Der Ritus

Geschrieben am 12 November 2006

Nein, bei “Der Ritus” handelt es sich um keine John Grisham-Verfilmung (der bestimmte Artikel im Titel mag das evozieren, das geb’ ich zu). Doch es ist Ingmar Bergmans erstes Fernsehspiel (1969), psychologisch bis in’s Letzte austariert wie gehabt.
In neun Szenen beschreibt er die Beziehung dreier Schauspieler, die sich vor einem Richter wegen eines Deliktes in mehreren Verhören behaupten müssen. Gemeinsam auftretend souverän, im Einzelgespräch mit dem Gesetzesmann Schwächen offenbarend, zeigen sie im privaten ihre Abhängigkeiten und “Spielereien” untereinander: Die beiden Männer buhlen um die Frau in ihrer Mitte (was ihr offensichtlich gefällt).
Der Richter selbst neigt ebenfalls dazu, seinen Schwächen zu erliegen und - bei Gelegenheit - seine Macht auszunutzen, trotz großer Todesängste.
Erst zum Ende hin wird überhaupt klar, worum es sich bei dem Delikt der drei handelt: Ein moralisch anrüchiges Stück, dass sie dem Richter noch einmal unter Ausschluss der Öffentlichkeit darbieten.

Obwohl für das Fernsehen gedacht, wendet Bergmann hier gleich mehrfach das “Play in Play” an: Während des Fernsehstücks spielen die Schauspieler auf ihrem Hotel- und in dem Verhörzimmer, zuletzt erneut das Stück, den “Ritus” vor. Das wirkt oftmals manieriert und überzogen, aber an Verfemdungseffekten wie plötzlichen, in so kurzer Zeit nicht möglichen Reaktionen der Figuren (s. Schweißausbruch des Richters Dr. Abrahamson) ist der Film auch sonst nicht arm. Gewöhnungsbedürftig, aber gut.

Rezension bei Schnitt.de

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