Es gibt wieder was zu lesen!
Ein neues Blog hat sich aufgetan, in dem es thematisch rund um das Leben in Bielefeld gehen wird. Egal, ob kulturell oder sportlich, rein subjektiv werden künftig Mischa Verollét und meine Wenigkeit im Sparrenblog berichten, was uns interessiert und interessieren sollte. Wie die Stadt von uns empfunden wird.

Also ab damit in die Favoriten und Bookmarks, rein in die Blogrolls:

Sparrenblog.de

EDIT: Es kann natürlich hin und wieder zu Doppel-Erscheinungen hinsichtlich der Beiträge hier und dort kommen ;-)

Heute spreche ich mal ein vermutlich nicht gerade trendy Event an.
Cool ist, wer seinen Weg geht, auch wenn er dabei nicht immer mehrheitstaugliche Dinge verfolgt. Zum Beispiel im Bereich Musik: Manch einer beschwört Tomte-Platten, andere belagern die Ticketkassen wegen Karten für “The Rapture”. Dann gibt’s da noch diejenigen, die monatelang mit den Hurricane-Bändchen durch die Botanik wetzen.

Doch seien wir mal ehrlich: Ist das wirklich so anders, so alternativ? Schwer zu sagen mittlerweile, auch, wenn die Verkaufscharts diese Frage einheitlich bejahen würden.
Von vielen dieser “subkulturellen” Musik-Hörer weiß man aber auch, dass sie zur Entspannung (mitunter heimlich) Klänge orchestraler Art an ihr Gehör lassen: Abends zum Buch und Rotwein säuselt man sich nebenher anhand von pastoralen Chorklängen, Opern oder den Vier Jahreszeiten in die Nähe des Reichs besserer Träume.

Aber so etwas live antun? Wozu?
Das ist doch teuer! - Stimmt ja gar nicht. Zwischen zehn und fünfzehn Euro für ein Live-Konzert mit an die Hundert Beteiligten ist im Vergleich zu manch anderen trendy Geschichten geschenkt.
Ich hab nichts zum Anziehen! - Das Klischee von der pompösen Opern-Abendgarderobe kennt man aus Hollywood-Schinken. Die Perücken wurden aber das letzte Mal vor zweihundert Jahren gepudert.

Zurück zum “Wozu?”: Wegen der Erhabenheit des Erlebnisses, wenn hunderte Personen synchron an der Interpretation eines Stücks arbeiten. In Räumlichkeiten, deren Akustik extra für eine solche Darbietung konzipiert wurden.

Jetzt machst du aber voll einen auf Bildung, was?

Nein, ganz und gar nicht. Ich weise nur an dieser Stelle auf eine echte Hör-Alternative hin, die sonst selten jemand auf diesem Weg empfiehlt.
Nämlich der Darbietung des Konzertchores Bielefeld am Sonntag, 19 Uhr, in der Oetkerhalle.


Das rockt gewaltig.

Näheres hier: http://www.konzertchor-bielefeld.de

Wieder ist eine Woche Lagerstress überstanden und das Wochenende kann in’s - hoffentlich ruhige - Haus kommen.

Den morgigen Tag werde ich mich definitiv mal nach etwas anderem umhören. Und am Montag ebenfalls, denn da beißt sich die Katze ansonsten in den Schwanz. Arbeitet man zu derart ungünstigen Zeiten, hat man einfach gar keine Zeit mehr, sich woanders vorzustellen.

Oder, wie es T., ein dortiger Arbeiter zu sagen pflegt: “Nein, du hast nicht nur dafür keine Zeit übrig, du hast für einfach gar nix mehr Zeit.”

Neuerdings schaue ich mir dienstagabends immer Frontal21 auf dem ZDF an, erstens, weil ich nach diesem Lagerjob zu kaum etwas anderem in der Lage bin als fern zu sehen und zweitens, weil es sich dabei um ein spannendes Politmagazin handelt. Beim Betrachten von Beiträgen über die deutsche Lobbyarbeit oder darüber, wie Unternehmen Gesetzeslücken schamlos ausnutzen, bekommt man automatisch Assoziationen zum “Paten” oder zu Zuständen im alten Rom (die “Lobby” kommt ja nicht von ungefähr).

Ob Krankenhäuser wegen der Fallpauschalen ihre Ambulantpatienten lieber notdürftig behandeln und wieder nachhause schicken oder ob Energiekonzerne von der Regierung kostenlos “Verschmutzungszertifikate” erhalten, diese aber dann wieder als Kosten (obwohl nicht geleistet) auf den Verbraucher drücken: Nach jeder neuen Sendung kommt man auf den Gedanken, die Ausbeutung des Menschen erreicht eine neue Qualität. Und alle machen munter mit.

“Man muss einen Fehler solange machen, bis man ihn richtig beherrscht”

Desideria

Nachdem mir der Toaster ja neulich abhanden gekommen worden ist, bin ich für Anregungen dankbar, wie ich nun das labberige Weißbrot so zubereite. Aber ich gehöre auch zu den Leuten, die ihre Mahlzeit mit Hunger im Bauch anfertigen, daher wären diese Variationen hier wahrscheinlich eher nicht unter meinen Kreationen anzutreffen. Darüber hinaus müsste ich vermutlich statt der Butter Heißkleber verwenden.

via Das hermetische Café

mit ein paar Bäumen und (tatsächlich) einem Menschen.

Da war er nun endlich: Der heißerwartete und vieldiskutierte Film zum Buch “Das Parfum“, mit dem so richtig keiner mehr gerechnet hatte. Bereits vorab hatte Süskind einmal filmisch durchsickern lassen, wie er zu einer Verfilmung des Stoffs steht und als Drehbuchautor für “Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief” zu verstehen gegeben, dass die Chancen dafür nicht sehr gut stünden.
Doch er hatte es dann doch nach zähem Ringen geschafft und nun gibt es die bislang teuerste deutsche Filmproduktion in den Kinos zu sehen. Nur, wie bereits beim Buch gestaltete sich ein Problem bei der Umsetzung als äußerst schwer lösbar: Literarisch war es schon nicht einfach, das zentrale Thema des Romans, olfaktorische Reize, zu beschreiben. Ein Medium wie der Film, der audiovisuell arbeitet, kann dies selbstverständlich auch nicht leisten.

Tom Tykwer, der mit der Regie beauftragt wurde, löste dies, indem er opulente Bilder von Dingen liefert, die man eindeutig und sofort mit Gerüchen assoziiert: Allein die Eingangssequenz auf dem Fischmarkt ist mit allerlei ekligen Aufnahmen versehen, so dass ich befürchtete, einige Zuschauer mit empfindlichen Mägen könnten den Saal gleich wieder verlassen. Der Protagonist Grenouille (gespielt vom bisher - in Filmen eher unauffälligen - Ben Wishaw) ist nunmal mit den Gerüchen nicht wählerisch, so erzählt uns aus dem Off Otto Sander (worüber ich sehr glücklich war. Sofort denkt man an die alten Märchenkassetten aus der 80er Jahre-Kindheit).
Tykwer gelingt es mit Farbspielen und Objekten, nicht zu vergessen mit Grenouilles ständig präsenter Nase und dem Geräusch des Riechens, dass dem Betrachter permanent Gerüche in Erinnerung gerufen werden, nicht nur vom Fischmarkt, sondern zum Beispiel beim Schwenk über lila Felder an Lavendel.
Mein erster Gedanke, hierfür sei evtl. erstmals eine Art Geruchskino erforderlich (wie seinerzeit bei Schiller und dem Bisamgestank), erwies sich als überflüssig: Die Phantasie ist zu weit mehr imstande und synästhetische Effekte treten durch intelligente Kniffe ganz von selbst ein.
Frage: Wie duftet der Nacken des Mädchens, das Grenouille in den Gassen von Paris verfolgt? Ganz einfach. Sie entdeckt ihren Verfolger, bietet ihm daraufhin aus ihrem Verkaufskorb eine Frucht an: “Möchtest du eine Mirabelle?

Ach ja, nach Mirabellen duftet sie. Ich hab zwar keine Ahnung mehr, wie diese Früchte schmecken, aber das wird es wohl sein.

Ein weiterer Aspekt, bei dem bei dieser Interpretation des Werks ein hohes Gewicht liegt, ist der der “Konservierung” von etwas nicht Greifbarem, was Grenouille, der zu Emotionen kaum in der Lage scheint, tatsächlich mit den Eigengerüchen der Menschen gelingt.

Von Anfang an ist allerdings klar, wozu er diese Fähigkeit nutzen wird: Zur Erlangung von Macht. Ob ihm diese am etwas skurill dargestellten Ende gelingt, dürfte den Lesern des Romans wohl hinlänglich bekannt sein.

Andere Sequenzen der Buchvorlage mussten im Film vernachlässigt werden. So wurde der Zeit, die Grenouille in seiner Höhle im Bergmassiv verbringt, im Verhältnis zum Roman deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt, ist aber bei einem Werk dieser Art nur zu verständlich. 147 Minuten Filmmaterial klingen für den Kinobesucher an der Kasse respektabel, zumal mit einem langen Werbeblock davor zu rechnen ist.
Dennoch erschien mir der Film erstaunlich kurzweilig!

Mehr:

- IMDb-Eintrag für “Das Parfum”
- Sehr informative Fan-Page zu Buch und Film

Trailer bei Youtube:

Ach ja, da war ja noch was, “die Lesung zwischen Samstagskater und Lindenstrasse” findet am Sonntag ab 15 Uhr wieder im FabrikArt in der Viktoriastraße statt. Dieses Mal mit Marc-Oliver Schuster und Markus Freise. Eintritt ist wie immer geschenkt, aber ein paar Spendengelder dürfen gerne mitgebracht werden.

Mehr Infos hier