Der Frühling kommt mit aller Wucht und permanent wird man damit konfrontiert, dass allerorten Hormonschübe für neue, traute Zweisamkeiten sorgen. Nirgends kann das Auge ruhen, ohne auf grünes Gras mit Blumen drauf und Herzchen usw. in der Werbung zu stoßen. Die Leute rennen in die Fitnesscenter, weil dort mit Slogans wie „Nackt besser aussehen!“ geworben wird, in der Hoffnung, dass jetzt bald mal was passiert. Andere beginnen wieder damit, ihre Schmalspur-Boliden in Endlosschleifen durch die Straßen zu bugsieren, um dabei mit überlautem Itze-itze-itze-Techno auf sich aufmerksam zu machen („Ja, ich muss doch die Fenster runterkurbeln, sonst fällt die Heckscheibe von dem Druck raus!“).
Was dabei meist außer Acht gelassen wird ist, dass eben das Mehr an Sonnenlicht und Wärme, die dadurch hervorgerufene Botenstoffflut zu mancherlei zwischenmenschlichen Irrungen, Wirrungen führt, die sich gar nicht so rosig darstellen wie der allgemein herrschende Eindruck über diese Jahreszeit.
In meinem seit geraumer Zeit rapide anwachsenden Bekannten- und Freundeskreis gibt es allerlei Negativbeispiele für Beziehungsstress. Schnell werden bestehende Partnerschaften auf’s Spiel gesetzt, und die Affäre hält dann auch nicht lange („Ach weißt du, irgendwie bist du mir doch nicht attraktiv genug.“ !!!).
Fazit: Alle sind unzufrieden. Und ich als Freund muss mir den Schmarrn hinterher anhören (aber ich Depp frag’ ja auch immer nach).
Ich bin für eine Entzauberung des Frühlings. Arbeitet lieber alle. Oder seid kreativ. Wie nannte man das doch gleich? „Triebsublimierung“, glaub’ ich…
Es passiert mir immer häufiger, dass ich den religiösen Fettnapf trete, wenn ich mit Leuten kommuniziere, bei denen ich blauäugigerweise zunächst einmal voraussetze, dass sie genau so eine atheistische Einstellung besitzen wie ich selbst.
“Na, habt ihr den Geburtstag schön gefeiert?”
“Gestern? Feiern? Es war doch Karfreitag!”
usw.
Jetzt wurde schon hier und da (z.B. in der ZEIT, wenn ich mich recht entsinne) über die Tendenz zurück zum Glauben berichtet, und mein eigener subjektiver Eindruck bestätigt nur, dass die Zahl der (an Gott) Gläubigen wieder zunimmt.
Welche X-Mal zum Brechen gehörte Phrase muss nun konsequenterweise gedroschen werden? Na klar: “Kein Wunder. Wenn die Werte auch allernorts wegbrechen…”
Naja, mir egal, zu großes Thema, sollen die Leute doch machen, was sie für richtig halten, um klarzukommen. Hauptsache, sie versuchen nicht, mich zu missionieren.
Schade finde ich es nur, wenn diese Leute dann nicht einmal mehr über Scherze lachen können, die man an ihren Glauben richtet. Ein fundamentalistischer Christ hätte mich wahrscheinlich in der dann folgenden Diskussion zum Thema Transsubstantiation sofort angezündet. U.a. sagte ich nämlich Dinge wie diese:
“Also, mir gruselt’s ja vor der Vorstellung, ein Drittel der Trinität zu verputzen, nur damit der Lattenjupp weiter in mir fortlebt. Das ist doch kannibalistisch.”
Die angesprochene Christin konnte damit immerhin noch gut umgehen, glaubte sie doch auch nicht daran, dass Jesus in eine Hostie passt.
Und zum Glück bin ich - sollten hier eben solche Fundamentalisten lesen - auch nicht mit meinem Blog realpräsent.
Aber im wahren Leben muss ich jetzt bestimmt aufpassen…
P.S.: Beim Lesen dieses Beitrags manifestiert sich in ihrem Kopf ein beschriebenes Blatt Papier.
Und schon wieder…Gespräche über Beziehungskram. Dass man älter wird erkennt man z.B. daran, dass wir beim jüngsten Gespräch zum Thema eine schöne Analogie über die Ansprüche, die man an den Partner richtet, entwickelt haben:
“Früher ließ ich außer Seattle-Grungerock nichts anderes zu. Damals hätte ich mich für verrückt gehalten, wenn ich behauptet hätte, ich könnte auch mal Soul oder elektronisches Gefrickel mögen.”
Es ist manchmal erstaunlich, was Leute unserer Generation für Erlebnisse für bemerkenswert halten. Insbesondere diejenigen Leute mit unserer Medienkonsums-Sozialisation.
Neulich war ich nämlich auf einer Abschiedsparty eingeladen, will sagen: Eine Freundin beging im Kreise netter Menschen ihren Abschied von dieser Stadt. Ebenfalls war dort ein Mensch eingeladen, den ich bisher nur von Abenden kannte, an denen er sämtlichen Anwesenden als gelernter Friseur die Haare schnitt. Und natürlich - manchmal muss ich schon sagen, dass es fast nervt - passte auch hier das Klischee, dass es sich bei ihm um einen homosexuell Orientierten handelte.
Im Verlauf der weiteren Stunden begann er dann zu erzählen, und zwar in einem Jargon und mit einem Stil, der mich denken ließ: “Mein Gott, dieser Typ könnte Alleinunterhalter werden, einfach nur durch die Art und Weise seiner Rede.”
Vielleicht hatte es an seiner stärker werdenden Zufuhr von Sekt mit Vanilleeis gelegen, dass er plötzlich über bereits frühe Anzeichen seiner Neigung sprach. Die mitunter äußerst derben Geschichten lass ich mal hier dezent unter den Tisch fallen.
Aber mal im Ernst: Wer kann von sich schon behaupten zu wissen, dass Marijke Amado Kinder hasst, weil man sie live hinter der Bühne erlebt hat? Als Achtjähriger, vor und nach seinem eigenen Auftritt bei der Mini Playback Show, bei der man Jason Donovans “Too Many Broken Hearts” vortrug?
Seinen (leiblichen) Enkeln wird er das wohl nie erzählen können. Wenn die denn dann überhaupt noch damit etwas anfangen könnten.
Die Gastgeberin appellierte wenig später an seine Analysefähigkeit von gleichgeschlechtlichem Verhalten. Im Hintergrund lief auf einem Monitor währenddessen ein Video von einer Modenschau, auf dem gerade ein bekanntes Gesicht zu sehen war.
“Sag mal, kannst du eigentlich erkennen, ob der schwul ist?”
Darauf er:”Keine Ahnung, dafür müsste ich mir den mal genauer von hinten ansehen.”
So, jetzt hatte ich es doch wegen der vielen Computerquerelen nicht geschafft, auf die CD-Release-Party von Markus Freise am vergangenen Freitag hinzuweisen, dann will ich das mal wenigstens für eine künftige Lesung seinerseits erledigen.
Die findet nämlich am Mittwoch ab 20.30 Uhr im Bielefelder Mellow Gold statt (Eintritt natürlich frei), und dort kann man dann auch - nachdem man ihn ganz lange lesen gehört hat - massenweise seiner Hörbücher käuflich erwerben.
Oder hier bestellen.
…oder wem auch immer.
Wenigstens das Internet ist wieder da, wenn auch unter ganz mickrigen Bedingungen. So will es das nämlich zunächst nur unter Windows 98 tun. What a kind of Rückschritt.
Die Diagnose der Festplatten ergab beim Bruder, dass wohl der virtuelle Arbeitsspeicher zu schwach auf der Brust war. Erschreckende Diagnose II: Die wichtige, zweite Festplatte ist plötzlich leer.
Und mein Rechner erkennt sie noch nicht einmal. Das hat ein lustiges Gehüpfe der Jumper zur Folge, sag ich Euch…
Jetzt sitz’ ich schon den lieben, langen Tag
im Zimmer, an Ostern, ohne Sonnenlicht.
Die Nerven fast blank und, was ich gar nicht leiden mag:
mein verdammter Rechner bootet nicht!
Da nimmt man sich vor, mal zuhause zu bleiben,
freie Tage zu nutzen, Arbeit voranzutreiben,
wollte mich mal richtig in den Tasten austoben,
doch die olle Mühle schafft’s nicht nach oben.
Beinah’ wird’s zur grusligen Regelmäßigkeit:
Wenn’s dringend ist, ist das Ding nicht bereit.
Wut folgt auf Trauer, dann ein Nebel - wie im Schlummer.
Mann! Das fühlt sich ja fast an wie Liebeskummer!
Wie wird bloß auf die gestrige Mail reagiert?
Dem Weblog wird zwischendurch eifrig Spam zugeführt.
Die betreute Homepage…längst nicht mehr aktuell,
und der Prof will ‘ne Arbeit, und das möglichst schnell.
Und ich weiß jetzt: Da gibt’s einen Gott, der seit jeher gegen mich grollte,
denn VERDAMMT! Da war noch der Text, den ich beim Slam lesen wollte!
All das müsst’ ich bald regeln, doch es will einfach nicht,
dieses microsoftverseuchte Natterngezücht.
Im Zimmer sieht’s aus wie in ‘nem Endzeit-Albtraum,
und nur zu gerne würde ich mal durch die Platinenflut pflügen.
Und wieso heißt dies Kabelgewirr da eigentlich Baum?
Steckte darin wirklich Leben, würd’ ich ihm Schmerzen zufügen.
Ich bin es jetzt leid, meine Geduld ist am Ende.
Wohn’ ich denn hier auf einem Schrottverwertungsgelände?
“Ich will wieder leben!” schreit es aus mir heraus,
und deshalb pack’ ich dich Mistding und werf’ dich jetzt raus.
(gestern geslamt, und obenauf gab es (es war ja noch Zeit übrig) das hier.)
Die Inhaber von Läden für Computerhardware sind mal mindestens genauso überheblich wie die von Plattenläden.
Kommt man da mal mit etwas an, was gerade nicht up to date ist, wird man gleich höhnisch belächelt…
(vom Notebook der Mitbewohnerin geschrieben)
Du heiliger Bimmbamm:
Da bleibt man über die Feiertage mal zuhause, sprich: Fährt nicht zu den Eltern, sondern bleibt in der Studentenbutze in Bielefeld, um was zu tun. Und was muss der Bloginhaber feststellen?
Genau. Worst Case Scenario: Der f* Rechner bootet nicht (ich habe § 5 der Parkverbots-Sprachhygiene ganz oft zitiert die letzten Tage). Und sämtliche Dokumente nicht erreichbar.
Er rennt zwar immer noch nicht, da sich meine erste Fehlerdiagnose als falsch erwies (–> Arbeitsspeicher), aber was diese anbelangt, kann ich die Blogosphäre nur loben.
Als ich nämlich meinen Verdacht aussprach und bemerkte, dass man ja am Feiertag schlecht irgendwo RAM kaufen könnte, geriet ich am Sonntagabend schnell an Ersatz. Dank an die Kontaktkette über 3und20, anmutunddemut und letzten Endes EndeNeu, bei dem ich an die begehrten Blöcke gelangte.
Wer noch einmal behauptet, die Blogger sterben einsam und kennen nur soziale Kälte, denen sei an dieser Stelle ein energisches “Nope!” entgegen geworfen.
P.S.: Der Tipp von MarcTV führte leider in’s Leere…
Sooo. Und jetzt muss ich mich weiter um die Reperatur bemühen…
“Ich muss immer so lachen, wenn wir was anstrengendes machen.”
Mitbewohnerin K. (beim Heraustragen des alten Kühlschranks)


