Nacht der Klänge

Posted on Mai 13, 2006
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Na, ich weiß ja nicht.
Gestern Abend öffnete sich die Uni Bielefeld erneut dem interessierten Kulturpublikum zur “Nacht der Klänge”, um Projekte zu präsentieren, die sich mit, tja, eben mit Geräuschen im weitesten Sinne beschäftigten.
Ich persönlich denke und handele meist so, dass, wenn ich etwas noch nicht kenne, ich es mir zumindest einmal ansehe oder -höre, bevor ich mir ein Urteil bilde, aber dieses Mal trafen die wenigsten Darbietungen wirklich meinen Geschmack. Oder sie waren aufgrund des massenhaften Durchlaufs an Publikum unglücklicherweise einfach fehl am Platze.
Eine Lesung des Stückes “Die Physiker” würde ich mir sonst gerne antun, aber wenn andauernd Personen an mir vorbei laufen, ist das ganze doch nicht so entspannend. Ähnlich verhielt es sich mit so manch anderem Projekt, z.B. dem Abspielen von Klangcollagen, aufgenommen in den Straßen New Yorks.

Höchstinteressant fand ich allerdings die Idee, sich das aufgrund des medialen Fortschritts vermutete Verschwinden von Geräuschen noch einmal bewusst zu machen, indem man 15 Leute in einem abgeschlossenen Raum vor PCs setzt, um danach bei aller Stille zu lauschen, wie diese Rechner allesamt synchron von der Diskette booten. Hihi, eine lustige Geräuschkulisse gab das.

An den musikalischen Darbietungen im engeren Sinne konnte ich allerdings kaum Gefallen finden. O.K., die Uni-Big Band ist mal wirklich gut auf ihrem Gebiet, aber sonst?

-eine 50s Rock’n'Roll-Coverband? Ist wohl für ältere Semester.
-Reggae-Kram? “Was sagt ein Kiffer auf ‘ner Reggae-Party, wenn er nix mehr zu rauchen hat? Richtig: “Mach die Scheißmusik aus!”"
-Merengue auf der Brücke? Ich bin doch nicht in Mittelamerika, ihr Möchtegern-Latin Lover.

Apropos “Möchtegern-Latin Lover”: Nachmittags hatten Slamkollege Schuster und ich noch im Park über die Capoeira-Freaks gelästert, und dann stehen die plötzlich in ihren weißen Leinenhosen in der Unihalle, zappeln, und versuchen dabei, sich nicht versehentlich zu hauen. Und nach Möglichkeit dabei viele Frauen zu beeindrucken.
Gibt es im Sport ein noch größeres Posing als dieses? Komischerweise haben die mit sowas Erfolg.
Zum Glück wurden die immer wieder von einer wirklich guten Breakdance-Truppe abgelöst.

Ich habe übrigens dann noch etwas gespendet für den ‘Kulturbeutel’. Weil ich lieb gefragt wurde. Vielleicht kann man sich dann ja nächstes Jahr Metallica leisten. Oder Björk. Da bin ich dann wieder tolerant.

P.S.: Beim “Carnival der [Pseudo-]Kulturen” werde ich mich dann einschließen. Die vielen Salsa- und Merengue-Clubs Tuchthausen e.V. tue ich mir nicht noch mal an. Jaja, ich weiß, schön für Kinder. Bin aber keins mehr.

Black Hole Blank Canvas

Posted on Mai 10, 2006
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Wieder einmal muss ich fluchen. Ich betrachtete mich bislang als einen ziemlich großen Fan der Gruppe Motorpsycho, kenne sie seit 1994 und seitdem ist mir eigentlich keine Veröffentlichung ihrerseits entgangen und ich habe mehrere Konzerte von ihnen gesehen, scheute mich manchmal auch nicht, dafür längere Fahrten auf mich zu nehmen (Nun gut, die Zeiten mit mobiler Flexibilität sind vorbei). Ganze 15 Alben inkl. einiger EPs reihen sich in meinem Regal aneinander. Ja, die Jungs sind unwahrscheinlich produktiv, mal abgesehen von den letzten drei Jahren, in denen man nichts mehr von ihnen hörte.

Letzte Woche erschrak ich dann aber, als Nachbar Jupp (a.k.a. Michael) mir erzählte, er fahre auf ein Konzert nach Münster. Er wolle sich Motorpsycho ansehen und -hören, da sie ihr neues Album auf einer Tour präsentierten.
Da war’s dann vorbei mit meiner Jugend. Wenn ich das alles nicht mehr mitbekommen hab’, was mag sonst noch an mir vorbeigegangen sein?

Immerhin läuft jetzt das aktuelle Doppelalbum “Black Hole/ Blank Canvas” seit geraumer Zeit in meiner Hütte, und es werden Erinnerungen an die alten Zeiten dieser Band in mir wachgerufen: Hier wird gebraten, was das Zeug hält, Reminiszenzen an Led Zeppelin, Black Sabbath, Kiss usw. am laufenden Band geliefert (insbesondere auf CD1). Schön, dass das heutzutage noch jemand im modernen Geräuschgewand wagt.

[An dieser Stelle ein kurzer Einschub: Oft spricht man, ich auch, von einem Sound-"Wall" oder einer Sound-"Wand", wenn man förmlich erschlagen wurde von dem, was aus den Lautsprechern da auf einen zukommt. Aber Wände und Wälle sind ja eigentlich recht statische Dinge, die ja gerade dafür geschaffen wurden, voneinander zu trennen oder Widerstand zu leisten. Der Effekt, der meistens beschrieben werden soll, ist aber der der Ohnmacht gegenüber den Sinneseindrücken. Ich werde mir ab nun vornehmen, das genaue Gegenteil zu verwenden, nämlich die Sound-"Flut"]

Immer wieder wurde im Fan-Umkreis über das Hippie-Wischiwaschi oder den entsetzlichen Pop der letzten Alben gewettert, ich konnte mich dennoch mit dieser Art Musik anfreunden. Man will ja nicht ewig auf der gleichen Stelle herumtreten. Die aktuelle 2. CD liefert auch für Freunde diesen Stils ein paar Beispiele, wie meinem - bis jetzt - vermuteten Lieblingsstück “You Lose”.

Mal sehen, vielleicht kann ich mich noch mehr dafür begeistern, bis jetzt schildere ich nur einen allerersten Eindruck. Und…aus purem Fandome, dass es für mich persönlich das bestimmende Album für das Jahr 2006 sein könnte.

Das wird groß!

Posted on Mai 8, 2006
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Ein Großteil der Bielefelder Slamily stürzt sich auf die Veranstaltung “UNZENSIERT! - Die Dichterdämmerung” am 02.06. im hiesigen Falkendom.
Einlass ist dort übrigens um 19 Uhr, Beginn ca. eine halbe Stunde später (das steht bis jetzt nirgendwo, aber ich hab’ gerade mit dem Veranstalter zwecks Anmeldung telefoniert).

Dafür wird ein neues Projekt aus der Taufe gehoben:
The Ridder Family feat. The Raketensommer (a.k.a. Marc-Oliver Schuster).

Das wird groooß ;-)

Monomythos

Posted on Mai 7, 2006
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In Hollywood kursiert bereits seit geraumer Zeit und spätestens nach Veröffentlichung der Arbeit von Joseph Campbell (1978) die Theorie vom Monomythos. Diese besagt, dass sich in den modernen Medien der Populärkultur (insbesondere der amerikanischen) immer wieder Strukturen finden lassen, die sich gleichen und Ähnlichkeiten mit den klassischen Mythen aufweisen.
Da ist z.B. ein Held, der auszieht, um Drachen zu töten und Abenteuer zu erleben, damit er ruhigen Gewissens zurück zur Frau des Herzens kehren kann. Oder es geht ganz allgemein um eine Irrfahrt, Suche, entlang an mehreren Stationen hin auf ein bestimmtes Ziel gerichtet.

Bislang hielt ich diese Theorie auch nur für ein nebulöses Hirngespinst, erdacht von ein paar Filmwissenschaftlern. Doch unlängst wies mich Kommilitonin M., die sich demnächst zum Thema Drehbuch prüfen lassen will, auf das Buch „Die Odyssee des Drehbuchschreibers“ von Christopher Vogler hin, welches eine Anleitung, ein Handbuch für Drehbuchschreiber sein soll und sich ganz gezielt und unter Verwendung des Begriffes Monomythos mit eben diesen alten Erzählstrukturen befasst.

Dann werde ich wohl ab nun, wenn Autoren bereits mit den Mythen ausgebildet werden (insbesondere bei Disney), an diese Theorie glauben müssen. Man sagt ja auch immer, erzählte Geschichten müssen „rund“ sein und stimmig, damit sie wahr und glaubhaft erscheinen.
Selbst wenn sie völlig fantastische Dinge und Geschehnisse berichten (siehe „Star Wars“), vollzieht sich in den Erzählungen selbst ein Prozess der Erkenntnis und Selbsterfahrung bis zum Ende hin.
Nicht immer ist dies so offensichtlich adaptiert wie im gerade eben wieder gesehenen und absolut fabelhaften „O Brother, Where Art Thou?“ der Gebrüder Coen, aber man kann sie überall wiederfinden, die Ödipusse, Parzivals und Elektras…

Der Neue beim Friseur

Posted on Mai 4, 2006
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Seit Monaten war ich bereits nicht mehr dort und langsam hielt ich es nicht mehr aus: Ich musste meinen türkischen Friseur “wiedersehen”.
Kaum hatte ich den Laden betreten, durfte ich mich auch schon in den Stuhl setzen, und es war mir auch ziemlich gleichgültig, dass ich das Gesicht, das mich bediente, bislang nicht kannte.
Auf seine Frage, wie ich den Schnitt wünschte, erwiderte ich:

Ach, oben ziemlich viel weg, an den Seiten nicht unbedingt, so Ohren frei, so. Und hinten, diese Matte, die mir über den Hemdkragen guckt, die muss unbedingt verschwinden.”

Er schaute mich ein wenig unverständig von der Seite an, kam mir näher und fragte:

Nümmer Seks?
Wie bitte?” Ich verstand nicht.
Er wiederholte seine Frage:
Nümmer Seks?

Was um Himmels willen wollte der Mann? Hatten die hier jetzt neuerdings so etwas wie durchnummerierte Schablonen, nach denen man wählen konnte? Oder war das eine anzügliche Bitte?

Entschuldigung, das versteh’ ich jetzt nicht,” verdeutlichte ich meine Ahnungslosigkeit.

Daraufhin wies er auf die elektrische Schneidemaschine und auf die ihr befindliche Skala von 1 bis 6. Ein Schrecken durchzog mich:

Oh nein, bitte mit der Schere!

Die darauf folgende Prozedur zog sich etwas hin, der Schneidende gab zu, diese Vorgehensweise nicht gewohnt zu sein und brauchte für jeden Schritt eine Anleitung meinerseits, auf welche Weise er denn verfahren sollte.
Immerhin bin ich so um ein Haar (oder auch ein paar mehr) einer ästhetischen Katastrophe umhin gekommen…

Zehklagen

Posted on Mai 2, 2006
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Es ist mal ein gaaanz merkwürdiges Gefühl, wenn man aufgrund der Wärme beschließt, abends noch ein wenig hinauszugehen, und dann während des Spaziergangs bemerkt, dass die eine Socke offenbar ein Loch hat, sich dieses langsam und allmählich über den großen Zeh stülpt, ihn einerseits abbindet, andererseits die Luft im Schuh spüren lässt.

Aber man will ja vor allen Leuten keine großen Anstalten machen, also Augen zu und durch…

Schade

Posted on Mai 1, 2006
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Offenbar hat jemand humorloses dem Bateman die Lust am Bloggen genommen, d.h. es gibt künftig eine wahrhaft bereichernde Instanz der Bielefelder Virtualität weniger.

Stellt sich nunmehr die Frage: Führt jemand die Bieleblogs weiter? Puddingsatt?

About Pathos

Posted on Mai 1, 2006
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“Ich bohre jetzt seit dreißig Jahren Löcher in die Erde und ich schwöre, ich schwöre, ich habe bis jetzt immer meine Tiefe erreicht.”

(ein zu Tode nervender Bruce Willis in Armaggedon)

EDIT: Heute gibt’s aber ganz schön viel Peter Stormare im Programm

Du wirst nochmal mein Tod sein

Posted on Mai 1, 2006
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In literarischen Werken nach psychologischen Abwehrmechanismen zu suchen, halte ich mal mindestens für problematisch. Nun gut, gewisse Handlungsmuster treten häufiger in Fiktionen auf, schließlich waren es ja Menschen, die sich das meiste ausgedacht haben. Aber man kann’s auch übertreiben.

Das, was Freud sich damals mit dem Motiv der Kästchenwahl überlegt hatte, ist immerhin interessant. Anhand zweier (u.a.) Motive aus Shakespeares Stücken “Der Kaufmann von Venedig” und “König Lear” belegt er, dass die dort beschriebenen Männer bei einer Auswahl aus drei Frauen stets die gefährlichste, stummste, todbringendste wählen. Diese Ausprägung des Thanatos- (”Selbsttötungs-”) Triebes erklärt er unter Bezug auf seine Traumdeutungs-Arbeit damit, dass eben das Grab, die Erde, symbolisch mit der Heimkehr in Mutters Schoß gleichgesetzt werden kann. Weird.

Jeder, der mal von einer Frau auf den Arm genommen wurde, wird dieser Theorie vielleicht in dem Moment der Enttäuschung zustimmen. Beschäftigen tun sich zumindest so einige damit. Wer weiß, womöglich war Siggi beim Schreiben auch gerade sauer auf irgendeine Frau.

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