das “Du” einführt und sich plötzlich auch mal zu fragen beginnt, was der andere eigentlich sonst so tut.
“R., kannst du mal…”
“Ja, bring ich dir gleich vorbei, O.”
Welch’ unvorbereitet hereinbrechende Distanzverkürzung. Das wird noch dauern, bis ich mich daran gewöhnt hab’. Und haben werde.
Zwischenzeitig hatte ich mich nämlich dabei erwischt, wie ich über diese merkwürdigen Kompromisse nachdachte, die ich bisher immer verabscheute und die wohl auch nur regional eingeschränkt existieren. Das fast ausgestorbene “Berliner Du” (”Du, Herr Krawuttke, kannst du das mal zur Tonne tragen?“) klingt andernorts etwas rotzig. Das “Hamburger Sie” (”Sagen Sie mal, Markus, wie ist Ihre Meinung denn dazu?“) wirkt eher wie geschaffen für Oberlehrer, die Respekt heucheln wollen, um sich dennoch einen Rückhalt für eventuelle Rüffel sichern zu können. Aber über diese problematische Eigenart des Deutschen haben sich schon viele Menschen ausgelassen.
Dann doch lieber eine der direkten Varianten wählen. Und - wenn auch spät - einen Wechsel vollziehen, wenn es gegeben erscheint.
Zum kommenden Semester wurden innerhalb der Germanistik reichlich Aufgaben verschoben, von scheidenden Dozenten hin zum Chef. Das bedeutet im Klartext: Das Erfolgsteam im respektvollen Umgang mit Studenten geht offiziell in die nächste Runde und meine Wenigkeit, “ein Engel für Studis” (Zitat!), kämpft weiter seinen Kampf im Abwägen damit, wieviel Arbeit für andere denn nun wirklich angemessen ist.
EDIT 23.02.06: Eben gerade noch hat Marc-Oliver Schuster während seiner Lesung bei der “Pimp my write“-Reihe in Herford einen Versprecher zum Thema gelandet. Aus dem Siezen und Duzen unterlief ihm plötzlich ein “Suzen”. Sehr schön ![]()
Wie nachlässig von mir.
Seit Tagen schon, seit dem letzten Wortpalast am Samstag, erzähle ich allen möglichen Leuten von der wunderbaren Kirsten Fuchs und ihren ach so grandiosen Texten. Doch bislang kam ich noch gar nicht auf die Idee, das auch einmal hier im Blog zu tun.
Kirsten schreibt Kolumnen für die taz und trägt gelegentlich etwas von ihren Texten live vor. Letzten Samstag berichtete sie darüber, wie in dem Haus, in dem sie zur Miete lebt, die Fenster ausgewechselt wurden und was im Zuge dessen für ein heilloses Tohuwabohu in ihrer Nachbarschaft und bei ihr entstand, wie sie dagegen ankämpfte und was sie von seiten der Handwerker auch gerne schlüpfriges zugelassen hätte. Trés charmant.
Im Forum “Grand Slam Audio” berichtete Micha-El Göhre daraufhin, dass sie nun in seiner “persönlichen Liste der witzigsten Frauen” einen hohen Rang einnimmt und sie gerne für komplette Leseabende buchen würde. Zu Recht.
Leider konnte ich mir an dem Abend aus Zeitgründen nur diesen einen Text anhören, stöberte tags darauf aber viel auf ihrer Internetseite www.kirsten-fuchs.de herum und kicherte und lachte vor mich hin, dass die anderen WG-Bewohner sich ernste Sorgen um mich machten. Sogleich empfahl ich einige Kostproben weiter, z.B. diesen hier sehr oft. Wer kennt diese Gedanken bei Liebeskummer nicht, egal, ob Mann oder Frau.
Bücher (oder natürlich das Hörbuch) von Kirsten gehören in’s Regal. Nein, besser, vor’s Gesicht (bzw. in den CD-Player) ![]()
Ich hab’ ja meistens so Phasen, was die Rezeption von Musik angeht. Mal mag ich besonders viel Rockmusik, dann wieder elektronisches. Momentan ist wieder Soul dran. Aber nicht dieser neumodische Krempel, zu dem man sich im Elephant-Club o.ä. unheimlich anschickst, um sich eine Illusion von Luxus zu erlauben, sondern guten alten Northern Soul im Stile der Hitschmiede Motown.
Im Zuge dessen habe ich mir die Compilation “Motown Funkensoul” besorgt, auf der sage und schreibe 266 Titel vertreten sind. Darauf sind aber die Stücke allesamt alphabetisch geordnet, so dass mir präsent wird, wie oft manche Strukturen bei derlei Hits immer wieder in Erscheinung treten.
Besonders lustig die Varianten:
“Let’s do it again” (Staple Singers)
“Let’s get it on” (Marvin Gaye)
“Let’s get started” (The Commodores)
Viel Spielraum bleibt da nicht mehr für Neues.
Hihi, irgendwie vermisse ich ja einen Titel namens “Keep on movin’”, aber das ist wohl eine Techno-Phänomen.
Übrigens: Eine Aufzählung der Stücke, deren Namen mit “Love…” beginnen, würde hier einfach den Rahmen sprengen.
Folgendes schrub mir A.-L. aus dem fernen Paris:
hallo r., hier ist eine intelligente, hübsche und lustige französin, die von ende märz bis semesterende in bielefeld ein erasmus semester macht und keinen platz im wohnheim bekommen hat. ich dachte, du würdest vielleicht noch andere möglichkeiten für ausländische studenten kennen und wenn nicht würde ich dich fragen, ob du vielleicht deine ohren umher schweben lassen könntest….
Da ich meine Ohren nicht umher schweben lassen kann, poste ich das mal hier, immerhin gucken hier ja auch so einige Leute rein.
Für eine “intelligente, hübsche und lustige französin” sollte doch wohl eine Unterkunft zu finden sein. Falls jemand etwas weiß, da oben rechts gibt’s ne Möglichkeit, mir zu mailen.






