Frrroh
Posted on August 26, 2006
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Befremdend mutet es an (zumindest geht es mir dann immer so), wenn jemand meinen Alters die Selbstoffenbarung “Ich bin froh” bzw. “Wir sind fröhlich” von sich gibt.
Höre ich derart, fühle ich mich sogleich in ein Historiendrama oder eine volkstümliche Sendung auf dem ZDF versetzt. Zumindest die prädikative Verwendung ohne Ergänzung (anders bei “Ich bin wirklich froh über den Ausgang der Sache.”) wirkt auf mich stark archaisch.
Kein Mensch ohne Trachtenkleidung sagt so etwas heute noch, meist wird die “gute Laune” in’s Feld geführt.
Doch es gibt ein paar Ausnahmen.
Ganz hart erwischte es mich neulich, als ich mit der Bahn von Bielefeld nach Lemgo fuhr. Am Startbahnhof fand kurz zuvor eine Demo statt, die Toleranz unter den verschiedenen Religionen o.ä. zeigen und dazu aufrufen sollte.
Leider war ich im Anschluss daran im Zug von einer riesigen, evangelischen Kirchengruppe umgeben: Leute, wesentlich jünger als ich es bin, unterhielten sich darüber, wie es ihrer Seele doch erginge und so Zeugs, plötzlich fingen die an, gemeinschaftlich “fröhliche” Lieder im Zug zu singen. Offenbar war ich der Einzige, der nicht zu ihnen gehörte. Zum Glück dauerte die Fahrt nicht so lange an, höchstens vierzig Minuten. Darüber war ich dann wieder sehr froh.
Von Grass lernen
Posted on August 25, 2006
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siehe hier bei Katz & Goldt
Der freie Tag
Posted on August 24, 2006
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Ich lieg im Biberbettbezug
den ganzen Tag herum, widebum.
Ich rüttel mich, ich schüttel mich,
ich werf mein Kissen über mich.
Ich lieg im Biberbettbezug
den ganzen Tag herum.
Take back the field
Posted on August 22, 2006
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via Fred, siehe auch Spiegel-Online
Dropping Knowledge
Posted on August 22, 2006
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Hier haben sich einige Menschen gefunden, die nur zu gerne ein paar Antworten auf die Menschheit loslassen wollen. Denkt Euch mal schöne Fragen aus:

via Markus bei GSA
Blenderei
Posted on August 22, 2006
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Wow, endlich mal ganz cool “Web 2.0″ sein. Ach quatsch, ist ja nur ‘ne Farce, aber aussehen tut’s chic.
Killefit+2.0BETA.png)
Frage
Posted on August 21, 2006
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Kann mir mal ein b2evo-versierter Mensch erklären, wie man hier flickr einbindet?
Leserreporter
Posted on August 20, 2006
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In dem Lager, in dem ich mir zur Zeit zum Zwecke des Gelderwerbs täglich meine Portion Muskelkater abhole, komme ich auch im Pausenraum in den “Genuss” der größten deutschen Boulevardzeitung.
Dabei ist mir mal wieder etwas negativ aufgefallen: Anscheinend bewältigen sie es bei diesem Blatt selbst nicht mehr, in der Sch* zu wühlen und rekrutieren ihre eigene Leserschaft, indem sie jeweils 500 Euro dafür bieten, “gelungene” Fotos zu liefern.
Wie zum Beispiel das hier:

Der arme Polizist dort. Wahrscheinlich hätte er lediglich einen kleinen Rüffel von seinem Vorgesetzten erhalten, nun hat er bestimmt eine Abmahnung kassiert.
Nichtsdestotrotz ist erneut ein Stück Voyeurismus befriedigt, wir haben alle herzlich aus Schadenfreude gelacht. Und demnächst rennt die halbe Republik durch die Botanik und bespitzelt sich gegenseitig.
P.S.: Benötige ich jetzt eigentlich einen Rechtsbeistand wie Gerhard Henschel (siehe hier, vierter Absatz zum “Leben”)?
Volver - Zurückkehren
Posted on August 20, 2006
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So (o.ä.) sagt es Raimunda ihrer Tochter Paula im neuen Film “Volver - Zurückkehren” von Pedro Almodóvar.
Kurz zuvor hatte Paco, Raimundas Ehemann, sich Paula sexuell genähert mit den Worten, es würde nichts ausmachen, er sei schließlich gar nicht ihr Vater, woraufhin die Tochter ein Küchenmesser ergriff und ihn erstach. Nun liegt der Tote in der Tiefkühltruhe des Nachbarrestaurants aufgebahrt und muss schleunigst verschwinden.
Raimunda verspricht daraufhin ihrer Tochter, ihr alles über ihren wahren Vater zu berichten. Und diese Wahrheit ist nicht einfach zu verdauen.
Almodóvar kehrt titelgerecht zu seinen Themen zurück: Starke Frauen und
ihr Durchsetzungsvermögen in einer patriarchalischen Gesellschaft (und die Männerwelt kommt hier nun wirklich nicht gut davon: Der Einzige, der ein paar Sätze mehr sagen darf, nämlich Paco, wird um die Ecke gebracht. In seinem Fall aber zu Recht). Zuletzt kämpfte Manuela in “Alles über meine Mutter” (1999) für den Willen ihres verstorbenen Sohnes Esteban. Ihm gab sie ebenfalls in fast genauem Wortlaut das oben genannte Versprechen. Auch hier hält das Leben Widrigkeiten fernab jeglichen Kitsches bereit.
“Heimkehren mit einem verwitterten Gesicht, der Schnee der Zeit hat meine Schläfen gebleicht und weiß gemacht. Spüren… daß das Leben ein Windstoß ist, daß zwanzig Jahre nichts sind, daß der fiebrige Blick, der durch den Schatten wandert, nach dir ausschaut und dich nennt…”
So lauten die übersetzten Zeilen eines Liedes, das Raimunda eines Abends vorträgt und das sie vor Jahren von ihrer verstorbenen Mutter gelernt hatte. Während sie dieses singt, wird sie von jemandem beobachtet.
Tage zuvor - Raimunda war mit der Beseitigung des Leichnams beschäftigt - kehrt Sole, ihre Schwester in deren Heimat, die La Mancha zurück (grandios: die Windmühlen des Don Quixote haben sich mittlerweile in Windparks verwandelt). Dort findet die Bestattungsfeier ihrer gemeinsamen Tante statt.
Nach einem langen Tag inmitten Kondolenzbekundungen findet sie - wieder in Madrid - im Kofferraum ihres Autos die Mutter auf: Sie will die Wertsachen der Tante nicht den Verwandten überlassen. Sole nimmt sie bei sich zuhause auf, wo sie sie in ihrem illegalen Friseurbetrieb einspannt.
Nach und nach gibt sich der “Geist” immer häufiger zu sehen…
Doch wie diese “Erscheinung” mit Raimundas prekärer Situation zusammenhängt, mögen die geneigten Leser bei einem eigenen Kinogang herausfinden.
Trailer-Vorschau (Spanisch mit englischen Untertiteln):
Weiterführendes:
- Volver bei IMDb
- Pedro Almodóvar
Kritiken und Rezensionen:
- Die ZEIT
- Süddeutsche
- F.A.Z.
Dicker Schinken zum Versinken
Posted on August 18, 2006
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Zugegeben, den Titel habe ich hier geklaut, dort, wo sich der von mir jüngst beendete Schinken zwischen anderen, weit eher dem Kanon angehörigen Romanen wiederfindet.
Lange habe ich dafür benötigt, immer wieder lag er mal ein, zwei Monate ungelesen in der Ecke: Die nebenbei dafür geführten Recherchen waren manches Mal etwas zu zeitintensiv. Aber gelohnt hat es sich allemal.
Mit einer Reminiszenz an große Klassiker ist Mulischs Roman “Die Entdeckung des Himmels” entlang eines Prologs bis hin zum Epilog, unterbrochen von einigen Intermezzi, strukturiert. Auf 800 Seiten wird den Hauptakteuren nicht klar, dass ihr gesamtes Tun bereits durch höhere Mächte bestimmt ist: Gott (oder “Jahweh”, vielleicht auch Allah (so deutlich wird das nie)) führt mit ihnen seinen letzten Plan aus.
Doch so etwas benötigt lange Zeit, in diesem Fall drei Generationen, die sich entlanghangelnd an Gegensätzen auf unterschiedliche Weise (und mehr oder weniger bewusst) dem Ursprung und dem Werden der Menschheit widmen.
Max Delius, Sohn eines NS-Offiziers, der seine eigene jüdische Ehefrau (und damit Max’ Mutter) deportieren ließ, ist Astronom und dem Big Bang mit naturwissenschaftlichen Theorien auf der Spur.
Onno Quist, Spross einer Adels- und Politikerfamilie, ist ein wahres Sprachgenie und versucht, den Diskos von Phaistos, ein Schriftrelikt aus der Bronzezeit, zu entziffern.
Die beiden lernen sich während einer Autofahrt kennen und werden Freunde.
“Ach, das ist noch gar nichts. Wenn ich einmal groß bin, kaufe ich mir einen weißen, offenen Rolls-Royce. Dann setze ich mich in einem weißen Pelzmantel in den Fonds, und ans Steuer eine bildhübsche Frau.”
Mit schiefem Mund mußte auch Onno jetzt lachen und drehte den Kopf zur Seite. Er hatte bereits den Ansatz eines Doppelkinns.
“Warum kaufen Sie nicht gleich einen Kinderwagen?”
Max sah in ihn kurz an. Sie hatten einander gefunden - das war der Moment. Wußten sie es, wußten sie es beide?
Diese Art von unterschwelliger Ironie ist im Folgenden ständig in den Gesprächen dieser so unterschiedlich gearteten Figuren vorhanden, gleichgültig, ob es um ihre einzelnen Fachgebiete geht oder um andere, sich antagonistisch verhaltende Kategorien und Ideologien.
So begleiten sie Ada, eine Cellistin und Max’ ehemalige Freundin, nach Kuba zu einem Konzert, wo sie im Rahmen eines dort stattfindenen Kongresses nicht nur Futter für Abhandlungen über den Kommunismus bzw. Kapitalismus erhalten.
Nachdem Ada, die Muse des Trios, an Onno gerät und diese beiden heiraten, bleibt im Späteren unklar, wer nun eigentlich der Vater des Sohnes ist, den sie zur Welt bringt.
Dieser wächst in einer Umgebung mit Künstlern, Historikern und Architekten auf und entwickelt eigenwillige Gedanken von der Beschaffenheit der Welt…
Zum Ende erwartet den Leser dann eine kriminalistische Spurensuche vom Forum Romanum bis hin nach Jerusalem, wie sie William von Baskervilles Fährtenlese in Ecos “Name der Rose” in nichts nachsteht.
Die im Roman getätigten Exkurse über Kunstobjekte, Sprache, Gebäude oder Religion verlangen dem Leser einiges an Geduld ab, sind aber mehr als anregend. Viel Zeit habe ich im Netz verbracht, um mehr zu erfahren, z.B. über Baumeister wie Palladio, virtuelle Rundgänge am und im römischen Pantheon unternommen und die Geschichte des Tempelbergs ergoogelt.
Jedem, der noch ein wenig von der vorlesungsfreien Zeit übrig hat (und natürlich auch jedem anderen), sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Bei Amazon bekommt man es gebraucht für nur ein paar Euro.
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