Misanthropie (revisited)

Geschrieben am 11 Juni 2006

Bevor ich es vergesse, darauf hinzuweisen, sei dies noch schnell hier getan: Bis zum 16.06. gibt es im Theaterlabor am Tor 6 das Molière-Stück “Der Menschenfeind” in einer modernen Inszenierung von Christian Schlüter zu erleben.

Der ca. 300 Jahre alte Stoff, mit dem Molière angeblich ursprünglich die Verhältnisse am französischen Hof kritisieren wollte, hat heute nichts an Aktualität verloren. Hier wird nämlich exemplarisch vorgeführt, in welche persönliche Katastrophe es führen kann, wenn man mit seinen Mitmenschen lediglich “spielt”, Liebe vorgibt, wo keine vorhanden ist, und dieses Handeln nur dem Zwecke gesellschaftlicher Reputation dient.

Fern jeglichen Volksbühnenstils wirken die daraus resultierenden Verstrickungen urkomisch und dem Ensemble gelingt es meisterhaft, die Emotionen der Figuren zum Publikum zu transportieren. Die Schauspieler schaffen es, selbst die Künstlichkeit des Dialogs, der komplett in gereimten Versen gehalten ist, zu durchbrechen. Dies mag auch an den Hinzudichtungen liegen, die eingefügt wurden, um aktuellere Bezüge herstellen zu können.

Letzten Endes stellt sich dann auch heraus, dass der “Menschenfeind” Alceste nicht widerwillig gegenüber seiner Umwelt eingestellt ist, sondern sogar recht gutmütig.

Fazit: Es war für mich das unterhaltsamste Theaterstück (insbesondere die Inszenierung), das ich bislang gesehen habe. Sehr zu empfehlen.

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1 Kommentar bis jetzt
  1. S. Juni 11, 2006 19:15

    Vor allem die brillante Leistung der Célimène (gespielt von Christina Huckle) ist hervorzuheben!


Konsum



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