Mein liebster Feind
Geschrieben am 27 Oktober 2006
Heute Abend ausgehen? Danke, nein. Das Programm weiß mich nicht zu begeistern, mein Elan ist für diesen Tag nahe dem Nullpunkt angelangt.
Da ist es doch erfreulich, wenn endlich die Doku “Mein liebster Feind” im Briefkasten lag, in die ich bereits mit S. hineingesehen hab’.
Wie früher an anderer Stelle bemerkt, empfinde ich die mir bekannten Filme von Werner Herzog für ungeheuer langweilig. Nicht, dass darin wenig passieren würde, oh nein. Es geschieht sogar meist jede Menge, doch die Art und Weise, wie er erzählt, ist mal extrem langatmig. Lange Einstellungen mit langsamen Kamerafahrten ohne Schnitt: Dass die Kameramänner dabei nicht eingeschlafen sind, grenzt an ein Wunder.
Schaut man sich jetzt aber einmal die Dokumentation über die Zusammenarbeit mit seinem fünfmaligen Hauptdarsteller Klaus Kinski an, würde man sich wünschen, dass er so manches Outtake mit in seine Spielfilme hineingenommen hätte. Welche Dynamik Kinskis Tobsuchtsanfälle plötzlich erzeugt hätten?
Wüsste man nicht ganz genau, dass er das alles auch tatsächlich so meinte, könnte man es als ganz großes Entertainment ansehen.
Gleich zu Beginn gibt Herzog mehrere Anekdoten über den Charakter Kinskis zum Besten, unter anderem diese:

“Ich hatte Kinski mein Drehbuch geschickt und zwei Nächte darauf weckte mich das Telefon um drei Uhr morgens. Ich konnte erst gar nicht ausmachen, was los war, ich hörte nur unartikulierte Schreie am anderen Ende der Leitung. Es war Kinski. Nach einer halben Stunde ließ sich in etwa aus den Schreien herausfiltern, dass er von dem Drehbuch begeistert war, dass er Aguirre sein wolle.”
Nach den anderen, dort gezeigten Mitschnitte ist es höchst erstaunlich, wie man überhaupt mit jemandem wie Kinski zusammen arbeiten konnte. Bezeichnend ist das Angebot des Indio-Häuptlings aus “Fitzcarraldo”, dass er Kinski für Herzog umbringen könnte. Und der kurze Moment, in dem Herzog überlegt hatte, das Angebot anzunehmen.
Unglaublich, aber auch faszinierend! Vielleicht sollte ich für meinen nächsten Fernsehauftritt einmal Wutausbrüche einstudieren.
Morgen Abend geht es dann wieder hinaus. In das Stück “Kleinmann, Gott und der Tod” im Mobilen Theater. Dort halte ich mich dann aber noch im Zaum.


Man weiß auch gar nicht, welcher “Wahnsinnige” unterhaltsamer ist: der exoterische Egomane Kinski oder der esoterische Stoiker Herzog?
Mich interessiert wie das Theaterstück war. Weil ich gehe ja nächsten Freitag hin.
Sehr unterhaltsam.
Aber Du solltest Dich schon mit Woody Allens Werk auskennen, sonst geht mancher Witz flöten. Später evtl. mehr dazu.