Angel-A
Geschrieben am 28 Mai 2006
Mit der frischen Liebsten in’s Kino gehen, tja, dafür sollte man sich vorab das Kinoprogramm etwas sorgfältiger durchblättern. Sonst werden da am Ende im Film irgendwelche Ansichten über die Liebe wiedergegeben, gegenüber denen man sich noch vor dem Abspann rechtfertigen muss. Entschieden hatten wir uns dann für “Angel-A” und da war er nun, der zehnte und damit - nach Selbstauflage - letzte Film von Luc Besson. Ich selbst war mir auch nicht darüber bewusst, dass der Regisseur sich diese, ja, asketische Aufgabe gestellt hatte, bis mich Ben darauf hinwies.
Und er hat recht: Was kann man erwarten nach diesem Tieffall von genialen Filmen wie „Leon – der Profi“ bis hin zu so plötzlich komischen Dingen wie „Taxi“, um dann so etwas wie „Das fünfte Element“ zu produzieren? Wo ist denn da bitte mal ein roter Faden auszumachen?
Hatte Leon noch starkes Gewicht auf dem Plot, ging es beim Taxi um Action und im Element, naja, zwar auch um eine Menge Action, aber die Ästhetik spielte dabei keine unwesentliche Rolle.
Und jetzt das! Komplett in Schwarz-Weiß gehalten und mit einer Story ausgestattet, wie man sie bereits X-Mal gesehen/ gelesen geglaubt hat: Da tritt ein Engel in die Welt, um Jemandem unter die Arme zu greifen, der jede Menge Probleme hat, die offensichtlich zunächst finanzieller Natur sind, sich aber bei näherer Betrachtung als Differenzen mit der eigenen Person herausstellen. Oder anders gesagt - im Esoterik-Jargon - : Man muss erst sich selbst lieben können, bevor man sich an andere heranwagt.
Na gut, so banal können Film-Plots nunmal funktionieren.
Ungewöhnlich ist allemal die Figur, der Charakter des Engels “Angel-A” (Rie Rasmussen), die rauchend und hurend mit André (Jamel Debbouze) durch Paris kehrt und ihm durch ihre Dienste zu seinem Schuldenerlass führt.
Eine Viertelstunde vor Schluss des Films kippte das Ganze aber um in’s Grauenhafte und spätestens in der Szene auf der Seine-Brücke (”Ich kann ohne dich nicht mehr leben”) wurde es dann regelrecht peinlich.
Die schlaue Begleitung bemerkte aber glücklicherweise selbst, wie “entsetzlich kitschig” sich die Handlung ab dort gestaltete, und so waren wir uns schnell einig hinsichtlich eines Urteils über diesen Film.

