Mist. Es war eindeutig ein Fehler, nach mehr als einem Vierteljahr gestern Abend mal wieder in’s Movie auszugehen.
Eine Erkältung kündigte sich bereits davor an. Und nun sitze ich hier und bin zu nichts mehr imstande. Das hab’ ich nun davon.
Ich muss jetzt mal ein Geständnis ablegen, für das mich nicht nur die Cineasten unter der Leserschaft höchstwahrscheinlich schelten werden: Heute habe ich erstmals - 12 Jahre nach dessen Erscheinen - den Film “Natural Born Killers” gesehen.
Wie kann das sein bei Jemandem, der Filme mag, außerdem Tarantinos (hier: Story) erste Schritte akribisch verfolgte und zu der Zeit auch u.a. gerne Nine Inch Nails (Soundtrack von Trent Reznor zusammengestellt, u.a. mit einigen Stücken der NIN) hörte?
Das ist schnell erklärt: Die Mädchen, auf die wir Jungs damals im Ländlichen allesamt standen, mochten diesen Film äußerst gerne, was sich mit meiner damaligen [und völlig falschen] Masche des Gefühlsbetonten so gar nicht vertrug. Zumindest vertrug sich die Masche nicht mit meinem äußeren Eindruck einer Geschichte, in der es vorrangig um blutige Gemetzel ging. Der letzte Einblick in einen Teil der Reihe “Gesichter des Todes” war mir damals noch zu präsent und verband sich automatisch mit diesem Filmtitel. Ich dachte damals tatsächlich, “Natural born…” verweist auf den Realitätsgehalt einer Art Dokumentation oder so. Asche auf mein Haupt.
Aufmerksamkeitsgehabe durch völlige Ablehnung allein des bloßen Betrachtens meinerseits war die Folge, bis ich ihn völlig vergaß. Bis heute finde ich zum Beispiel keinen Zugang zu Leonard Cohen, dessen auf dem Soundtrack vertretenen Stücke seit jenen Tagen immer wieder in den Mädchenzimmern gespielt wurden.
Zugegeben, Filmkritiken hatte ich mir seinerzeit nicht durchgelesen. Eventuell hätten mich einfühlsame Worte eines ZEIT-Feuilletonisten davon überzeugen können, dass es hier um mehr ging als einfach nur einen “verdammt geilen Streifen”, wie so oft vernommen in jenen fernen Tagen.
Aber mittlerweile habe ich im Filmblutgucken schon viel zu viel aufgeholt, als dass ich die damalige Debatte darum noch einsehen könnte.
Viel zu oft habe ich jetzt Schemata gesehen, in denen ein Pärchen zusammengeschweißt wird, weil die Umwelt es nicht versteht. Und mindestens genauso häufig den Kampf zwischen der freien Entscheidung, der Selbstbestimmung des Individuums vs. Prägung/Vorbestimmung durch ein Vor- oder Unterbewusstsein. Knast oder Klappse, Evolution oder Wir.
Trotzdem: Schnitt, Kameraführung und Einblendungen…das ist mal genial gelungen. 50er Jahre Familien in Sonntagskluft lächeln in Schwarz-Weiß vor den Killernachrichten im Fernsehen.
Darüber hinaus: Industrial (and Landjugend) is dead!
“Na, Sophia, das hast du aber fein gemacht. Schööööön. Gugugu.”
Es ist immer wieder erstaunlich, wie es Kindern gelingt, eines Tages der Sprache mächtig zu werden, obwohl erwachsene Menschen nur das dümmste Zeug mit ihnen reden. Als wenn man’s mit Hunden zu tun hätte.




