Alternative

Geschrieben am 9 November 2006

Kleine Mädchen und Jungen neigen dazu, wenn sie jemanden näher kennen lernen wollen, den- oder diejenige mit der Frage: „Was hörst denn du so?“ zu nerven und gelegentlich muss ich mir diese heute auch noch anhören. Dahinter steckt der Gedanke verborgen, man könne etwas mehr über die Person eines ansonsten Fremden herausfinden.

Jetzt stelle man sich aber mal vor, ein Single-Mann wird von einer äußerst attraktiven und ihm zusagenden Single-Frau auf diese Weise angesprochen. Sie trägt ein T-Shirt, auf dem steht „Marilyn Manson – Last Tour On Earth“. Niemals wird der Mann ihr sagen, dass er gerne zu den „Zillertaler Schürzenjägern“ wippt, ob sein Herz zu dieser Musik nun Freudensprünge macht oder nicht.
Es mag zwar durchaus sein, dass die ein oder anderen Ansichten mit dem favorisierten Genre verbunden sind, aber letztendlich gäbe es bei sich unterscheidenden übergreifend viel mehr zu entdecken.
Und Überraschungen sind schließlich gerade das Salz in der Suppe, um Langeweile gar nicht erst aufkommen zu lassen. Bei so einem Bändchen vom „Rock am Ring“ wüsste man ja eh’ nicht mehr, was für einen Fantyp man bekäme.

Jugendsünden in Sachen Musik hat jeder einmal begangen.
Wie die ersten Gehversuche eines Säuglings tapert man manchmal zunächst nach rechts zu Michael Jackson oder nach links zu Queen, bis man seinen geraden, eigenen Weg zur Mama der akustischen Genüsse gefunden hat, dorthin, wo sich Musik für einen selbst gut anfühlt. Und jeder, ausnahmslos jeder begeht diese Fehler, wenn er auf sich allein gestellt ist.
Fragt man Leute, die man – wenn überhaupt - vom ersten Anschein her mit diesem oder jenem musikalischen Stereotyp verbindet, ist man oftmals ganz erstaunt, wenn dieser einem Einblicke in dessen Sozialisation gewährt.
Ein Beispiel? Tja, wen nehmen und nicht stehlen? Dann am Besten wohl mich selbst.
Zufällig sollte ich vor Kurzem für den Ur-Freundeskreis mal ein paar zeitlich weit zurückliegende Szenen schriftlich zusammenfassen. Und während ich so überlegte, erinnerte ich mich langsam wieder an eine besonders merkwürdige Situation…

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Fat Mike hatte befohlen und wir waren ihm hörig

“Tobi schrie vom elterlichen Dachfirst aus einige Worte in den Garten, dorthin, wo er Kony vermutete, denn der lag irgendwo für uns unsichtbar, hinter den Büschen und wartete.
„Kommt was?!?!“ lautete die Frage und wir hörten, wie Kony etwas von sich gab, das vermutlich eine Verneinung sein sollte. Sprechen konnte er nicht, denn er hatte ein Schlauchende im Mund.
Während aus Tobis Zimmer laut der Song „Beer Bong“ von NoFX in den Sommertag hineinschallte, standen wir dort oben, ich hielt das andere Ende des 25 Meter-Gartenschlauchs in meiner Hand, Tobi füllte in den dort angebrachten Trichter Weizenbier. Eine Dose nach der anderen hineingießend, staunten wir darüber, wieviel Flüssigkeit ein solcher Schlauch fassen konnte.
Bald glaubten wir an eine Verstopfung darin und fühlten uns bereits gescheitert an dem heldenhaften Plan, Fat Mikes Fordung mehr als zu erfüllen, der Inhalt einer weiteren Dose gluckerte langsam in den Trichter, da vernahmen wir ein lautes Fluchen von weit unten.
„Verdammte Scheiße.“ Kony war aufgesprungen und hielt sein Ende in die Höhe. Wir erstarrten in unserer Tätigkeit, versuchten die Ursache seines Ärgernisses auszumachen, doch von dort oben war nichts außer einem vor Wut zappelnden Freund auszumachen.
„Was’n los bei dir?“
„Da war wohl noch uraltes Wasser in dem Schlauch. Mann, is’ mir schlecht.“

Und so endete dieser Versuch, ein wenig von der vielen Zeit eines Ferientages totzuschlagen, denn niemand anderes wollte sich nun verständlicherweise opfern, um das für dieses Experiment investierte Taschengeld, das sich nun in flüssiger Form im Schlauch befand, zu retten, und wir mussten uns eine neue Aufgabe suchen. Eine neue Tätigkeit, die uns weiter brachte mit unserer Revolution. Oder mit der Anarchie. Aber das war eher Ansichtssache.”

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Lang, lang ist’s her. Über zehn Jahre bestimmt. Aber wirklich wahr.
Die Differenzierungswünsche in einer Kleinst-Stadt gegenüber kirchlichen, gern gesehenen Gruppen trieben die wenigen Leutchen der Andersdenkenden nunmal zusammen. Und so gewöhnte man sich selbst an Punkmusik und –verhalten, obwohl man sich selbst eher als ein Freund des Seattle-Grunges bezeichnete. Damals, wohlgemerkt.
Als der Begriff „Alternative“ tatsächlich noch die Musik bezeichnete, die niemals in die Charts gelangen würde.
Aber dazu vielleicht ein anderes Mal an anderer Stelle mehr.

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