Beinahe jeder zehnte
Geschrieben am 9 November 2006
Bei den Ergebnissen der neuen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung wünscht man sich beinahe, dass ihnen bei der Erhebung ein Fehler unterlaufen ist. Offenbar ist rechtes Gedankengut viel verbreiteter und verwurzelter als bisher vermutet. Sie legten den Befragten 18 Aussagen vor, zu denen diese mit jeweils fünf Antworten, von klarer Ablehnung bis hin zu großer Zustimmung skaliert, antworten konnten. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass beinahe jeder zehnte Westdeutsche antisemitisch denkt!!!
Weitere erschreckende Beispiele für die Antworten (laut Frankfurter Rundschau) wären:
“”Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten” - 11 Prozent stimmten “überwiegend” oder “voll und ganz” zu, im Osten 8,7, im Westen 11,6 Prozent. “Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen” - 37 Prozent Ja-Stimmen, 43,8 Ost, 35,2 West.”
Das gängige Vorurteil, Extremismus sei vorwiegend bei ostdeutschen Jugendlichen anzutreffen, erfährt hier keine Begründung. Anscheinend nimmt derlei Gedankengut wohl im Alter zu.
[...]Es ist laut der Studie nicht so sehr die Erfahrung einer schlechten finanziellen Lage (”wirtschaftliche Deprivation”), die eine rechtsextreme Einstellung fördert. Stärker wirkten sich die soziale Deprivation, das Gefühl der Ausgrenzung sowie die politische Deprivation aus. Letztere äußert sich in Einstellungen wie “Ich habe sowieso keinen Einfluss”.[...]
Sofort denkt man an den Typus von griesgrämigen Ausgeschlossenen, der alles und jeden misstrauisch beäugt. Man muss sich wohl weiterhin seine Freunde warm halten, Leute treffen und viel miteinander reden, Quatsch machen, damit man auch weiterhin etwas zu lachen hat. Wohlan.
Und nicht soviele komische Reißerreportagen im Fernsehen gucken und daran glauben. Die machen nämlich dumm und kommunikationsunfähig.


Punkt zwei hat sich ja bald eh erledigt, in ein paar Jahren haben wir bestimmt keinen Sozialstaat mehr.
Es hilft auch, keine Bildzeitung (u.ä.) zu lesen, denn dort werden niedrige Ressentiments wahlweise erzeugt oder genährt, nur um später in gespielter Entrüstung sagen zu können, oh, da wurde wieder ein schwarzer misshandelt. Und alle schütteln dann den Kopf und sagen, also wenn diese Ausländer nicht hier herkämen um unseren Sozialstaat auszunutzen, dann hätten wir ja dieses Problem erst gar nicht.