Altern
Posted on Oktober 14, 2006
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Etwas, was die ZEIT immer ganz grandios beherrscht, ist, auf unliebsame Dinge hinzuweisen. Dinge, die man gerne verdrängt wie zum Beispiel die Sache mit dem Altern. Nicht nur, dass man sich selbst selten eingestehen will, dass das Leben an einem nagt, nein, der Gedanke daran, was denn passiert, wenn die eigenen Eltern einmal pflegebedürftig werden, ist einer der unangenehmsten, die mir geläufig sind.
Dass das, was die Pflegeversicherung auszahlt, oftmals nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, wissen die wenigsten. Dazu kommt noch, dass die eigenen Ansprüche in punkto Lebensqualität im Alter nicht weniger werden. Harald Martenstein malt sich die Situation in seiner Kolumne humoristisch aus, doch hierbei bleibt so mancher Lacher im Halse stecken.
An eine ähnliche Situation, wie er sie beschreibt, kann ich mich gut aus dem eigenen Pflege-Zivildienst erinnern. Rudolf J., früher Journalist beim Spiegel und Kunstmäzen, wurde im Alter hilfsbedürftig aufgrund einer äußerst seltenen Muskelkrankheit. Bei ALS (=Amyotrophe Lateralsklersose) baut sich das Muskelgewebe allmählich ab, nicht aber das Nervenkostüm. Das bedeutet, dass man den stetigen Rückgang der Bewegungsmöglichkeiten bei vollem Bewusstsein erlebt.
Die Ansprüche, die Herr J. seinerzeit an das Pflegepersonal erhob, waren enorm und mit Rücksicht auf die übrigen Heimbewohner absolut nicht einzuhalten. Dennoch haben wir uns mit Kräften bemüht, ihm die Wünsche zu erfüllen: Den Toilettengang in einem Stuhl zu erledigen, das Essen mit der richtigen Temperatur zu servieren, die Falten im Bett zu jeder möglichen Zeit zu glätten usw. usf.
Glücklicherweise besaß er einen großen Bekanntenkreis, der ihm (und uns) einiges abnahm: Zeitungsausschnitte auf Pappkartons kleben, damit er sie mit einer einfachen Handbewegung zur Seite schieben konnte. Oder die Woche über ersonnen Haikus diktieren lassen, damit diese gedruckt werden konnten (ich besitze auch noch ein Exemplar einiger seiner Haiku-Ausgaben).
Mit diesem Beispiel stelle ich mir immer vor, wie anstrengen ich selbst wohl im Alter wäre. Oder wie frustriert, wenn meine Wünsche nicht erfüllt werden könnten. Könnte ich lediglich nur im Bett vor mich hinvegetieren, den Blick ständig auf den gleichen Zimmerausschnitt gerichtet, ich würde um postnatale Abtreibung meiner selbst bitten. Aber das macht ja auch keiner mit.
Bezahlbar scheint das System überhaupt nicht mehr zu sein und Frau 3und20 meinte gestern beim Durchsehen des Artikels: „Man könnte meinen, die wollen alle, dass man sofort einen super bezahlten Job annimmt und die Hälfte des Gehalts für die Pflege der Eltern zur Seite legt.“ Und für sich selbst gleich mit.
Susanne Mayer im Artikel: „Man könne ja nicht gleich die Gesellschaft für die Lösung aller privaten Probleme in Anspruch nehmen, beschied mir neulich ein Leistungsträger dieser Gesellschaft, Manager eines großen Konzerns, da sei mal Eigenverantwortung gefragt.“
Ist eigentlich Igno- bzw. Arroganz neuerdings zu einer angesehenen Charaktereigenschaft mutiert oder ist mir da irgendetwas entgangen?
Bloß nicht mit dem Grübeln anfangen
Posted on Oktober 12, 2006
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Schreck lass nach!
Da entdeckt man im Briefkasten zwei Schreiben der Staatsanwaltschaft, die beide sehr gleich aussehen und jeweils an Mitbewohnerin 1 und 2 gerichtet sind. Und keine von beiden ist anwesend.
Da beginnt man schnell, darüber nachzugrübeln, was wohl da drin stehen mag:
Jemand, der mein Gesicht nicht mag, hat mich als Terrorist oder was weiß ich denunziert und angezeigt, die beiden werden nun als Zeugen vorgeladen, um über meine Lebensumstände Auskunft zu geben. Darf der Staat sowas? Hm, vielleicht.
Später stellt sich dann heraus, dass es sich dabei bloß um die Mitteilung handelt, die Ermittlungen über einen von ihnen angezeigten Fahrraddiebstahl würden eingestellt. Sowas doofes.
Und da sag noch einer: Denken hilft!
Von wegen. Denken mindert die Lebensqualität. Aufhören sollte man damit. SOFORT!
Nachfalschen
Posted on Oktober 12, 2006
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Kalauern kann das BILDBlog übrigens auch richtig gut. Siehe hier.
Kalauer des Tages
Posted on Oktober 11, 2006
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“Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.”
Hab’ mich schon immer gefragt, wer dieser Hans Nimmermehr ist. Muss ja ein toller Hecht sein. Höhö.
Ja, ist ja gut, ich verschwinde schon wieder…
Nur so zum Spaß nachts fahren
Posted on Oktober 11, 2006
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Zu gerne hätte ich eben gerade meinen Fotoapparat mitgehabt. Aber im Nachhinein betrachtet, wäre bildliches Material wahrscheinlich nicht so aussagekräftig wie eine Schilderung mit Worten.
Worum geht’s überhaupt?
Na gut. Dann von Anfang an.
Vor Kurzem meldete sich der Bloginhaber auf eine Anzeige, in der jemand für Fahrtätigkeiten gesucht wurde. Am Telefon hieß es dann auch, dass man als Student ganz prima eingesetzt werden könne, ginge es doch um „Überhangs“-Auslieferungen am Vormittag. Gelegentlich könnte auch ein Abend dazu kommen, da man mit einer örtlichen Zeitung zusammenarbeite.
Nun gut, das klang ja eigentlich ganz nett und so erklärte man sich bereit, mal beim Inserenten (in einem Vorort von Gütersloh!) vorstellig zu werden.
Dort hieß es dann, es seien eigentlich ausschließlich die Fahrten am Abend, für die Personal benötigt werde und ich könne es mir ja einmal ansehen, mit den Leuten dort mitgehen. Der Chef (also er selbst) sei dann auch zugegen.Man bräuchte nur nach ihm zu rufen bei eventuellen Nachfragen.
[Hier ein kleiner Einschub: Auf meine Nachfrage, wie lange er denn bereits diese Geschäft betreibe, erwiderte er: „Mittlerweile seit drei Jahren.“ Er sei selbst einmal angestellt gewesen, aber als die Firma bankrott ging, wurde er vor die Wahl gestellt: Entweder er übernähme sie oder würde arbeitslos. Damals hatte er sich für erstere Variante entschieden, und nachdem er nach dreißig Anfragen endlich eine Bank erwischt hatte, die ihm einen Kredit über 4.000,-- Euro gewährt hatte („Beim Speditionsgeschäft wiegeln die Banken sofort alle ab.“), wäre es auf Biegen und Brechen langsam voran gegangen.]
Die Beschäftigung könne allerdings nur auf 400,– Euro-Basis erfolgen, und wenn man mal mehr gearbeitet habe, dann könne man im Folgemonat „vielleicht mit Arbeit sparen“.
Mit flauem Gefühl im Bauch erklärt man sich dann zumindest bereit, sich vor Ort die Dinge tatsächlich einmal anzusehen, schließlich will man nicht arbeitsscheu oder als Drückeberger erscheinen. Interessiert war ich ja schon ein wenig, obwohl ich die nächste Frechheit wieder riechen konnte.
Manchmal können derlei Abgründe eine Anziehungskraft ausüben, die sonst nur schwarzen Löchern vorbehalten bleibt.
Vor Ort des Zeitungsverlags um 22 Uhr (!!!) angekommen, standen bereits einige der Fahrer dort, der Chef war nicht in Sicht und Rufweite. Es wurde noch nicht eingeladen und konnte nach Auskunft auch noch eine Weile dauern. Sämtliche Wartezeiten zählten wohlgemerkt noch nicht als Arbeitszeit.
Beim Beladen der unterschiedlichen Fahrzeuge musste akribisch genau auf die jeweilige Stückzahl der Pakete geachtet werden, zumal Prospekte und anderes extra verpackt waren: Man wollte ja nicht zuviel vor den jeweiligen Haltepunkten abliefern.
Wie sich herausstellte, sollten die Bediensteten besagter Firma allesamt in Gegenden einer Gemeinde im Kreis Paderborn eingesetzt werden und entlang einer Route Adressen beliefern, die ihnen wahrscheinlich schon in Fleisch und Blut übergegangen waren.
Einer von ihnen zeigte mir die Örtlichkeiten und Regeln, nach denen der Betrieb funktionierte, denn: Der Chef ließ sich nicht blicken.
Ich: “Und wie lange bist Du für so eine Tour unterwegs?“
Er: „Also, ich hab’ von uns hier die kürzeste erwischt. So um 1 Uhr bin ich wieder in Bielefeld. Aber heute geht das auch mit dem Beladen recht schnell…“
Ich: „Und die anderen sind noch länger unterwegs?“
Er: „Ja, manche schon. Er hier [lächelt und weist auf seinen Kollegen] kommt heute bestimmt auch nicht wieder vor drei nachhause.“
Pause
Er: „Also, ich find’, es ist ein echt easy Job.“
Ich: „Aber ihr macht das von Montags bis Freitags, hab’ ich das richtig verstanden?“
Er: „Nee, Sonntags auch. Du kriegst doch auch Montagmorgens ne Zeitung, ne?“
Sechs Tage in der Woche, Herrschaften! Nächte!
Für pauschal 400 Euro im Monat!!!
Geil, was?
Big Brother Awards 2006
Posted on Oktober 10, 2006
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“Kaum ein Verbraucher, der nicht die Hüllen hätte fallen lassen. Mal auf ausdrückliches Verlangen der Unternehmen, oft aber aus eigener Initiative: Beinahe vier Millionen Haushalte haben einen Fragebogen von Schober ausgefüllt, mehr als 50 Prozent der Deutschen über 16 Jahre besitzen eine Kundenkarte, im Internet surfen 34 Millionen, von denen 22 Millionen dort auch einkaufen. Fast jeder telefoniert mit einem Handy und besitzt eine EC- oder Kreditkarte. Und wenn der Konsument surft, kauft, Rabattpunkte sammelt oder einfach nur eine Versicherung beantragt, hinterlässt er Spuren, die sorgfältig gespeichert werden. Unternehmen halten heutzutage jede Regung ihrer Kunden für wertvoll, weil sie überzeugt sind, darin künftige Chancen zu entdecken. Und Risiken, die es zu vermeiden gilt.
»Wir werden kategorisiert und einsortiert«, sagt Rena Tangens vom Datenschutzverein Foebud aus Bielefeld und spricht von »automatisierten Vorurteilssystemen«, die im ganzen Land entstanden seien. Informationen, die die Deutschen an einer Stelle geben, tauchen an anderer Stelle wieder auf und werden oft sogar gegen sie verwendet. »Wir gewöhnen uns ganz langsam daran. Freiheit bedeutet heute kontrollierte Freiheit«, sagt die Philosophin Beate Rössler.”
So berichtete die ZEIT in der Ausgabe 48/2004. Am Freitag, den 20. Oktober, werden erneut die Big Brother Awards verliehen, einem öffentlichkeitswirksamen Mittel, das kein Unternehmen oder Politiker verliehen bekommen möchte. Der Bielefelder Verein und Organisator FoeBuD e.V. (Verein zur Förderung des bewegten und unbewegten Datenverkehrs) vergibt die Awards, für den er im Laufe des letzten Jahres Nominierungen entgegengenommen hat.
Ein Muss für Paranoiker und solche, die es werden wollen. Und solche, die ein wenig paranoider sein sollten!
Freitag, 20. Oktober, 17 bis 19 Uhr im Historischen Saal der Ravensberger Spinnerei
P.S.: Mitarbeit und anderweitige Unterstützung ist dort immer gern gesehen. Kontakte knüpfen zur Arbeit gegen Datenkraken kann man hier: http://foebud.org
Nachlese Sitzen 73
Posted on Oktober 10, 2006
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Eindrücke über den äußerst unterhaltsamen, gestrigen Abend gibt es hier und hier.
Sitzen 73, heute Abend
Posted on Oktober 9, 2006
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Wie übrigens Mischa hier anmerkt, findet heute Abend wieder eine Veranstaltung der Lesereihe “Sitzen 73” im Café Schlösschen statt. Mit Stefanie Schröder, Volker Backes und Sacha Brohm.
Beginn ist um 20 Uhr, Eintritt frei.
Demokratsie Schtonk!
Posted on Oktober 8, 2006
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Dass die deutsche Sprache wegen seines Konsonantenreichtums irgendwie besonders “hart” klingt, ist ja eines dieser berühmten linguistischen Ammenmärchen. Hart sind höchstens Gegenstände.
Der Eindruck entsteht vielmehr durch hervorgerufene Assoziationen zu Brutalität und Gewalt, durch altbekannte Reden der NS-Zeit, worin die einschlägig bekannten Protagonisten durch Betonung eben jener hart wirkenden Laute besondere Effekte bei den Hörern hervorrufen wollten, z.B. das uvulare R so stark strapazierten, dass man Angst hatte, gleich spränge ihnen das Gaumenzäpfchen aus dem Hals (Schade, dass es das nie tat).
Chaplin konnte kein Deutsch (bis auf “Schnitzel” und “Sauerkraut”, wenn man der Wikipedia Glauben schenken darf), aber wie er für den “Großen Diktator” sinnlose Wortfetzen von sich gibt, dass könnte man als Nicht-Muttersprachler womöglich für ein solches halten.
Für mich sind es jedenfalls die lustigsten Momente des ganzen Films, wenn Anton Hynkel so loslegt.
Schade, dass sich noch niemand daran gemacht hat, größere Passagen zu annotieren, ich selbst habe aber bei dem “alten tomanischen Sprichwort”, das Hynkel später gegenüber Napaloni zitiert, bereits das Handtuch geworfen.
SchwarzWeiß
Posted on Oktober 7, 2006
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Hintereinanderweg Chaplins Großer Diktator und Fellinis Dolce Vita.
Das ist das Abendprogramm. So sieht’s aus.
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