Zurück zur arrangierten Ehe
Geschrieben am 24 März 2006
Die Drei von Puddingsatt reden im Podcast über den Boom von Partnerbörsen und deren ungeheure Umsätze, dass es mittlerweile ganz normal zu sein scheint, diese Dienste in Anspruch zu nehmen, sogar bekannte und vernunftbegabte Wesen dort zu finden seien.
Zugegeben, auf Anregung einer in diesen Breiten ebenfalls auffindbaren und bestimmt nicht näher genannt werden wollenden Person hab’ ich mich auch mal spaßeshalber mit einem Pseudonym ausgestattet auf etwas in derart eingelassen. Dabei drehte es sich aber um die Umsonstklitsche von EinsLive, dort wurde eigentlich nur geflirtet und die Dates, die darauf folgten, waren die schiere Katastrophe.
Worüber Puddingsatt reden, sind aber – glaub’ ich zumindest – die Bezahlvarianten à la NEU.DE, bei denen man vorab Profile („Raucher“, „Schlafe bei offenem Fenster“ u.ä.) anlegen muss, woraufhin irgendein dubioses Programm vermutlich Wahrscheinlichkeiten errechnet und Idealpartner vorschlägt.
Bislang erschien mir das alles ziemlich entwürdigend und ich konnte mir nur mit sehr viel Phantasie ausgestattet vorstellen, dass man sich auf diese berechnende Weise verlieben konnte, insbesondere wenn man sich dann das erste Mal gegenüber steht und in die Augen sieht.
Eben gerade lief aber ein Beitrag zum Thema bei der ARD-Sendung Polylux, in dem Menschen interviewt wurden, die über eben besagte Börsen ihren Lebenspartner gefunden hatten. Sie berichteten davon, dass es ihnen auf den Verliebtheitsmoment gar nicht ankomme, sondern sie lieber nach der Vernunft aussuchen würden. Das „Verliebtsein“ stünde der Partnerschaft sogar im Wege.
*schreck*
Polylux sieht darin eine mögliche Tendenz zurück zur Vernunftbeziehung, die (nicht nur) in unseren abendländischen Breiten schon vor Industrialisierungszeiten vorherrschte und die zwischenzeitig – u.a. durch Romantik, Emanzipation usw. - unterbrochen wurde.
Die neuen Medien würden es ermöglichen, wieder eine Art „Arrangierung“ von Beziehungen zuzulassen.
Oder überhaupt eine freiwillige Aufgabe der Selbstbestimmung, sage ich. Vielleicht sogar hin zur Institutionalisierung von Partnersuchen.
Ich glaube, ich selbst bin in dieser Hinsicht zu sehr Romantiker, als dass mich damit anfreunden könnte.
(P.S.: Tutoriumsteilnehmerinnen von mir haben mich angequengelt, mal bei yooliety.de teilzunehmen, einer ganz fürchterlich abstoßend aufgemachten Flirtbasis, ins Leben gerufen von ekligen Großraumdiskotheken. Das müsst ihr euch mal ansehen. Ich vermute mal, dass sich dahinter nichts weiter verbirgt als die Absicht, dass die Teenies, die sich dort herumtollen und quatschen, während ihrer virtuellen Hochgefühle ein positives Image der Betreiberdiscos miteinprägen sollen. Oder so.)
EDIT: Na toll. Jetzt werde ich in den Kommentaren sowas von zugespamt von eben diesen Partneradressen, dass ich fast nicht mehr dagegen ankomme…


da hatten wir wohl das gleiche Fernsehprogramm