2.000 Mädchen, und ich ruf’ sie an

Geschrieben am 25 Oktober 2006

Nein, soweit kommt’s dann doch nicht.
Aber zur Zeit muss ich mir mal wieder meinen Lebensunterhalt in einem Call Center verdienen. Nun habe ich mich schon oft an anderer Stelle despektierlich über diese Institutionen ausgelassen, zumal sie meist dazu neigen, die dort Beschäftigten zu knechten und die Bevölkerung häufig bis in’s Äußerste telefonisch zu nerven, aber hierzu kann ich nicht oft genug auf die Robinson-Listen hinweisen (vielleicht hilft es ja etwas).

Dieses Institut, bei dem ich derzeit arbeite, will zum Glück niemandem etwas verkaufen und verfügt über die Möglichkeit, feste Stundenlöhne zuzusichern, die nicht provisionsabhängig sind. Das ist aber im Einzelfall nicht einfach zu vermitteln. Die Angerufenen sind schnell misstrauisch, was ich ihnen nicht verübeln kann, schließlich erreichen mich derlei Anrufe pprivat auch immer noch recht oft.

Wenn es sich dann um Umfragen wie zum Beispiel zum Thema “Hochwasser” dreht, dann in den entsprechenden Gebieten Deutschlands anruft, kommt es in der Regel noch zu weiteren Problemen und Kontakten, bei denen der Interviewer flexibel sein muss. Zufälligerweise befinden sich diese Gegenden nämlich dort, wo sich Sprecher von regionalen Varietäten des Deutschen aufhalten, die dem Standarddeutschen im Vergleich zu anderen recht entfernt sind.
Schnell interpretiert man eine sächsische Zustimmung als Verneinung und beendet den Kontakt (”Waren sie damals davon betroffen?” - “Nuu!”).

Ein großes Register und promptes Code-Switching ist dann schon von Vorteil. So habe ich mir bei Telefonaten in die andere geplagte Region bereits angewöhnt, zu Beginn den Gott zu grüßen. Sogleich wird man herzlicher beinahe als einen der ihren angenommen und geduzt: “Jo, mei. Wos willst du von mia?”
Und zum Schluss, nachdem man sich bereitwillig angehört hat, womit die Betreffenden geplagt wurden, erhält man dann noch ein “Pfüat di!”

Ist doch nett, oder?

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