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Herzog

Ich weiß ja eigentlich nicht, was die Leute alle an den Filmen von Werner Herzog finden. In der TVMovie heißt es sogar zu seinen Filmen mit Klaus Kinski, sie gehörten „zum Besten des deutschen Films überhaupt“. Bei den dreien davon, die ich kenne – „Woyzeck“, „Nosferatu“ und „Fitzcarraldo“ – kann ich dieses Urteil allerdings nicht teilen.

Während eines Filmseminars, dass ich einst besuchte, meinte ein Kommilitone einmal ernsthaft, sie besäßen „eine gewisse Fernsehästhetik“, nachdem wir uns „Nosferatu“ angesehen hatten. Der Film hat unglaublich langatmige Stellen und bewirkt dadurch so manches Mal eine (evtl.?) ungewollte Komik, z.B. in der Szene, in der der Vampir sich von hinten an sein Opfer heranschleicht.
Eine „Fernsehästhetik“ existiert natürlich nicht per se, vielmehr kann man mit Sicherheit sagen, dass TV-Filme in der Regel mit einem niedrigerem Budget zustande kommen als nunmal ein Hollywoodschinken. Wenn ein deutscher Regisseur seine Handlung in entlegene Regionen transportiert und seine deutschen Schauspieler ungewohnte Namen verleiht, so erinnert das den heutigen Betrachter durchaus oft an eine Rosamunde Pilcher-Verfilmung. Mit einer wie auch immer gearteten Fernsehästhetik hat das nicht viel gemein.

Vielmehr liegt es daran, dass man wahrscheinlich die Synchronspur vermisst, die meistens unangenehme Nebengeräusche ausblendet. Bei Herzog sind sie vorhanden. Dazu kommt seine Neigung für aufwendige Kulissen, in die er die deutschparlierenden Akteure stellt. Mit authentischen Geräuschen ausgestattet, kommt das dem synchron verwöhnten Zuschauer und –hörer oftmals befremdlich vor.

Vor kurzem zeigte ARTE sich dann bereit, „Fitzcarraldo“ zu senden (und tut dies, ich glaube, Montagnacht noch einmal), für den der Regenwald Kulisse stand, und bei dem man sich fragte, was denn jetzt hier Vorrang hatte: Die Obsession des Industriellen, ein Schiff über einen Berg, hin zu seiner Plantage, zu transportieren, oder sollte das Augenmerk auf den „Clash of Cultures“ mit den Eingeborenen gerichtet werden?
Aber Herzogs Langatmigkeit ist schon erstaunlich, auch bei diesem Film („Himmel, wann ist das olle Schiff denn endlich oben?“).

Nee, ich kann mich mit seinen Filmen einfach nicht anfreunden. Was mich aber brennend interessieren würde, wäre Herzogs Dokumentation „Mein liebster Feind“ über die schwierige Zusammenarbeit mit Kinski.

3 Kommentare

  1. OIK schrieb:

    Ich find Nosferatu super, kenn aber die anderen Filme auch nicht und halte mich eh für einen eher unerfahrenen Kritiker. Wie auch bei Musik liebe ich eigentlich die “langatmigen Stellen” besonders…

    Woyzeck fand ich allerdings als Buch schon doof, weiss nicht ob ich da den Film mögen würde

    Donnerstag, 21. September 2006 um 15:29 | Permalink
  2. Rouven schrieb:

    Na, Du drückst Dich da anscheinend drastischer aus (ich hab’ mich noch zurückgehalten *g*).

    Mittwoch, 20. September 2006 um 20:13 | Permalink
  3. ben_ schrieb:

    Es ist die große Tragödie von Herzogs und Kinski, dass sie ihre besten Leistungen gemeinsam vollbracht haben, dass aber alles, was sie gemacht haben von einer nie beispiellosen Langeweile ist. Herzog ist schlicht ein hundmsiserabler Erzähler.

    Mittwoch, 20. September 2006 um 16:28 | Permalink

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