Verklärung des Damals

Geschrieben am 3 Februar 2006

Ach, wie spannend war das doch damals, als man gerade frisch durch das Abitur geschlüpft kam und die Uni-Halle betrat. Alles war dort so unglaublich grooß und es hielten sich so irrsinnig viele Leute darin auf. Man konnte sich die Seminare und Kurse bis zu einer gewissen Vorgabe selbst aussuchen, obwohl alles so unheimlich kompliziert zu sein schien. Die anderen, die dort herumliefen, sahen so aus, als ob sie das alles bereits verstünden.
Neugierig und mit weit geöffneten Augen lief ich durch die Gänge der Fakultät, die Profs und Angestellten konnten mir alles erzählen, ich glaubte es ihnen sofort vom Fleck weg.

Heute – mit viereinhalb Jahren Distanz - sieht das etwas anders aus. Mittlerweile hat man festgestellt, dass wirklich jeder dort nur mit Wasser kocht. Mehrfach hat man bereits mit eigenen Augen und Ohren erlebt, wie sich die Lehrenden in fehlerhaften Gedankensträngen verstricken.
Die Desillusionierung (offenbar ein Modewort derzeit) ist nicht nur in vollem Gange, sie ist sogar beinahe vollendet.

Doch dieser Tage bekomme ich wieder einmal vielfach zu spüren, wie das damals so gewesen sein könnte, als ich noch frisch und unverbraucht an den Unigestaden anlegte. Meine kleinen Schützlinge bibbern vor der zentralen Germanistikklausur, die sie heute abend schreiben werden und sind einfach schon äußerlich von den anderen Studenten unterscheidbar, weil sie einen etwas verzweifelteren Gesichtsausdruck besitzen als man selbst. Süß.

Tja, damals…Doch möchte ich mit ihnen tauschen? Nein, rückwirkend werden diese Empfindungen doch auch nur verklärt, nicht wahr?

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4 Kommentare bis jetzt
  1. birte. Februar 4, 2006 10:26

    wenn die dozenten die frische und unverbrauchtheit mal nutzen würden, anstatt sie zielgerichtet zu zerstören…

  2. Rouven Februar 4, 2006 10:34

    *autsch* Ist was passiert?
    (Weiter im nicht sichtbaren, un-öffentlichen Bereich…)

  3. birte. Februar 6, 2006 14:03

    nee, das war nur so’n allgemeiner eindruck.
    ist doch wahr…

  4. Rouven Februar 6, 2006 14:23

    Hm, das passt zu ‘ner Romanpassage, die ich neulich gelesen habe.
    Im Prinzip ging’s dort bei ‘ner Unterhaltung zwischen den Hauptcharakteren um die Frage, welch genialer Kopf Einstein doch war, worauf einer in etwa meinte:
    “Tja, die wahren Genies wie Einstein kämen nunmal selten vom Fach. Denn an der Uni wird den Studenten als allererstes das Wichtigste geraubt: der Spaß.”


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