Never say never again
Geschrieben am 25 Februar 2006
Man soll niemals nie sagen. Das ist so eine dieser berühmten Redensarten, die es auch im Englischen gibt, so wie „It’s raining cats and dogs“ usw. Dass man damit einstmals einen Film betitelte, erleichterte es den deutschen Filmverleihern beim Übersetzen ungemein, denken die sich doch sonst allerhand Blödsinn aus.
Im Jahre 1983 fiel die Wahl dieses Namens auf einen Film mit James Bond, und sie fiel wahrscheinlich deshalb, weil zu diesem Zeitpunkt niemand auch nur ansatzweise geahnt hatte, dass Sean Connery noch einmal die Hauptrolle besetzen durfte. „Tja, das habt ihr wohl nicht gedacht, wie? Man soll eben niemals nie sagen.“
Als der Film in die Kinos kam, nahm ich das Phänomen Film im Kino nicht bewusst wahr. Das lag zum Einen daran, dass ich zu der Zeit nunmal erst sieben Jahre alt war, zum Anderen daran, dass wir in einer Kleinstadt wohnten, die über kein solches Etablissement verfügte. Über Kino wurde nunmal nicht im Kindergarten oder in der Grundschule gesprochen, die Eltern und ihre Bekannten redeten auch seltenst darüber. Filme wurden nie als solche besprochen, es gab eben nur das Fernsehen, das aus zwei und den vielen dritten öffentlich-rechtlichen Programmen bestand.
Samstagabends im Sommer fieberte man dann mit und hoffte, dass auf dem ZDF zwischen den drei Wunschfilmen doch derjenige mit Terence Hill und Bud Spencer gewann, was übrigens auch meistens und zum Glück der Fall war.
Wurde ein neuer Film heftig umworben, konnte eigentlich niemand das so richtig verstehen, weil…der lief doch gar nicht im Fernsehen.
Das Unverständnis wurde dann beinahe unerträglich, wenn aus marktstrategischen Gründen ein neu erschienener Film in der Sendung untergebracht wurde, die einfach alle schauten, und das war auch im Fall von „Sag niemals nie“ die Sendung mit der auch heute noch höchsten Einschaltquote Europas: „Wetten dass?“
Dort wurde dann auch immer eine Szene des jeweiligen Films gezeigt, die natürlich auch den auf dem Sofa sitzenden Mitagierenden beinhaltete. Da damals Sean Connery offensichtlich keine Zeit hatte, kam der obligatorische deutschsprachige Bösewicht, in diesem Falle Klaus Maria Brandauer, angereist.
Den Zuschauern wurde ein Ausschnitt präsentiert, indem er, Brandauer als Largo, mit Bond ein multimediales Welteroberungsspiel um hohen Einsatz spielte, bei dem man mittels einiger Joysticks sein Gegenüber durch gezielte virtuelle Schüsse um den Besitz von Ländern bringen konnte. Je höher der Wert eines Landes, das man verlor, um so intensiver auch der Stromstoß, der den verlierenden Kontrahenten betraf. Den alternden, befalteten Bond fiel es leicht, einen Schmerz nachzuahmen, doch der damals in Relation dazu junge Brandauer musste sein gesamtes schauspielerisches Talent aufbieten, um seinen Teint zu verzerren.
Und so lächelte er auch, Gesicht in Großansicht, als ihm das „Wetten dass?“-Publikum die Leistung im Anschluss daraufhin – wie immer - honorierte.
Ich mit meinen sieben Jahren war jedenfalls bestürzt. Computerspiele waren mir bis dato fremd und dann zeigen die mir so etwas, eine Art „Risiko“, das auch noch weh tun konnte.
Weniger bestürzt, aber sehr stark befremdet zeigte ich mich aber über eine ganz andere Sache. Ich kannte nur wenige Leute, aber niemand hatte jemals seinen zweiten Vornamen erwähnt. Selbst habe ich keinen, warum sollte ich mich also darum kümmern. Hier wurde mir aber erstmals einer sehr direkt vor die Nase gehalten.
„Mama, Papa. Warum heißt der Mann da eigentlich „Maria“? Das is doch’n Mädchenname.“
Mama und Papa sahen sich fragend-verzweifelt an.
Da hatten sie’s, wieder so eine Frage vom neugierigen Sohn, der da auf dem Teppich vor dem Wohnzimmertisch herumlungerte und Sachen aufschnappte, die er nicht verstand.
Und dieses Mal war (wenn auch finanziell gerade so drin, aber wohl kaum möglich) die Hoffnung auf ein antwortgebendes „Was-Ist-Was“-Buch für 6 Mark 80 schnell verflogen.
Warum hat der Mann da einen Frauennamen? Darauf wären in einem der Bücher dieser Reihe nicht so viele Bildchen zu erwarten gewesen wie die in denen über Dinosaurier oder Raumfahrt, die er mit dünnem Papier immer abpauste und die Wände seines Zimmers vollpappte.
Aufgrund dieses Mangels an Erklärungsmöglichkeiten und des Desinteresses für das Filmgeschäft gaben sie dann bald eine schnelle, naheliegende Antwort, die den Sprößling in seinem weiteren Lebenslauf prägen sollte:
„Weil seine Eltern doof sind!“

