Bespitzelst du mich, bespitzel ich dich
Geschrieben am 30 Dezember 2006
Martin Scorseses “The Departed - Unter Feinden”
Über drei Wochen nach dem Kinostart haben wir es dann doch geschafft, Scorseses neuestes Werk im Kino zu bestaunen. Den Trailer durften wir bereits vor einiger Zeit im Kino sehen und er ließ mein Fanherz für die frühen Gangsterfilme dieses Regisseurs beim ersten Einwirken hoch schlagen, derart stark erinnerten die dort gezeigten Bilder mich an diese:
Die ersten Gitarrenklänge von “Let it loose”, dazu ein schemenhafter Jack Nicholson und dessen Philosophie über die beiden vermeintlich einzigen Möglichkeiten des Daseins: Cop oder Krimineller, eine andere Wahl hat man nicht im alltäglichen Überlebenskampf. Aus seiner Sicht. Das klingt nach den harten Ansichten der Filme “Mean Streets“, “GoodFellas” oder “Casino“, in denen sich die Protagonisten ebenfalls gegenseitig die Köpfe einschlugen, um in ihrem Milieu voranzukommen.
Nicholson ist Frank Costello, ein diabolisch anmutender Unterweltboss in Boston. Sein Schützling Colin Sullivan (Matt Damon) gerät in eine Abteilung des State Police Departements unter Sgt. Ellerby (Alec Baldwin), dessen Aufgabe es ist, eben Costello eines Tages dingfest zu machen. Nun ist in der Lage, Informationen zu den Ermittlungen gegen ihn aus erster Hand zu erlangen. Das verhilft ihm das eine und andere Mal aus der drohenden Patsche.
Doch das State Department schleust im Gegenzug jemand anderen unter seine Gangster ein: Der eigens hierfür operierenden Abteilung unter Queenan (Martin Sheen) und Dignam (Mark Wahlberg) gelingt es, Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) für dieses waghalsige Unterfangen zu rekrutieren. Der erlangt auch erfolgreich Costellos Vertrauen.
Durch viele Ungereimtheiten kommt auf beiden Seiten nach und nach der Verdacht auf, dass der jeweilige Gegner eine “Ratte” bei sich eingeschleust hat. Die Suche und Hetzjagd innerhalb der und außerhalb der Organisationen fordert darauf einige Verwirrungen und auch Menschenleben. Bei den immer wieder dokumentierten Korruptionsskandalen erhält man nun eine Darstellung, wie so etwas in der Realität, im Prozess aussehen könnte und was die Protagonisten dieser Fälle durchleben müssten.
Wem “Casino” schon zu brutal war, der sei vorgewarnt: Zwar ist ein Film selbst nie gewalttätig, aber die Darstellung der Aggressionen hier lässt den Betrachter so manches Mal den Atem stocken. Obwohl Scorsese einige Bilder ungezeigt lässt (z.B. den Aufprall von Queenan nach seinem Sturz vom Hausdach: Der Flug war zwar zu sehen, der Aufprall blieb aber direkt unter dem Bildrand verborgen. Lediglich die Geräusche und die Blutspritzer zeugten davon), schluckt man nicht selten aufgrund der Authentizität.
Das macht den Film aber nicht minder faszinierend. Im Gegenteil.
Faszination geht hier auch einmal mehr von Nicholson aus. Die Rolle des Costello verlangte nach einer diabolisch-dämonischen Figur und wer wäre dafür besser geeignet als er. Dieser Anforderung wird er einmal mehr gerecht: Sitzt er in der Opernloge zwischen den Prostituierten, von rotem Licht während einer Arie angestrahlt, wirkt er wie der Teufel höchstpersönlich. Sein Spitzbart tut sein Übriges dazu. An anderer Stelle erlaubt er sich Späße und streckt dem wartenden Sullivan in einem Pornokino einen schwarzen Dildo entgegen. Wer erinnerte sich da nicht an einen antiken Satyr?
Resumée: Wer die alten Gangsterfilme Scorseses mochte, wird erleichtert sein, dass die Kette von Schinken wie “Kundun” und “Gangs of New York” unterbrochen scheint. Hinsichtlich der Darstellung von Gewalt erfährt er aber hier eine immense Steigerung.
Kritiken und Rezensionen:
- Die ZEIT
- Spiegel
- Süddeutsche
- F.A.Z.
Weiteres:
- Offizielle deutsche “Departed”-Homepage
- Martin Scorsese bei der IMDb


Und jetzt muss ich mal klugscheißern. Du MUSST unbedingt die Originalvorlage dieses wirklich guten Remakes anschauen. “Infernal Affairs” aus Hong Kong.
Hab Sarah die DVD zu Weihnachten geschenkt, das schreit geradezu nach einem Päärchen-DVD-Abend, was?
Auf den Film wollte ich auch gar nicht eingehen, weil ich den noch nicht kenne. Können wir aber gerne mal machen. Mach’ mal ‘nen Vorschlag.
[...] wenn Du dieses Blog hier nicht lesen wirst: Ich freue mich riesig für Dich mit, dass es mit “The Departed” endlich geklappt hat und Du den Oscar für die beste Regie-Arbeit in Händen hältst. Ich hätte [...]