Martin Scorseses “The Departed - Unter Feinden”

Über drei Wochen nach dem Kinostart haben wir es dann doch geschafft, Scorseses neuestes Werk im Kino zu bestaunen. Den Trailer durften wir bereits vor einiger Zeit im Kino sehen und er ließ mein Fanherz für die frühen Gangsterfilme dieses Regisseurs beim ersten Einwirken hoch schlagen, derart stark erinnerten die dort gezeigten Bilder mich an diese:

Die ersten Gitarrenklänge von “Let it loose”, dazu ein schemenhafter Jack Nicholson und dessen Philosophie über die beiden vermeintlich einzigen Möglichkeiten des Daseins: Cop oder Krimineller, eine andere Wahl hat man nicht im alltäglichen Überlebenskampf. Aus seiner Sicht. Das klingt nach den harten Ansichten der Filme “Mean Streets“, “GoodFellas” oder “Casino“, in denen sich die Protagonisten ebenfalls gegenseitig die Köpfe einschlugen, um in ihrem Milieu voranzukommen.

====Vorsicht: Spoiler====

Nicholson ist Frank Costello, ein diabolisch anmutender Unterweltboss in Boston. Sein Schützling Colin Sullivan (Matt Damon) gerät in eine Abteilung des State Police Departements unter Sgt. Ellerby (Alec Baldwin), dessen Aufgabe es ist, eben Costello eines Tages dingfest zu machen. Nun ist in der Lage, Informationen zu den Ermittlungen gegen ihn aus erster Hand zu erlangen. Das verhilft ihm das eine und andere Mal aus der drohenden Patsche.
Doch das State Department schleust im Gegenzug jemand anderen unter seine Gangster ein: Der eigens hierfür operierenden Abteilung unter Queenan (Martin Sheen) und Dignam (Mark Wahlberg) gelingt es, Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) für dieses waghalsige Unterfangen zu rekrutieren. Der erlangt auch erfolgreich Costellos Vertrauen.

Durch viele Ungereimtheiten kommt auf beiden Seiten nach und nach der Verdacht auf, dass der jeweilige Gegner eine “Ratte” bei sich eingeschleust hat. Die Suche und Hetzjagd innerhalb der und außerhalb der Organisationen fordert darauf einige Verwirrungen und auch Menschenleben. Bei den immer wieder dokumentierten Korruptionsskandalen erhält man nun eine Darstellung, wie so etwas in der Realität, im Prozess aussehen könnte und was die Protagonisten dieser Fälle durchleben müssten.

Wem “Casino” schon zu brutal war, der sei vorgewarnt: Zwar ist ein Film selbst nie gewalttätig, aber die Darstellung der Aggressionen hier lässt den Betrachter so manches Mal den Atem stocken. Obwohl Scorsese einige Bilder ungezeigt lässt (z.B. den Aufprall von Queenan nach seinem Sturz vom Hausdach: Der Flug war zwar zu sehen, der Aufprall blieb aber direkt unter dem Bildrand verborgen. Lediglich die Geräusche und die Blutspritzer zeugten davon), schluckt man nicht selten aufgrund der Authentizität.
Das macht den Film aber nicht minder faszinierend. Im Gegenteil.

Faszination geht hier auch einmal mehr von Nicholson aus. Die Rolle des Costello verlangte nach einer diabolisch-dämonischen Figur und wer wäre dafür besser geeignet als er. Dieser Anforderung wird er einmal mehr gerecht: Sitzt er in der Opernloge zwischen den Prostituierten, von rotem Licht während einer Arie angestrahlt, wirkt er wie der Teufel höchstpersönlich. Sein Spitzbart tut sein Übriges dazu. An anderer Stelle erlaubt er sich Späße und streckt dem wartenden Sullivan in einem Pornokino einen schwarzen Dildo entgegen. Wer erinnerte sich da nicht an einen antiken Satyr?

Resumée: Wer die alten Gangsterfilme Scorseses mochte, wird erleichtert sein, dass die Kette von Schinken wie “Kundun” und “Gangs of New York” unterbrochen scheint. Hinsichtlich der Darstellung von Gewalt erfährt er aber hier eine immense Steigerung.

Kritiken und Rezensionen:

- Die ZEIT
- Spiegel
- Süddeutsche
- F.A.Z.

Weiteres:

- Offizielle deutsche “Departed”-Homepage
- Martin Scorsese bei der IMDb

Rubrik “Wirre Grafiken”

In dem hier bereits erwähnten Buch Die wirrsten Grafiken der Welt gibt es einen “Stammbaum der Rockmusik”, und natürlich sind im Internet ähnliche Versuche zu finden, etwas derart komplexes wie musikalische Einflüsse dieses Genres zu verbildlichen. So wird auf der Schweizer Domain semiotik.ch (der “Site für Semiotik und zeitgenössische Musik”) ebenfalls das Wagnis unternommen, hier die Entstehung der Rockmusik “in den 60er Jahren als integralem Genre” darzustellen.

Da tut sich beim Betrachten gleich so manch neue Frage auf: Warum verhält sich der “Skiffle” so betrunken und was ist das überhaupt? Oder was zum Henker verbirgt sich hinter “Frat Rock”?

Jahresrückblicke here, there and everywhere. Als gäb’s nichts besseres zu tun.
Aber trendhörig wie ich nunmal bin, will ich nicht hintenan stehen und bastel mir meinen eigenen, kurzen, ganz privaten Rückblick auf die Geschehnisse im Jahre 2006.

Beinahe hätte ich einen Satz stellvertretend für das vergangene Jahr ins Rennen geführt, den ich einem Dialog aus dem Film „Der rote Kakadu“ entnommen habe. Luise (Jessica Schwarz) fragt darin nämlich (frei) den zeichnerisch begabten Siggi (Max Riemelt):

Möchtest du denn nicht glücklich sein?

Worauf dieser antwortet:

Doch. Aber die eigenen Talente stehen einem dazu immer im Weg.

Ganz unkommentiert kann man das aber nicht stehen lassen, zumal die beiden Protagonisten hier wohl jeweils andere Vorstellungen vom Glück haben. Sie redet von der Liebe und er von der Erlangung einer, naja, eigenständigen oder unabhängigen Lebensführung.
Großartig ist allerdings nicht nur die Einsicht, sondern auch die Prägnanz dieses kurzen Satzes, mit dem Siggi zum Ausdruck bringt, dass die vielbeschworene künstlerische Selbstverwirklichung („Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“) nicht zwangsläufig zum Erfolg führt. Das ist bereits seit der Dichotomie „Ora et labora“ so und eine Durchbrechung dieses Prinzips funktioniert nur in den wenigsten Fällen. Dennoch gibt man sich nur zu gerne seinen Neigungen hin. Wieviel Zeit man doch hätte, wären da nicht die Dinge, die man gerne tut?

Auf mich gemünzt beziehe ich das auf mein immer höher frequentiertes Erscheinen auf irgendwelchen Lesebühnen. Hätte ich wie in den vorigen Jahre lediglich zwei Bereiche abzudecken, nämlich Studium und Schreiben/Lesen, hätte das auch weiterhin ganz gut funktioniert. Doch wie das Leben so „spielt“ (um mal eine verstaubte Phrase zu bemühen), traten ein positiver und ein negativer Aspekt hinzu: Der eine betrifft die Liebe und erhielt selbstverständlich sofort oberste Priorität, der andere das Wegbrechen der finanziellen Grundlage und somit das Erwirtschaften von Geld, um überhaupt irgendetwas tun zu können.

Somit wird für das kommende Jahr, wenn ich mir überhaupt irgendwelche Vorsätze schaffen wollte, zumindest ein ausgeklügeltes Zeitmanagement vonnöten sein. Damit mir die Talente (sofern ich welche besitzen sollte) nicht ständig im Weg stehen.

Einen Terminkalender für 2007 habe ich schon.

Rubrik “Bei Papa im Garten”

Was dem einen sein motorisierter Bolide vor der Garage ist, ist dem Besitzer englischen Rasens seine hochtechnisierte Schädlingsbekämpfungsmaßnahme: Der “Stellar 001009 Solar Maulwurfschreck” bei der Arbeit… Da staunt der Herr Nachbar!

Bei jedem Besuch zuhause bin ich überrascht, wie zielsicher meine Mutter mein ehemaliges Zimmer umdekoriert und damit genau meinen Geschmack trifft.

In zwei Stunden werde ich von meiner Mitfahrgelegenheit abgeholt in Richtung Heimat, nach Lügde bei Bad Pyrmont.

Darum werde ich schnell noch an dieser Stelle ein “Frohes Fest” an alle Blogbesucher los. Und da ich nicht weiß, ob ich vor Silvester hier noch einmal hineinschaue, einen “Guten Rutsch in’s neue Jahr” gleich hinterher.

Bis dann,
R.

EDIT 16:42 Uhr: Und dann noch schnell einer Bekannten und einer aufgegabelten Rumänin Unterschlupf gewähren. Letztere wurde wohl von einem bewaffneten Menschen verfolgt. Kurz vor Heilig Abend noch einmal vier schwer (!) bewaffnete Polizisten in der WG zu sehen, das hätte ich mir auch nicht erträumen lassen. Ich brauche Kaffee und Ruhe.

Da macht man was mit!

Eines der schon jetzt gelungensten Weihnachtsgeschenke bescherte mir Frau 3und20 mit dem Buch “Die wirrsten Grafiken der Welt” von Gerhard Henschel, das ich vor längerer Zeit einmal auf meine Amazon-Wunschliste setzte.

Aus der Linguistik kenne auch ich die Neigung von Fachleuten und Experten, Sachverhalte mittels graphischer Darstellungen zu veranschaulichen, im Ergebnis aber dann größtmögliche Verwirrung oder einfach nur Unverständnis zu erzeugen. So taucht zum Beispiel das bei mir immer mit Kopfschütteln begleitete Argumentationsschema von Toulmin ebenfalls dort auf.

Aber auch noch viele mehr aus unterschiedlichsten Bereichen. Könnte eine gute Anregung sein, hier einmal eine Kategorie für künftige, derartige Entdeckungen einzurichten.

Beinahe sind für dieses Weihnachten alle Geschenke zusammen. Zumindest brauche ich Glücklicher nicht mehr heute los in diesen Irrsinn namens Fußgängerzone, in dem es so manchen auch ohne fahrende Autos passieren kann, von den kaufwütigen Massen überfahren zu werden.

Jetzt wartet nur noch ein bisschen Arbeit zuhause daran. Man will sich schließlich nicht den Vorwurf gefallen lassen, das alles sei lediglich lieblos gekauft, weil man schließlich ein so vielbeschäftigter Mensch ist.
Gut. Dann ist jetzt noch ein bisschen Gehirnschmalz gefragt.

Sowas hab’ ich selten gesehen: Maik Martschinkowsky setzte beim gestrigen Slam (Berichte hier und hier) eine Idee in die Tat um, bei deren Vortrag einmal mehr deutlich wurde, dass derlei als bloßer, gelesener Text einfach gar nicht funktionieren kann. Einen Menschen darzustellen, der wegen eines “Kunstdings” Sehenswürdigkeiten der Welt ableckt, aufgrund von Kälte dann aber am Eiffelturm kleben bleibt, auf so was muss man erstmal kommen.

Diesen dann mit heraushängender Zunge, lispelnd, im Dialog mit einem Franzosen um Hilfe bittend, präsentieren…Heiliges Kanonenrohr, manche Slammer ticken schon merkwürdig. Aber gut.

“Das Ausfallen der Beleuchtung in den Wagen bedeutet keine Gefahr!”

Hinweis in den Wagen der Bielefelder Stadtbahn