Dann schnell bei der Verlosung für Schmittis Sneak Preview am Mittwoch im Astoria teilnehmen!
Ich darf leider nicht ![]()
Heute wurde dann der Stern-Report (s. auch Bericht vom WWF) vorgelegt, in dem der Hauptautor und ehemalige Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, den Volkswirtschaften vorrechnet, was eine Missachtung des Klimawandels die Menschheit kosten könnte. Wohlgemerkt: kosten.
20% des Bruttosozialprodukts kann dabei drauf gehen, wenn die Industrien wie gehabt CO2 in die Luft pulvern, wogegen man lediglich 1% opfern müsste, um den katastrophalen Auswirkungen entgegen kommen zu können.
Dem Medien-Trubel, den die Nachricht ausgelöst hat, nach zu urteilen, zeigt diese Ankündigung Wirkung.
Es ist schon traurig, wenn man den lobbyhörigen Ministern erst einmal in Geldwerten vorrechnen muss, was es uns kosten kann, bevor diese ernsthaft über umfassende Maßnahmen nachdenken. Mal gucken, ob’s auch was bringt.
In der Vergangenheit hat das Friedensnobelpreis-Kommitee die Auszeichnung gelegentlich nicht sofort nachvollziehbar vergeben. So zum Beispiel im Jahr 2002, als Jimmi Carter geehrt wurde, da während seiner Amtszeit als US-Präsident kein Soldat in einem Auslandseinsatz zu Tode kam (obwohl in der Begründung etwas anderes stand), und dieses nur als an die bestehende Regierung gerichtetes Zeichen gelesen werden konnte. Oder 1994 an Jassir Arafat für seine Bemühungen zur Lösung des Nahostkonfliktes.
Nun hat Mohammed Yunus aus Bangladesh den Preis erhalten, der mit seiner Grameen-Bank Kleinkredite an arme Menschen zur Existenzgründung vergibt und damit für eine größere Zu-Friedenheit der Bevölkerung sorgt.
“Dauerhafter Frieden kann nicht erreicht werden, ohne dass große Teile der Bevölkerung die Armut hinter sich lassen“, erkennt das Kommitee in seiner Begründung und ehrt damit endlich jemanden, der am Nährboden für Gewalt ansetzt.
In diesem Zusammenhang zitiert die ZEIT den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt (ebenfalls ausgezeichnet): “Entwicklung im weiteren Sinn ist ein anderes Wort für Frieden”.
Oder anders - im Umkehrschluss - ausgedrückt: “Rückentwicklung ist ein anderes Wort für Unzu-Friedenheit.”
Heute Abend ausgehen? Danke, nein. Das Programm weiß mich nicht zu begeistern, mein Elan ist für diesen Tag nahe dem Nullpunkt angelangt.
Da ist es doch erfreulich, wenn endlich die Doku “Mein liebster Feind” im Briefkasten lag, in die ich bereits mit S. hineingesehen hab’.
Wie früher an anderer Stelle bemerkt, empfinde ich die mir bekannten Filme von Werner Herzog für ungeheuer langweilig. Nicht, dass darin wenig passieren würde, oh nein. Es geschieht sogar meist jede Menge, doch die Art und Weise, wie er erzählt, ist mal extrem langatmig. Lange Einstellungen mit langsamen Kamerafahrten ohne Schnitt: Dass die Kameramänner dabei nicht eingeschlafen sind, grenzt an ein Wunder.
Schaut man sich jetzt aber einmal die Dokumentation über die Zusammenarbeit mit seinem fünfmaligen Hauptdarsteller Klaus Kinski an, würde man sich wünschen, dass er so manches Outtake mit in seine Spielfilme hineingenommen hätte. Welche Dynamik Kinskis Tobsuchtsanfälle plötzlich erzeugt hätten?
Wüsste man nicht ganz genau, dass er das alles auch tatsächlich so meinte, könnte man es als ganz großes Entertainment ansehen.
Gleich zu Beginn gibt Herzog mehrere Anekdoten über den Charakter Kinskis zum Besten, unter anderem diese:

“Ich hatte Kinski mein Drehbuch geschickt und zwei Nächte darauf weckte mich das Telefon um drei Uhr morgens. Ich konnte erst gar nicht ausmachen, was los war, ich hörte nur unartikulierte Schreie am anderen Ende der Leitung. Es war Kinski. Nach einer halben Stunde ließ sich in etwa aus den Schreien herausfiltern, dass er von dem Drehbuch begeistert war, dass er Aguirre sein wolle.”
Nach den anderen, dort gezeigten Mitschnitte ist es höchst erstaunlich, wie man überhaupt mit jemandem wie Kinski zusammen arbeiten konnte. Bezeichnend ist das Angebot des Indio-Häuptlings aus “Fitzcarraldo”, dass er Kinski für Herzog umbringen könnte. Und der kurze Moment, in dem Herzog überlegt hatte, das Angebot anzunehmen.
Unglaublich, aber auch faszinierend! Vielleicht sollte ich für meinen nächsten Fernsehauftritt einmal Wutausbrüche einstudieren.
Morgen Abend geht es dann wieder hinaus. In das Stück “Kleinmann, Gott und der Tod” im Mobilen Theater. Dort halte ich mich dann aber noch im Zaum.
Na gut. Ich hatte ja eigentlich auf den Überraschungs-Effekt gezielt, aber Kollege Mischa vom Sparrenblog hat es vorweg genommen: Heute Abend werde ich dann wohl in der “Lokalzeit”-Sendung vom WDR (19:30 Uhr) etwas zum Thema Bloggen erzählen. Gekommen ist es dazu aufgrund diesen Aufrufes hier.
Wie gesagt, es geht um den Typ Blogger an sich und was so jemanden ausmacht, zur technischen Seite erzählt dann Oliver von Lycos ein paar Details. Es handelt sich dabei also um eine ganz trockene Geschichte und hat nicht zum Ziel, einen medialen Hype zu erzeugen (Dinge wie die Erfolgsstory von Rob Vegas bei Harald Schmidt gestern Abend sind eh’ nicht mehr zu toppen).
Der Beitrag hier dient dann auch als Sammelbecken für die Kommentare darauf. Ich weiß ja nicht, was der nette Redakteur Thomas von meinen Aussagen letzten Endes senden lassen will.
EDIT wenig später:
Und schon wieder ist eine Einladung zur Teilnahme an einer Meinugsumfrage im E-Mail-Postfach gelandet. Wenn es darum geht, ein repräsentatives Bild von Ansichten zu schaffen, enthalte auch ich mich dem nicht. Doch es häufen sich eher die Umfragen, bei denen man nach wenigen beantworteten Fragen schon wieder herausgeworfen wird.
“Welche der folgenden Fachrichtungen studieren Sie?”
Hmmm…Sprach- und Geisteswissenschaften (klick)
“Tut uns leid, aber Sie gehören nicht zur Zielgruppe dieser Umfrage!”
oder anders:
“Beabsichtigen Sie, in der nächsten Zeit ein Auto zu kaufen?”
Nein, natürlich nicht (klick)
“Tut uns leid, aber…” usw. usf.
Das ist ziemlich entmutigend. Studiere ich nicht BWL oder Jura, habe ich kurzfristig nicht vor, mir große Vermögenswerte anzuschaffen, dann ist meine Meinung nicht gefragt. Uninteressant. Herausgefiltert.
Wenn man länger darüber nachdenkt, ist es sogar frustrierend, dass ausgerechnet die Leute mit etwas mehr Kaufkraft für die Teilnahme an derlei Umfragen auch noch mit Bonuspunkten, Rabatten etc. belohnt werden.
Aber tragen wir es mit Fassung. Was will man schon erwarten, wenn die Institute ihre Umfragen auf diesem, elektronischen Weg angehen. Wo doch noch nicht einmal alle einen Internet-Zugang besitzen.
Nein, soweit kommt’s dann doch nicht.
Aber zur Zeit muss ich mir mal wieder meinen Lebensunterhalt in einem Call Center verdienen. Nun habe ich mich schon oft an anderer Stelle despektierlich über diese Institutionen ausgelassen, zumal sie meist dazu neigen, die dort Beschäftigten zu knechten und die Bevölkerung häufig bis in’s Äußerste telefonisch zu nerven, aber hierzu kann ich nicht oft genug auf die Robinson-Listen hinweisen (vielleicht hilft es ja etwas).
Dieses Institut, bei dem ich derzeit arbeite, will zum Glück niemandem etwas verkaufen und verfügt über die Möglichkeit, feste Stundenlöhne zuzusichern, die nicht provisionsabhängig sind. Das ist aber im Einzelfall nicht einfach zu vermitteln. Die Angerufenen sind schnell misstrauisch, was ich ihnen nicht verübeln kann, schließlich erreichen mich derlei Anrufe pprivat auch immer noch recht oft.
Wenn es sich dann um Umfragen wie zum Beispiel zum Thema “Hochwasser” dreht, dann in den entsprechenden Gebieten Deutschlands anruft, kommt es in der Regel noch zu weiteren Problemen und Kontakten, bei denen der Interviewer flexibel sein muss. Zufälligerweise befinden sich diese Gegenden nämlich dort, wo sich Sprecher von regionalen Varietäten des Deutschen aufhalten, die dem Standarddeutschen im Vergleich zu anderen recht entfernt sind.
Schnell interpretiert man eine sächsische Zustimmung als Verneinung und beendet den Kontakt (”Waren sie damals davon betroffen?” - “Nuu!”).
Ein großes Register und promptes Code-Switching ist dann schon von Vorteil. So habe ich mir bei Telefonaten in die andere geplagte Region bereits angewöhnt, zu Beginn den Gott zu grüßen. Sogleich wird man herzlicher beinahe als einen der ihren angenommen und geduzt: “Jo, mei. Wos willst du von mia?”
Und zum Schluss, nachdem man sich bereitwillig angehört hat, womit die Betreffenden geplagt wurden, erhält man dann noch ein “Pfüat di!”
Ist doch nett, oder?
Eine schöne, neue Kollaboration hat sich in den Weiten des Netzes ein Plätzchen erschaffen: Der Bielefelder Autor Markus Freise hat zusammen mit dem Schreiber Fabian Lau ein gemeinsames Blog, in dem sie (anscheinend) abwechselnd in den Sparten “Pathos” und “Besserwisserei” Texte zu lesen geben. Optisch äußerst angenehm präsentiert zeigt sich das Ganze unter der Adresse:
http://www.pathos-und-besserwisserei.de/
Aufmerksame Leser, Hörer und Verfolger werden bemerken, dass der derzeitige Beitrag auf der Titelseite Markus Freises Text für den letzten Poetry Slam war.
zur “Unterschichten”-Debatte:
“[…] Wirtschaftsminister Michael Glos befand, alles sei eine Erfindung von Soziologen.”
Zitat nach ZEIT 43/06
(Nachträglich hier noch der Text vom letzten Poetry Slam)
Was hat es mich an Überredungskraft gekostet, nicht mit zur Geburtstagsfeier von Tinas Onkel fahren zu müssen? Plausibel glaubhaft zu machen, dass mein Job, verkleidet als überdimensionale Gurke Kunden in einen Bioladen zu locken, mich die Woche derart überfordern würde, dass ich das Wochenende zum Energietanken benötigte, hatte mich einiges an Phantasie gekostet. Immerhin: Es hatte funktioniert und das sturmfreie Wochenende wollte verplant werden.
Ich rief meinen Freund Robert an, den Tina sonst nicht sonderlich mochte und lud ihn zu mir ein. Wir könnten ein paar Filme gucken, die Biere brachte Robert dazu immer von selbst gerne mit.
Schnell hatten wir uns auf unseren Lieblingsfilm „Fight Club“ geeinigt und ich wackelte in die einzige Videothek unserer 3000-Seelen-Gemeinde.
„Ich bin Jacks hoher Glückshormonspiegel.“
Dort hatte ich nach einer halben Stunde Suche dann auch endlich den Film unter der Rubrik „Horror“ gefunden.
Ohne ihm große Beachtung zu schenken, schnappte ich mir den Plastikstreifen, der vor der Hülle wartete und ging zur Kasse.
Dort erwartete mich bereits eine längere Warteschlange. Ich hatte wohl nicht daran gedacht, dass es Freitagabend war und heute auch die Pornofraktion ihre dicken Hornbrillen durch ihre unangemessen große Abteilung schieben musste.
Ich stand dort und wartete, hörte mir an, wie einer der Angestellten vorne noch einmal den Namen der jeweiligen Filme bestätigte, bevor er diesen einpackte.
Wider Erwarten lieh sich aber ein besonders zerzauselter Mittvierziger aber etwas gänzlich Harmloses, irgendetwas mit „Leidenschaft“ und „Groß“ im Titel eben.
„Hi, Stephan. Schön, dich zu sehen!“
Hinter mir vernahm ich eine altbekannte Stimme. Richtig, Kathrin, Tinas beste Freundin, hatte sich dort eingereiht. In diesem Kaff freitagabends Beknnte zu treffen, war keine Seltenheit.
„Oh. Hi, Kathrin!“
„Du willst dir wohl ‚nen entspannten Abend ohne deine Freundin machen, wie?“ wies sie auf das Plastikkärtchen in meiner Hand, während sie dies sagte.
„Ja, allerdings,“ entgegnete ich, als ich dieses dem Kassierer weiterreichte und erzählte ihr noch von meinem Plan, dazu Robert und seine Biere einzuladen.
„Ich hätte an deiner Stelle auch keine Lust, mir dieses Familiengetue anzutun,“ sagte sie und fuhr fort: „Ich meine, ich bin ja auch im Kirchenkreis und so weiter tätig, aber Tinas Familie dagegen..die sind ja schon nicht mehr konservativ, das ist ja schon jenseits von Gut und Böse.“
Ich wurde abgelenkt. Der Kassierer kam mit der DVD zurück, zeigte sie mir und sagte laut hörbar: „Einmal „Tante Jutta juckt die Kimme“, bitte.“
„Ich bin Jacks pulsierende Schamesröte.“
Da stand ich nun, vor Kathrin, da hätte ich gleich vor der ganzen Stadt stehen können, und hörte den Fluss des Blutes langsam an meinem Innenohr entlangrauschen. Alles, was ich heute an Getränken zu mir genommen hatte, presste sich aus jeder Pore meines Körpers gewaltsam hindurch und es fühlte sich so an, als würde jede Nervenfaser zu zittern beginnen, wie die Froschschenkel, die wir damals im Biologieunterricht unter Strom gesetzt hatten. Doch das hier empfand ich im Gegensatz zu damals nicht als lustig.
„Das muss ein Scherz sein,“ brachte ich immerhin heraus, „ich wollte mir Fight Club ausleihen. Jemand muss dieses Ding da vertauscht haben.“
Wohl wissend, dass das kaum glaubhaft bei Kathrin ankommen würde. Ich Hornochse hatte doch eben noch von einem Männerabend beim Bier geredet, in Abwesenheit meiner Freundin.
Kathrin war hinter mir verstummt, ich wagte es auch nicht, mich umzudrehen und ihr in die Augen zu sehen.
Der Kassierer lächelte verschmitzt, offenbar war ihm diese Situation geläufig. Komm her und bitte mich, dich so fest zu schlagen, wie ich nur kann.
Er beteuerte, dass er den gewünschten Film suchen würde, ging, war aber schnell mit diesem wieder an seinem Platz zurück und händigte ihn mir aus. Bezahlen ginge beim nächsten Mal. Ich drehte mich um und sah in Kathrins Augen. Bohrender hätte ein Blick kaum sein können.
Sämtliche, vor wenigen Augenblicken noch gehegten Symphathien schienen binnen Minutenfrist aus ihrem Gesicht gewischt wie einst ‚45 japanische Städte von der Landkarte.
Und die Explosion, die der Eindruck bei ihr hinterlassen hatte, ließ vom Zentrum ihres Gesichts zur Peripherie hin ringförmige Krater entstehen.
„Soso, ein Männerabend also, wie?“
„Kathrin, versteh doch bitte…,“ stammelte ich, doch ich bemerkte selbst, es wäre wohl vergebens.
Ich dachte nur noch an die Folgen, sah ein, dass bei der katholischen Kathrin nichts mehr zu retten war. Bald wusste es ihre Nachbarin, darauf die Straße, dann die ganze Stadt. Ich musste ihr zuvor kommen, damit sie nicht größeren Schaden anrichten konnte.
Sollte ich etwa nach diesem Wochenende meine Sachen vor der gemeinsamen Wohnung vorfinden müssen?
Wie von der Tarantel gestochen stürzte ich auf den Parkplatz in meinen Fiesta und holte alles aus der Knutschkugel heraus, was sie hergab. Zuhause nahm ich mir vor, den Anrufbeantworter ihrer Eltern so lange vollzutelefeonieren, bis das Band nichts mehr, auch nicht Kathrin, aufnehmen konnte. Dafür musste ich ja noch nicht einmal reden, ich konnte ja den Hörer einfach liegen lassen, musste nur alle paar Minuten die Wahlwiederholungstaste betätigen.
Mit meinem Handy wollte ich sie gleich anrufen. Unter irgendeinem fadenscheinigen Vorwand, am Besten stundenlang, bis ihr Akku leer war. Ich konnte mich ja betrinken und mir irgendetwas ausdenken, weswegen ich jetzt unbedingt ihre Stimme hören musste. Genau: Ich hatte meinen Job als Gurke verloren, das klang wenigstens glaubhaft. In den Bioladen geht doch sowieso keiner einkaufen bei den Preisen. Hauptsache, ich kam Kathrin zuvor.
Vor der Haustür angekommen, hechtete ich aus dem Wagen, in’s Haus, die Treppe hinauf, bekam vor Aufregung den Schlüssel kaum in das Schloss der Wohnungstür.
„Ich bin Jacks wummerndes Herz.“
Die Tür öffnete sich endlich, ich betrat den dunklen Hausflur. An dessen Ende blinkte im kurzen Intervall ein rotes Lämpchen auf: Ich hatte eine neue Nachricht auf dem Anrufbeantworter!
Bei ihm angelangt, betätigte ich zaghaft den Knopf zum Abhören. Etwas knackte, dann hörte ich eine Frauenstimme. Es war nicht Tina, wie ich erwartet hatte, sondern Kathrin: „Gib dir keine Mühe, Stephan. Tina weiß schon Bescheid über euer Möchtegern-Graf-Pornos. Ich wünsch dir noch ein schönes Wochenende,“ hörte ich sie schnippisch sprechen, worauf sie ein derart hexenhaftes Lachen anschlug, das sie garantiert in einem früheren Leben bei der Inquisition ihrer Lieblingsorganisation erlernt hatte.
Ich setzte mich, war niedergeschlagen, hatte verloren. Sämtliche Anspannung der letzten halben Stunde verdampfte schlagartig aus meinem Körper und ich sackte zusammen, blieb auf dem Flurboden liegen.
Bevor ich erschöpft einschlief und bereits mit den schlimmsten Albträumen rechnete, begann ich damit, mir auszumalen, welch Tirade ich am Montagmorgen über mich ergehen lassen konnte. Ich konnte mich darauf einstellen, die längste Zeit eine Freundin gehabt zu haben und musste wegen des Rufmords mit Sicherheit ausziehen, die Stadt verlassen, noch einmal ganz von vorne beginnen.
Montag früh, 9 Uhr 20 morgens.
Ich hatte die verbliebenen Tage in einer Hölle der Grübelei verbracht. Viel lieber hätte ich mir Tinas Familie angetan als die letzten Tage hier allein. Die letzte Nacht war am schlimmste, ich hatte nicht geschlafen und im Bioladen angerufen, ich könne unmöglich erscheinen. Unter Durchfall würde ich leiden, hatte ich behauptet, und ein bisschen was war da ja auch dran. Als wäre alles aus mir rausgegangen, was mich ausmacht.
Gleich würde sie kommen, dachte ich, und bald hörte ich Schritte auf der Treppe, den Rhythmus, den ich sofort erkannte.
Der Schlüssel drehte sich im Schloss herum, Tina trat ein, mit zwei großen Taschen bepackt. Noch sah sie mich nicht, sondern suchte nach einem Abstellplatz für ihr Gepäck. Als sie einen dafür im Flur gefunden hatte und die Taschen abließ, bemerkte sie mich, wie ich wieder an dieser Stelle im Flur saß. Still. Ich richtete mich auf.
Sie sah mich böse an.
„Tja, sag mal, was machst du hier eigentlich für Sachen in meiner Abwesenheit?“
Ich stammelte, bekam keinen Ton heraus, wollte zumindest versuchen, es ihr zu erklären.
„Sei still!“
Ihr Gesicht hellte sich auf.
„Du Blödmann!“ Sie konnte wieder lächeln.
„Erst war ich ja etwas sauer, aber dann…Schatz, hättest du doch mal was gesagt, dass du unzufrieden bist, wir hätten doch, naja…“
Dann küsste sie mich und es dauerte nicht lange, bis sie mich an der Hand in unser Schlafzimmer zog.
Was soll ich noch sagen? Der Scherz oder Irrtum oder was es auch gewesen sein mag, naja, der hatte gar nicht mal so schlechte Folgen.


