Blog-Satz

Geschrieben am 23 Mai 2006

Jetzt habe ich mich einmal dazu durchgerungen, den lange gehegten Gedanken in die Tat umzusetzen, hier alles im Blocksatz zu präsentieren. Seit dieses Blog im Oktober letzten Jahres auf diese Domain umzog, hatte ich dieses Vorhaben immer vor mir her geschoben.
In einem früheren Texttechnologie-Seminar (ja, so etwas habe ich auch mal besucht) meinte der Dozent, der hier im allernächsten Blogumfeld sein Wesen treibt, der Blocksatz käme einer strukturellen Sünde gleich. Oder so ähnlich. Weshalb er das sagte, weiß ich gerade nicht mehr so genau, könnte mir aber vorstellen, dass er die unterschiedlich großen Lücken bei den Leerstellen im Block anprangerte, die dabei entstehen.

Bezeichnenderweise heißt der Befehl für den Blocksatz, den man in CSS einfügen muss, “text-align: justify”, und neben der typologischen Bedeutung “justieren” heißt es zufälligerweise allgemein übersetzt auch “rechtfertigen”. Dann tue ich das mal.
Ich persönlich mag es nicht, wenn der Text am rechten Rand so zerfranst daherkommt, und ich habe das Gefühl, als wenn mein Auge dadurch unterschiedlich lange Zeit auf den Zeilen verweilt, durch überlappende Zeilen darüber oder darunter abgelenkt wird. Womöglich beeinflusst das die Konzentration während des Rezeptionsprozesses, hat Einfluss auf das Textverständnis, aber dafür müsste man jemanden fragen, der oder die Erfahrung als Explorator im Eye-Tracking hat (und wir haben ja für diese Dinge in unmittelbarer, virtueller Nähe ExpertInnen).

Ich habe gerade eben mal stichprobenartig in mehrere Bücher gesehen. Mag sein, dass es Ausnahmen gibt, aber in keinem der herangezogenen Bände ist der Text “zerfranst”. Das wird seine Gründe haben.

Im Zuge von PISA und der erschreckenden Erkenntnis, dass viele Heranwachsende gar keine rechte Lust am Lesen empfinden, kann meiner Ansicht nach alleine der erste optische Eindruck eines Textes nicht unter den Tisch fallen gelassen werden, zumal wir an der Uni neuerdings so starkes Gewicht auf Literalität und literarische Kompetenz legen. Auch mittels Textstruktur und Textsatz können fiktive Erzählungen und fachliche Aufsätze lesefreundlich gestaltet werden.

Ich plädiere für den Blocksatz. Hier bitte, da ist er fortan ;-)

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8 Kommentare bis jetzt
  1. Markus Freise Mai 23, 2006 16:26

    Diestelkamp oder Birkenhake? ;-)

    Das Problem beim Blocksatz im Web ist, das keine der bekannten Markup-Sprachen (HTML, XHTML etc.) Silbentrennung kennt. Demnach entstehen ggf. hässliche Löcher zwischen den Worten, die bei Druckerzeugnissen mittels geschickter Worttrennung durch die Satzsoftware (Quark XPress, Adobe Indesign etc.) ausgeglichen werden. Zudem macht eine Mischung aus dem klassischen Blocksatz, bei dem lediglich der Abstand zwischen den Worten verändert wird, mit einer dosierten Anwendung der amerikanischen Weise, die auch das „sperren“ (Vergrößern des Buchstabenabstandes) erlaubt eine größere Flexibilität möglich. Alles das beherscht das Web leider nicht. Schade. Und deshalb ist Blocksatz im Web doof. Du hast Glück im Unglück, da deine Textspalte relativ breit ist. Dann fällt es nicht so sehr auf. Aber im Grunde ist Blocksatz sowieso nur was für Ordnungsfanatiker, bei denen immer alles schön in Linie sein muss. Oder für Schlampen. Denn ein guter Grafiker ist stets auf einem perferkten Ausgleich des Flatterrandes (Zeilenausgleich) bedacht. … So. Noch Fragen?

  2. Rouven Mai 23, 2006 16:30

    Birkenhake ;-)

    Bin ich eben Ordnungsfanatiker und habe Glück im Unglück *g* (und ich habe das dumpfe Gefühl, hier kommt noch mehr an Kommentaren).

  3. Feylamia Mai 23, 2006 22:54

    Ich mag den Blocksatz. Jawoll.

  4. hen Mai 24, 2006 11:21

    Gutes Beispiel warum Blocksatz im WWW scheiße aussieht findet sich (zumindest bei mir) direkt in Markus’ Kommentar: “Buchstabenabstand” und “amerikanischen” sind zu lang und deswegen ist die Zeile dazwischen (von “Weise” bis “des”) wegen der großen Wortabstände extrem schwer lesbar.
    Da ich ebenfalls aktiver Internethandwerker bin, stimme ich Markus voll und ganz zu.

    Oh - und nur ganz am Rande von wegen Experten und so: den verlinkten Eyetrackingtext hat der werte Bunker-MC Joh geschrieben.

  5. Rouven Mai 24, 2006 12:26

    Ich bin eben kein berufsmässiger I-Frickler, sonst wäre ich da wahrscheinlich pingeliger. Mein Prinzip lautet “trial and error” und ich finde für mich selbst bin ich damit autodidakt schon ganz gut weit gekommen.

    Und: Wie bitte? Da suche ich nach einer guten Erklärung dieser Methode und diejenige, die ich mir herauspicke, hat ausgerechnet Joh. geschrieben? Zufälle, Zufälle. Langsam wird’s unheimlich ;-)

  6. hen Mai 24, 2006 13:13

    Ja, kannst Du nicht wissen, aber Joh und ich haben über ne ehemalige Mitkämpferin im harten Switallaprojektekern ganz gute Kontake zu e-teaching.org
    Ich hab da auch mein Scherflein zum Wissenspool beigetragen - stehen nur keine Namen drunter weil wir statt Ruhm lieber Geld für die Texte haben wollten. Ist da so’ne gänzlich unzeitgemäße hausinterne Policy…;-)
    Aber schön dass der Ansatz offenbar funktioniert, wenn Du als Zielgruppenmitglied das für ne gute Erklärung der Methode hälst.

  7. b. Mai 30, 2006 11:11

    an wen darf ich kritik zum eyetracking-text schicken? *g*

  8. Rouven Mai 31, 2006 14:39

    Ja, wahrscheinlich doch an Hen oder Joh, nicht wahr?


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